Medien-Zukunft aus weiblicher Sicht

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 01 Uhr 18 Minuten

 

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Nach den ebenso bewegenden wie engagierten Diskussionen auf der DLD-Konferenz zu Beginn diesen Jahres [1] und der Intervention des Autors auf der Session zum Thema "Female Decade" [2]

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mit Cécilia Attias, Beth A. Brooke, Steffi Czerny, Ria Hendrikx, Gabi Zedlmayer, Randi Zuckerberg

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hat der Veranstalter seine Idee wahr und das Thema nochmals zum Gegenstand einer eigenen zweitägigen Begegnung in München gemacht. Die DLD 10 Konferenz hat dazu den entscheidenden Anstoss gegeben - und die Bereitschaft der Sponsoren, auch bei dieser Thematik dem Hause Burda die Treue zu halten.


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Die zweitägige Konferenz DLDwomen findet am 10. und 11. Juni im Zentrum für Neue Technologien des Deutschen Museums in München statt. Schirmherrin ist Dr. Maria Burda-Furtwängler. Die DLD-Geschäftsführer Steffi Czerny und Dr. Marcel Reichart bringen unter dem Motto „The Female Decade“ mehr als 50 internationale Experten aus Medien, Wirtschaft, Kultur und Medizin zusammen und diskutieren über das gewandelte Rollenverständnis der Frau in Gesellschaft, Beruf und Märkten und die Auswirkungen der Digitalisierung in diesen Bereichen. [3]


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DLDwomen sei aber keine Konferenz nur für Frauen, "sondern ein interdisziplinärer Austausch für alle, die an der Zukunft unserer Gesellschaft interessiert sind und diese mitgestalten wollen“, so Steffi Czerny.

Daher gibt es einen Punkt, über den es im Zusammenhang mit diesem Programm in "DaybyDay" zu berichten gäbe.

Das Thema:

The Future of Media From a Female Perspective

und findet statt unter der Beteiligung von:

Sarah Öhrvall, Bonnier

Das Kindle sei von Frauen eingeführt worden, und auch das iPad gäbe den Frauen eine besondere Chance. Allerdings haben in der Entwickler-Szene die Männer nach wie vor die Hosen an. Bis heute würden die Dienste im Wesentliche von Männern entwickelt und ins Netz gestellt.

Bis heute gäbe es eine Liste von VCs, die sich immer noch weigern, Frauen als Führungskräfte zu akzeptieren.

Annelies Van Den Belt, SUP

Sie haben sich nie so sehr als Frau gesehen, denn als Kollegin. Sie habe viel Erfahrungen mit den traditionellen Medien gehabt, bevor sie begonnen habe, in dieser Welt die digitalen Medien einzuführen. Dies sei bislang die Aufgabe der Männer gewesen. Und von daher sei das Ganze für sie eine doppelte Herausforderung.

Die grossen Veränderungen der Medien würden - trotz alledem - von Frauen vorangetrieben.

Daphne Wu, Caixin Media

Nein, sie sei nicht eine der gefährlichsten Frauen in China. Ihr Thema sei Media Business, nicht die Rolle der Frauen in den Medien. Nach langen Konflikten mit den Investoren habe man eine neue Gesellschaft gegründet. Und das sei möglich gewesen, weil viele der Team-Member aus der alten Truppe dabei geblieben seien.

Katharina Borchert, Spiegel Online

Warum gibt es keine weiblichen Leader, die in dieser Domäne dominieren könnten? Weil es keine Rollenmodelle für Frauen gibt, an denen sie sich orientieren können.

Linda Abraham, Comscore

"We have an ocean of data", sagt sie und stellt einige Infos vorab vor, die Ende des Monats auch offiziell publiziert werden sollen.

Männer nutzen Online stärker als Frauen? Nein. Es gibt zwar mehr Männer, die einen Netz-Zugang haben, als Frauen. Aber die Online-Zeit wird von mehr Frauen verbraucht als von Männern.

Männer gegen im Netz mehr Geld aus als Frauen? Ja, aber die Frauen haben eine höheren Anteil an den "transactions" als Männer.

In sozialen Netzwerken verbringen Frauen 16% ihrer Online-Zeit. Und das ist ein höhere Anteil als der von Männern. Und diese Zahlen gelten auch für Frauen in Asien.

Online-Video wird von mehr Frauen genutzt als von Männern.

Twitter wird von Frauen ebenso häufig genutzt wie von Männern. Aber die Männer schreiben vor allem die Nachrichten. Die Frauen dagegen suchen nach der Nützlichkeit dieser Informationen.

Warum ist Bing "more female" als Google? Weil der Internet-Explorer der "Default-Browser" ist.

Im Mobilbereich gibt es aber noch eine Männerdominanz.

Also: Die content-consumers sind Frauen, mehr als die Männer.

Der Moderator der Diskussion ist Jochen Wegner von FOCUS Online.

