Neue Medaillen als ein neues Medien-Thema?!

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 12 Uhr 49 Minuten

 

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Wer hätte das gedacht, dass es im verflixten 7. Jahr von "DaybyDay"*) erstmals zu einem politischen Kommentar kommt?

Aber an diesem Tag geschieht etwa so Neues - und zugleich so Altbekanntes -, dass es der öffentlichen Kommentierung bedarf.

Am liebsten als user generated comment in den ARD-Tagesthemen! Aber zu diesem Privileg kommt man ja wohl nur, wenn man mit einem Festvertrag bei einer der Rundfunk-Anstalten beschäftigt ist. Und selbst dann...

Und dennoch soll dieser Kommentar geschrieben und an diesem Tag publiziert werden. Und zwar unter jenem Titel, mit dem der nachfolgende Text ursprünglich überschrieben worden war:

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Neue Orden braucht das Land!?

Heute soll erstmals ein neuer Typ von Orden an Soldaten verliehen werden, die aktiv in Gefechte verwickelt oder durch Attentate an Leib und Leben bedroht waren, an Überlebende als auch - posthum - an Gefallene.

Am 13. November 2010 berichtete dazu erstmals Spiegel-Online Politik :

Auf Initiative von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) billigte Bundespräsident Christian Wulff nach SPIEGEL-Informationen eine neue Gefechtsmedaille. Diese Sonderstufe der Einsatzmedaille der Bundeswehr soll an jene Soldaten verliehen werden, die "mindestens einmal aktiv an Gefechtshandlungen teilgenommen oder unter hoher persönlicher Gefährdung terroristische oder militärische Gewalt erlitten" haben.

Das neue Ehrenzeichen, so sieht es der Erlass vor, soll auch nach dem Tod verliehen werden können. Die erste der neuen Gefechtsmedaillen will Guttenberg am 25. November vergeben.

...

Interessant ist zunächst, dass selbst mehrere Tage nach dieser Spiegel-Meldung diese Nachricht zwar weit verbreitet aufgenommen, aber zunächst noch kaum auskommentiert wurde. Selbst bei den sonst so schnell reagierenden interaktiven Spiegel-LeserInnen nicht.

Und nicht einmal auf der Webseite Soldatenglück, die sich als "Der Streitkräfte-Blog mit dem robusten Mandat" auszuweisen versucht.

Auch der Umstand, dass es bereits ein "Ehrenkreuz für Tapferkeit" gibt, wird in diesem Zusammenhang kaum in Erwägung gezogen, dabei waren eben diese Ehrenkreuze vor gut einem Jahr von Frau Dr. Merkel an vier in Afghanistan stationierte Soldaten verliehen worden, die unter Lebensgefahr einen verletzten Kameraden geborgen hatten. [1] [2]

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Ausgerechnet im Börsenforum von stock-world.de werden wir dann noch fündig:

Rubensrem. posted am 13.11.10 14:17 unter der Überschrift: "Sterben für ein Stück Blech?
Anscheinend soll die altbekannte Tradition erweitert werden, Tapferkeitsmedaillen als Auszeichnung zu vergeben für Einsätze in einem sinnlosen Krieg. Außerdem bringt sich Gutti damit wieder ins Gespräch für höhere Aufgaben. Gutti redet also nicht nur Blech, sondern wird in Zukunft auch noch mehr Blech verteilen.
"

Das Wort "Zukunft" ist als Link doppelt unterstrichen und gibt bei einem entsprechenden Mouseover die Nachricht bekannt, dass die "BMW-Group der nachhaltigste Automobilhersteller der Welt" sei.

Worauf mikkki um 14:25 Uhr kommentiert:
"Und das bei steigenden Rohstoffpreisen."

Was wiederum um 14:34 von Juto mit dem Satz kommentiert wird:
"das lohnt sich dann ja doppelt"

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Und in einem der vielen Kommentare auf den Spiegel-Artikel - # 67 vom Alt 22.11.2010, 01:54 ist u.a. zu lesen:

Herr von und zu Guttenberg, bisher hatte ich eine gute Meinung von Ihnen, obwohl ich der CDU nicht nahe stehe. Für kriegerischen Mut eine Auszeichnung in Form eines Ordens zu verteilen ist nur zu verurteilen. Ich habe Achtung vor den Soldaten, die ihr Leben und Gesundheit einsetzen müssen, weil die Bundeswehr und ihr Eid es so verlangen. Aber es erinnert mich an das verbrecherische Hitlerregime und an die DDR, für alles und jeden einen Orden zu vergeben.

