Der DJV in Essen (II): Denk-An-Sätze

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 12 Uhr 37 Minuten

 


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Wer sich unter diesem Titel einen offiziellen Bericht oder einen journalistischen oder einen persönlichen Beitrag erhofft, mag auf die hier im Text bereits aktivierten Links gehen und dort nach- und/oder weiterlesen.

Vielmehr wird die Rückreise von der noch bis in den Mittwoch hinein andauernden Veranstaltung zum Anlass genommen, einige weitergehende Anmerkungen zur Branche und den darin gefertigten Gewerken zu machen.

Am liebsten, in dem statt weitschweifender Erklärungen oder allzu persönlicher Ableitungen Denk-An-Sätze aus der Versammlung zusammengetragen werden, in denen sich das Allgemeine hinter den jeweils besonderen Formulierungen herauslesen lässt.

Dazu gehör(t)en Denk-An-Sätze wie die folgenden:

- Wenn Content King ist, warum sind die Kreativen dann nicht die Edelleute sondern die Knappen dieses Gewerbes? [1]

- Weder ohnmächtige Wut noch die Medienmacht einer vierten Gewalt werden die Existenz des Journalisten sichern können - das geht nur mit Geld - und das kann ins Geld gehen. [2]

- Blogger sind per se weder bessere noch schlechtere Journalisten. Aber: Ein neues Medium macht noch keinen neuen Sommer. Und der Frühling des Online-Journalismus ist etwas anderes als ein Blütenmeer von Blogger-Bits’n Bytes. [3]

- Der Journalist ist der Wahrheit verpflichtet. Aber er würde lügen, wenn er behauptete, immer die Wahrheit gesagt zu haben. [4]

- Mit der Kreativität des Journalisten ist es wie mit den kupfernen Töpfen in seiner "Küche". Es ist gut, wenn man sie beim "Kochen" zum Einsatz gebracht hat, aber es wäre schlecht, wenn sie zum Essen mit auf die Tafel verbracht werden würden. [5]

Anmerkungen

[1
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Mit 14 Jahren wurde der jungen Ritteranwärter – mit manchmal bis zu 30 anderen Jungen an einem Hof – zum Schildknappen ernannt. Damit begann der dritte und härteste Teil der Ausbildung. Ab jetzt diente der Knappe nur noch seinem Herrn und erhielt sein erstes Schwert, mit dem er nun täglich üben musste. Überhaupt drehte sich in dieser Zeit alles um Waffen, Kampf, Jagd, Turniere und kriegerische Auseinandersetzungen.
Der Knappe war für die Rüstung und Waffen seines Herrn verantwortlich. Er hatte die Aufsicht über die Rüstkammer und versorgte die Pferde.

Bild und Zitat gefunden bei: kidsweb.de.

[2Die Begriffe »vierte Gewalt« und »vierte Macht« werden üblicherweise synonym verwendet, aber die Ausdrücke meinen nicht dasselbe. Wer »vierte Gewalt« sagt, geht von einer – virtuellen – vierten Säule im System der Gewaltenteilung aus. Neben Exekutive, Legislative und Justiz gibt es danach die Medien, die zwar keine eigene Gewalt zur Änderung der Politik oder zur Ahndung von Machtmissbrauch besitzen, aber durch korrekte Berichterstattung und öffentliche Diskussion die Verhältnisse zum Tanzen bringen können.

Wer nur den Begriff der »vierten Macht« akzeptiert (weil Journalisten bekanntlich kein Mandat haben), redet in der Regel über jene Macht, die dann zum Zuge kommt, wenn die drei Gewalten versagen.

Je nach Standort und Gemütsverfassung des Medienschaffenden ist es entweder Berufsrisiko oder Privileg, wenn die Staatsmacht grob wird und Muskeln zeigt.

»Der deutsche Journalist braucht nicht bestochen zu werden, er ist so stolz, eingeladen zu sein, ein paar Schmeicheleien … Er ist schon zufrieden, wie eine Macht behandelt zu werden«, hat Kurt Tucholsky vor vielen Jahrzehnten geschrieben.

Hans Leyendecker zur Zukunft des Journalismus in der Ausgabe 19/2009 des Magazins der Süddeutschen Zeitung SZ-Magazin.de.

[3Blogger lieben es, eine Geschichte zu hinterfragen«, behauptete Arianna Huffington, die Gründerin der amerikanischen Onlinezeitung Huffington Post in einem Interview. Blogger seien wie Pitbulls: »Wenn sie sich erst mal in etwas verbeißen, ist es unmöglich, sie wieder loszureißen.«

Mag ja sein, aber die Welt braucht keine Pitbulls. Sie braucht Handwerker, die das Wichtige vom Unwichtigen trennen können und überprüfbare Stoffe von gesellschaftlicher Relevanz liefern. Im oft anonymen Netz aber mangelt es an ausreichender Kontrolle.

Hans Leyendecker (ebd.)

[4Wenn Sprecher also als wissend unterstellt werden – aber auch nur
dann –, kann man Lügen als unwahrhaftige Aussagen mit Täuschungsabsicht (oder,
wiederum äquivalent: als unwahrhaftige Aussagen mit Wahrheitsanspruch) charakterisieren.
Bei Autoren, die eindeutig auch die Möglichkeit des Irrtums mit
im Blickfeld haben (wie etwa Augustinus oder Thomas von Aquin) erkläre
ich mir das Fehlen der Wahrheitsbedingung damit, daß Fragen der moralischen
Beurteilung im Vordergrund stehen und in dieser Hinsicht zwischen
erfolgreicher Lüge und bloß versuchter Lüge (mit irrtümlichem Äußern der
Wahrheit) kein relevanter Unterschied besteht.

Hans Rott: Der Wert der Wahrheit.

[5
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Diese Foto wurde der Online-Werbung für Kupfer-Töpfe der Firma Schulte Ufer entnommen.