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Er spricht von einer Session, in der die Improvisation mehr Raum einnehmen würde als seine Planungen zu dieser Veranstaltung. Und lässt zugleich durchblicken, dass die Beteiligten und er einen ganzen Abend in gemeinsamen Gesprächen verbracht haben. [4]

Seine letzte Frage richtet sich an alle und bezieht sich auf die Zukunft der Medien. Die Antworten lauten:

— Es gäbe wieder eine Nachfrage nach mehr Qualitäts-Material, sowohl im Netz als auch im Print-Bereich. Und dabei würden vor allem die Frauen das Sagen haben.

— Qualitätsjournalismus? Das habe nicht nur etwas mit den alten versus den Neuen Medien zu tun. Gerade im Finanzbereich ist Qualität gefragt. Und diese Chance wird nicht nur für die Druckprodukte gelten, sondern auch für den Online- und Mobil-Bereich.

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Und so verläuft dieser Tag ganz anders als geplant.

Nach einem ersten Besuch bei den Veranstaltern des Forums über Digitale Cinematographie führt der Weg an das andere Ende des Gebäudes. Und von dort aus in das Herz des Museums.

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Und von dort aus in einen Veranstaltungsraum, der überwiegend mit Frauen besetzt ist.

Und in dem Frauen endlich einmal ansagen, was Sache ist.

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Die erste besuchte Session stand unter dem Thema: "Female Factor: Will to Power".

Anwesend waren:

- Eleanor Tabi Haller-Jorden, Catalyst

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- Floriane De Saint-Pierre, Floriane de Saint Pierre & Associés
- Antonella Mei-Pochtler, Boston Consulting Group

Der Verlauf dieser drei Präsentationen und der anschliessenden Runde mit Fragen und Antworten war von solcher Qualität, dass es unmöglich ist, dies in kurzer Zeit adäquat wiederzugeben.

Stattdessen die Empfehlung: Von dem Mitschnitt dieser Session eine DVD zu erstellen und diese als Programmangebot für alle Englischklassen in deutschen Schulen zur Verfügung zu stellen. Schliesslich haben wir ja für diese Fragen der Bildung und Ausbildung eine Ministerin, eine Frau, die geeignet und Willens sein sollte, sich dieses Themas anzunehmen.

Nachfolgend einige Aufzeichnungen zu Aussagen, die in der Folgerunde gemacht wurden, die erste und einzige Runde, die in deutscher Sprache abgehalten wurde, mit den folgenden Teilnehmerinnen:

- Patricia Riekel, Burda Style Group
- Christine Haderthauer, Bavarian State Minister for Labor, Social and Family Affairs and Women
- Antonella Mei-Pochtler, Boston Consulting Group

"Man muss es sich leisten können, nicht geliebt zu werden."

"Es ist verdammt schwer, hart zu sein."

"Die Arbeit an der Spitze ist sogar weniger hart als die im Middle Management."

"Man muss lernen, die Dinge nicht persönlich zu nehmen, die nicht persönlich gemeint sind."

"Viele Männer, die erwachsen sind, haben nicht mehr so viel Entwicklungspotenzial. Im Gegensatz zu ihnen sind wir Frauen nicht in der Lage, den Rolladen so schnell zu zu machen. Haben wir eine Rede verhauen, können wir danach die halbe Nacht nicht schlafen. Ein Mann schüttelt sowas nach einer halben Stunde ab."

"Wir müssen die Regeln lernen, um in diesem Geschäft überleben zu können. Aber dann, dann werden wir sie als Frauen auch verändern müssen. Auch in den nächsten 5 Jahren wird das ’Blood, Sweat & Tears’ sein. Aber wir müssen da durch. Per aspera ad astra."

"Frauen sind technisch genauso kompetent. Und von der Seite der Teamfähigkeit können wir sogar zweimal so gut sein. Aber, diese Frauen müssen auch den Willen haben, hier für Veränderungen zu sorgen. "

"Die Männer, die haben immer nur einen Plan "A". Die Frauen haben immer mehr als diesen einen Plan in petto. Und selbst wenn die Frauen mit einem Plan "F" aufhören, werden sie sich deswegen noch nicht gleich umbringen wollen."

"Der tolle Hecht, der will auch glücklich sein. Und die Generation ’why’ ist heute sehr viel differenzierter aufgestellt. Aber die armen Männer werden heute gezwungen, in dieser Zwangsjacke zu stecken."

"Wir denken ganzhaltiger und wir denken nachhaltiger. Und dafür nehme ich auch Prügel und Haifischmethoden in Kauf. Um das umsetzen zu können, bedarf es auch einer gewissen Lust an der Macht."

"Wir Frauen sind doch sehr sachorientiert. Aber es wird dennoch notwendig sein, auch zu lernen, Kompromisse machen zu können."

