Fusion oder Flopp?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 11 Uhr 55 Minuten

 

Für den heutige Samstag, den 3. Juli 2010 haben der Deutsche Journalistenverband Berlin und der Journalistenverband Berlin-Brandenburg an einem gemeinsamen Ort - in das Abion Spreebogen Waterside Hotel in Alt-Moabit 99, 10559 Berlin - eingeladen. [1]

Die Mitgliederversammlungen der beiden Verbände werden im gleichen Haus in verschiedenen Räumen stattfinden. Mit dem Ziel, den angestrebten und notariell bereits akkreditierten Zusammenschluss auch von den Mitgliedern bestätigen zu lassen.

Dazu Gerhard Kothy, Vorsitzender JVBB:

Sechs Jahre lang haben der DJV Berlin und die damals neu gegründeten Verbände (Verein Berliner Journalisten und Brandenburger Journalistenverband), die seit vergangenem Jahr im JVBB zusammengeschlossen sind, nebeneinander existiert. Die Neugründung war seinerzeit richtig und notwendig. Aber heute ist der DJV Berlin, von dem wir uns getrennt hatten, ein anderer: mit einem völlig neuen, seriösen Vorstand, der den Verband nach seiner existentiellen Krise und der Insolvenz neu formiert hat. Mit ihm arbeiten wir schon seit mehr als zwei Jahren partnerschaftlich und im Laufe der Zeit immer enger zusammen.

Ich habe in Mitgliederbriefen und auf den letzten Mitgliederversammlungen immer wieder angekündigt, dass die jetzt anstehende „große Fusion“ mit dem DJV Berlin mein Ziel ist. Dass dieser Zusammenschluss unbedingt notwendig ist, um die Vertretung der Journalisten in unserer Region angesichts der akuten und wachsenden Bedrohung von journalistischen Arbeitsplätzen und Arbeitsmöglichkeiten der Freien zu stärken. [...]

Ich bitte Sie: Unterstützen Sie die Fusion, die mit einer Dreiviertelmehrheit der anwesenden Mitglieder beschlossen werden muss, durch Ihr Kommen! Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen den einigen und starken DJV in Berlin und Brandenburg.

Und dazu die Schlussworte von Peter Pistorius, Vositzender des DJV-Berlin:

[...] Als Vorsitzender stehe ich für die
Fusion, ohne Wenn und Aber. Die Voraussetzungen
sind geschaffen, die
Zeit ist reif zu handeln. Fünf Jahre haben
wir daran gearbeitet. Jetzt gilt es,
die Ernte einzufahren.
 [2]

Die Präambel der Satzung eines vereinigten Landesverbandes aus dem "DJV Berlin" und dem "Journalistenverband Berlin-Brandenburg, JVBB" würde wie folgt lauten:

I.

Im Bewusstsein ihrer Verantwortung für die Journalistinnen und Journalisten in Berlin und Brandenburg, aber auch für den Berufsstand in Deutschland insgesamt, schließen sich der DJV Berlin und der Journalisten-Verband Berlin-Brandenburg JVBB – Letzterer hervorgegangen aus der Fusion des Vereins Berliner Journalisten VBJ und des Brandenburger Journalisten-Verbandes BrJV – zu einem neuen einigen Landesverband des DJV für die Region Berlin-Brandenburg zusammen.

II.

Der Zusammenschluss erfolgt nach dem Willen aller beteiligten Partner gleichberechtigt, im Geiste gegenseitigen Respekts und auf der Grundlage der Prinzipien, die den DJV seit seiner Gründung tragen: Loyalität, Solidarität und Kollegialität.

III.

Der neue einige Verband steht in der Tradition der 1948 als „Presseverband Berlin“ gegründeten Berliner Journalistenverbände. Zu dieser Tradition bekennen sich alle am Zusammenschluss beteiligten Partner ausdrücklich.

IV.

DJV Berlin und JVBB sind sich ihrer schwierigen gemeinsamen Geschichte bewusst – aber auch ihrer gemeinsamen Wurzeln. Aus diesen gemeinsamen Wurzeln leitet sich ein großes gemeinsames Ziel ab: die bestmögliche Vertretung der Interessen von Journalistinnen und Journalisten in Berlin und Brandenburg. Das gilt sowohl nach außen, gegenüber Arbeitgebern und Auftraggebern – wie auch nach innen, innerhalb des DJV.

V.

DJV Berlin und JVBB sind sich einig, dass die Aufgaben für eine engagierte, verantwortungsvolle und durchsetzungsfähige organisierte Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten in Berlin und Brandenburg am besten von einem stabilen, starken und einigen Verband bewältigt werden können. [...]

Carpe Diem!

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Zum Schluss der Mitgliederversammlung gibt der Autor dieser Zeilen vor den noch verbliebenen Anwesenden eine persönliche Erklärung ab, die drei Punkte zum Gegenstand hat:
1. Zu Beginn der Versammlung hätte sich bei einer Abstimmung noch mehr als 1/4 aller Anwesenden gegen eine Fusion gestimmt. Zum Ende habe die Mehrheit der dann noch Anwesenden für eine Verschiebung der Entscheidung gestimmt. Das bedeute - unter Hintanstellung aller persönlichen Befindlichkeiten und Zielen - objektiv einen Fortschritt.
2. Manche Mitglieder, mit denen über oft viele Jahre eine hoher Grad an persönlicher Verbindlichkeit habe hergestellt werden können, hätten an diesem Tag nur noch mit so pauschalen Zu- und Abweisungen agiert und reagiert, dass diese Form der ritualisierten Diskriminierung und Verhinderung von Kommunikation an dunkle Zeiten erinnert habe, die das Über-Leben der Mitglieder der eigenen Familie in Frage gestellt hat.
3. Wir würden als Journalisten, Kommunikatoren und Multiplikatoren eine noch höherer Verpflichtung als andere Berufsgruppen haben, jenseits von Vorurteilen und Stimmungslagen nach der Wahrheit zu suchen - und uns dieser Verpflichtung zu stellen: in der Arbeit wie im all-täglichen Miteinander.


Einen Sachstandsbericht dazu in der Ausgabe Nr. 54 Seite 8 in "epd medien" vom 14. Juli 2010:

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epd medien # 54 | 14.07.2010 S.8