Der Ton - das Bild - der Tod

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 12 Uhr 15 Minuten

 

Am frühen Abend des vergangenen Montags, den 23. August 2010, zeigt der seit vielen Jahre im Büro eingesetzte Daten-Monitor der Firma NEC, Modell GMB-70, kein Bild mehr [1].

Auch das Auswechseln der Batterien bei der Fernbedienung und so manche weiteren Sekundärprüfungen der Funktionselemente hatte keine positive Wirkung. Zwar konnte ein Ton wiedergegeben werden, aber kein Bild.

Daraufhin wurde das Videokabel von der BNC-Buchse des NEC-Monitors gelöst und auf die BNC-Buchse eines SONY Monitors aufgesteckt. Das Gerät wurde angeschaltet. Und jetzt gab es von dem einen Gerät den Ton und von dem anderen Gerät das Bild.

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Zu diesem Zeitpunkt wurde in der rbb-Abendschau ein Beitrag über den verstorbenen Journalisten, Korrespondenten und - wie der rbb-Kommentator sagt "glücklosen" - SFB-Intendanten Lothar Loewe ausgestrahlt. [2]

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In der gleichen Sendung gab es zudem einen kurzen Einspieler von der Beerdigungsfeier des ehemaligen Abendschaumoderators Gerhard Lenz

In der als Online-Streaming wiedergegebenen Programm-Abfolge werden beide Beiträge hintereinander weg dargestellt, der hier Erstgenannte anmoderiert, der zweite im Nachrichtenüberblick. Dieser wird dann auch in der Spätausgabe wiederholt. Allerdings mit einem im Studio stehenden Moderator, der nach diesem Beitrag ohne Pause oder auch nur einem Augenzucken zum nächsten Beitrag überleitet.

Dabei geht es einem als Zuschauer dann doch verdammt seltsam an, wenn, wie in der Spätausgabe dieser Sendung, der Moderator den Bericht über die Todesfeier seines Kollegen - der wie er die Abendschau moderiert hat - und das ein Vierteljahrhundert lang in der Zeit von 1967 bis 1992 - selbst im Studio miterlebt und dazu dennoch kein eigenes persönliches Wort im Nachklapp über die Lippen bekommt. Das mag von der Art dieses Sendeformates so absolut korrekt sein. Und dennoch bleiben die Fragen: Wollte er nicht? Durfte er nicht? Konnte er es nicht?

PS.

Der 29’’ Multisync Color Daten-Monitor konnte an diesem Abend nicht mehr dazu gebracht werden, Ton und Bild zusammen auszuspielen.

Und es muss - vielleicht auch durchaus selbstkritisch - zugestanden werden, dass auch der Abschied von einem solchen Gerät, das viele Jahre lang seinen einwandfreien Dienst als Referenzmonitor geleistet hat, durchaus nicht ganz ohne Emotionen stattfindet.

Warum eigentlich? - Warum eigentlich nicht?


PPS.

Beim Nachprüfen der Sendungen für diesen Beitrag fiel der Blick auch auf den Abendschau-Blog
Dort war unter der Überschrift "Mitregiert in der Berlin-Box" ein Beitrag der Redaktion vom 22.08.2010, 19:04 Uhr ins Netz gestellt worden.

Darin war u.a. der folgende Satz zu lesen:

"Wir wollten von den Passanten vor dem Budneskanzleramt wissen, was ihre erste Amtshandlung wäre, wenn sie dort als Chef oder Chefin einziehen würden."

Und wir stellen fest - und das ganz ohne jegliche "klammheimliche Freude" - dass es offensichtlich auch einem Profi in einem öffentlich-rechtlichen Sender gelegentlich entgeht, dass er einen Dreckfuhler zur Publikation freigegeben hat.

Daher an dieser Stelle die Bitte an das LeserInnen-Publikum dieser Publikation "DaybyDay - ISSN 1860-2967", mit den eigenen, sicherlich noch weit häufiger auftretenden Fehlern dieser Art nicht allzu kritisch umgehen zu wollen.

Danke!
WS.

Anmerkungen

[1Hier ein Bild des Monitors, so wie es in einem Internet-Link dargestellt wurde:

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[2Ein Beitrag, der in verkürzter Form auch von den 20-Uhr-Nachrichten der Tagesschau übernommen wurde.


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