"Die drei Kinder bei mir zu Hause, ich wäre nicht bereit, auf sie zu verzichten. Und auf meinen Mann würde ich auch nicht verzichten wollen, vielleicht der noch eher auf mich, weil ich so wenig da bin. Aber das Ziel kann nicht sein: Ein Heer von Managerinnen mit ihren Hausmännern."

"Mit einem gesunden Egoismus kann man zeigen, was einem wichtig ist.
Und damit kann man auch seiner Umwelt eine klare Orientierung geben."

"Männer zu führen ist viel einfacher als Frauen. Wenn die Männer mehr Geld bekommen, kommen die schon, bei Frauen ist das sehr viel komplexer."

"Männer funktionieren wie Soldaten. Und wenn es ihnen schlecht geht, brauchen sie eine Aufgabe, die sie davon ablenkt. Wenn Frauen ein Problem haben, dann wollen sie es lösen und dafür Zeit haben. Sie wissen, dass es jetzt notwendig ist, für sich da zu sein."

"Mich bewegt immer mehr die Frage, wie ich die Männer dazu bewegen kann mitzumachen. Wir können als Frauen die Menschen besser dort abholen, wo sie sind. Und dafür ist es dann manchmal auch nötig, sich miteinander streiten zu können. Und wenn man eine Linie gefunden hat, dann muss man die auch gemeinsam vertreten."

"Wir müssen deutlich machen, dass es ein Gewinn ist, wenn man mit dem Berufsleben auch das Leben lebt. Wir müssen nicht nur möglichst lange die Schreibtischstühle auf Körpertemperatur halten. Sondern wir brauche Lebensentwürfe, die Einstellungen befördern, dass Menschen mit Familienerfahrung auch die besseren Mitarbeiter sind.
Die Kindererziehung ist immer noch der beste Managementkurs überhaupt, an dem viele Männer immer noch nicht teilnehmen können."

"Weibliche Chefs sollten die Frauen und auch die Männer fördern, die einen Kindertag haben wollen. Auch mein Mitarbeiter hat jetzt seinen Papi-Tag erhalten. Und gerade diese Leute, die dann von zuhause aus per Computer mit dem Unternehmen verbunden sind, arbeiten umso härter und zuverlässiger. "

"Die Unternehmen, die nicht diese Möglichkeiten schaffen, werden immer weniger qualifizierte Mitarbeiter haben. In der Knowledge-Economy ist es besonders wichtig, dass die Frauen sich auch die Unternehmen nach diesen Standards aussuchen. Die guten Köpfe werden nicht mehr nur nach der Höhe des Gehaltes entscheiden, sondern zunehmend auch nach diesen Kriterien. "

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Ebenfalls nicht geplant war die Teilnahme an einem Workshop von einer Frau für eine grosse Reihe von interessierten Frauen.

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Ausgerechnet in der Physik-Abteilung trafen sich alle Beteiligten im Halbrund und Gangaji sprach über alles, was jenseits der intellektuellen und emotionalen Erfahrungen des Menschen liegt.

Mit ihrer sanften ruhigen Stimme - "ich habe mir meine Stimme in der Jugend ruiniert, als ich zu sehr geschrieen hatte" - zieht sie die Versammlung in ihren Bann und versucht zugleich nachzuweisen, dass nicht sie dafür die Verantwortung trage, sondern die Gruppe all jener Frauen, die in diesem Moment anwesend sind.

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Welch ein Fall von Serendipity: Vor mehr als 50 Jahren sprach in dem gleichen Raum der eigene Vater als Physiklehrer vor seinen Schülern. Und nun tritt eben dieses Museum - eines der prägenden Erlebnisse in den jungen Jahren des Autors - ein halbes Jahrhundert später wieder in Szene.

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Eine solche Erfahrung ist weder weiblich noch männlich, sie ist "unique and rewarding". Und eine Belohnung dafür, sich als einer der ganz wenigen Männer dieser Gruppe angeschlossen und im Verlauf der Begegnung auch verbal zu ihrem Wohl-befinden beigetragen zu haben.

WS.

Anmerkungen

[2Nachzuschauen auf der Seite www.dld-conference.com/video.php

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[3Das Deutsche Museum war ein wahrlich interessanter Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Und das nicht nur wegen seines kommunikationsfreudigen Direktors
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der in seiner kurzen Ansprache die Frauen aufforderte, nicht länger nur im Schlagschatten der forschenden Männer zu verweilen.
Leider hat er die Chance nicht genutzt um in den mitgenutzten Räumen auch inhaltlich auf dieses Thema Bezug zu nehmen: Sei es durch einen Verweis auf die Exponate des Deutschen Zukunftspreise,

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sei es durch einen Hinweis auf die Rolle der Frauen in der Luftfahrt von damals und heute.

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[4Umso bedauerlicher, dass der die Chance nicht ergriffen hat, als Moderator die besonderen Kapazitäten der auf dem Podium Anwesenden herauszubringen. Das soll hier in aller Fairness gesagt werden, wohlwissend, dass man keine Steine werfen sollte, wenn man selbst im Glashaus sitzt.


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