Tapferkeitsmedaillen für kriegerische Auseinandersetzungen finde ich ehrlich gesagt zum Kotzen. Das gehört nicht mehr in unsere Zeit. Sorgen sie lieber dafür, dass die Soldaten vom Volk angenommen werden und ihre Arbeit für die Freiheit Anerkennung findet und dass den Angehörigen der Gefallenen bzw. die durch durch den Krieg auch psychisch verletzen Soldaten ausreichend Hilfe durch den Staat bekommen.

.......

Wir zitieren: [3].

Schon am 7. April 1933 wurden - nach der "ordendarmen Zeit" der Weimarer Republik - per Gesetz Orden und Ehrenzeichen wieder eingeführt. In den Folgejahren erlebte die Vergabe von Ehrenzeichen und Orden eine Blüte. Ab 1937 wurden die Ehrungen "ganz oben" angebunden. Die Verleihung konnte nur noch durch Hitler erfolgen."

Ingo Bach: "Der Führer gab neuerdings Weisung, die Verleihung von Ehrenpromotionen solle so sparsam wie möglich erfolgen." Verleihung und Anerkennung des Titels "Doktor ehrenhalber" als Spiegel nationalsozialistischer Hochschulpolitik.
In:
: Werner Buchholz (Hrsg.): Die Universität Greifswald und die deutsche Hochschullandschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Steiner 2004, S. 320 (ISBN 978-3-515-08475-8)

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Auch wenn dieses Medaillen-Thema kein reines Medien-Thema ist, soll dieser Tag und diese Entwicklung im Auge behalten werden. Aus historischen Gründen. Und aus staatsbürgerlicher Verantwortung einer Familie, deren Vorfahre einst mit Schimpf und Schande aus dem Flieger-Chor der glorreichen Veteranen des ersten Weltkrieges entlassen wurde, als er sich gegen die Wiedereinführung des Rechtes ausgesprochen hatte, wieder mit Orden in der Öffentlichkeit auftreten zu dürfen.

WS.

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*) Im Zusammenhang mit diesem Kommentar sei verwiesen auf die folgenden "DaybyDay"-Artikel:

- ILA Berlin Air Show: 100 Jahre Motorflug
- DLD (Digital, Life, Design) (I)
- The Editors’ Note: "cut’n paste"
- BookFair_06 (III) Desiderata, Punkt VI
- Blogs, die die Welt verändern?

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Zu guter Letzt als Zitat die am 26. November 2010 herausgegebene Presse-Erklärung des Ministeriums:

Bundesminister der Verteidigung verleiht Ehrenzeichen der Bundeswehr und Einsatzmedaillen Gefecht

Berlin, 26.11.2010, BMVg Presse- und Informationsstab.

Bundesminister der Verteidigung Karl-Theodor zu Guttenberg überreicht am 29. November 2010 [sic! WS.] im Bendlerblock in Berlin verdienten Soldaten sowie Angehörigen gefallener Soldaten Ehrenkreuze der Bundeswehr in Gold, Ehrenkreuze der Bundeswehr für Tapferkeit und neu gestiftete Einsatzmedaillen Gefecht.

Bereits am 25. November 2010 überreichte der Minister in einer persönlichen Veranstaltung den Angehörigen des am 29. April 2009 in Afghanistan gefallenen Hauptgefreiten Sergej Motz die erste Einsatzmedaille Gefecht. Der 21-Jährige war in der Nähe von Kunduz mit seiner Patrouille in einen Hinterhalt geraten. Das Gefecht, in dem er fiel, markierte eine bis dahin nicht gekannte Intensität des Afghanistaneinsatzes für deutsche Soldaten.

Minister zu Guttenberg stiftete die Einsatzmedaille Gefecht, um den Einsatz der Soldaten unter hoher persönlicher Gefährdung bis hin zur Verwundung oder zum Tod zu würdigen. Der Bundespräsident genehmigte am 12. November 2010 die Stiftung dieser Medaille, mit der Soldaten ausgezeichnet werden können, die aktiv an Gefechten teilgenommen oder terroristische bzw. militärische Gewalt unter hoher persönlicher Gefährdung erlitten haben.

Informationen für Medienvertreter und Bild der Einsatzmedaille Gefecht im Downloadbereich. [4]