Die Arbeits- / Film-Welt im Netz

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 01 Uhr 16 Minuten

 

Erst in letzter Minute entschieden: der Konflikt in der Frage zur Teilnahme an einer der beiden nachfolgend genannten Veranstaltungen:

- in Hamburg auf Einladung des hightech presseclubs:

„Neues Arbeiten“ - die (R)evolution der Wissensarbeit

[...] Hightech verändert die Arbeitswelt seit Jahren. Das Faxgerät hat vielfach nur noch musealen Charakter. Das Festnetztelefon wird durch Internet & Co in den Vorruhestand gedrängt. Und selbst die eMail gilt im digitalen Alltag einer jungen Generation bereits als Auslaufmodell. Doch dies sind nur vordergründige technische Veränderungen. Mindestens so spannend sind die rasanten Umbrüche im privaten, wie im beruflichen Kommunikationsverhalten der Menschen.

Läuten Web 2.0 Angebote, wie soziale Netzwerke, Wikis, Instant Messaging etc. eine (R)evolution der Arbeitswelt ein?
„Wer“ und „was“ sind die Treiber dieser Entwicklung?
Welche Rolle spielen demografische Entwicklungen?
Wo liegen die Chancen?
Was sind die Herausforderung für die Unternehmenskultur, um durch neue Formen der Kommunikation die Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu verbessern?
Zwei Hochkaräter der IT-Branche stehen im „Doppelpack“ exklusiv im hpc Rede und Antwort: Ralph Haupter, erst seit dem 1. Mai neuer, Deutschlandchef von Microsoft und HP-Chef Deutschland Volker Smid.
Beide wollen erstmals ihre Standpunkte zum „Neuen Arbeiten“ vorstellen und anschließend mit uns über die technischen, unternehmerischen und gesellschaftlichen Herausforderungen diskutieren.

Zu den Referenten:

Ralph Haupter (41) – Seit 1. Mai auf dem Chefsessel von Microsoft Deutschland. Als Vorsitzender der Geschäftsführung verantwortet er das Geschäft der drittgrößten Landesgesellschaft des US-Softwarekonzerns. Mit seinem Vorgängen, Achim Berg, arbeitete der leidenschaftliche Segler und Hobby-Trompeter vorher eng zusammen. Der diplomierte Maschinenbauer ist seit 2005 bei Microsoft.
Volker Smid (51) – Vorsitzender der Geschäftsführung der Hewlett-Packard GmbH seit Januar 2009. Als Vice President und General Manager leitet er den HP Unternehmensbereich Enterprise Business in Deutschland. Bis zu seinem Wechsel zu HP war Smid President EMEA von Novell. Bevor er zu Novell kam, war er als Senior Vice President EMEA und Asia-Pacific für das Mittelstandsgeschäft der Parametric Technology Corporation (PTC) verantwortlich. Zuvor leitete er das Nordamerika-Geschäft bei POET, einem Anbieter von eCommerce-Lösungen. Volker Smid ist Mitglied des Präsidiums des BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, TK und neue Medien e.V.).

- in Berlin auf Einladung von INTERFACE ! BERLIN:

Webcuts.10
Award-Verleihung und Party im Rahmen der webinale

Webcuts.10 präsentiert die besten internationalen Internet-Movies von 2009/2010 auf der großen Leinwand im ewerk:

Witzige, coole, spannende und gestalterisch hervorragende Movies, immer State-of-the-Art von Designer- und Filmstudios aber auch freie Arbeiten von jungen Autoren. Ausgewählt aus über 250 eingereichten Filmen aus aller Welt versprechen die Nominierten einen spannenden Wettbewerb und geben einen interessanten Einblick in aktuelle Trends und neue Formate.

PROGRAMM:

19:00

Begrüßung: Masoud Kamali, Geschäftsführer Software- und Supportverlag

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Grußworte: Barbara Kisseler, Staatssekretärin und Chefin der Senatskanzlei des Landes Berlin

19:20

Präsentation der Nominierten und Award-Verleihung in den Kategorien:

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— Infotainment

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— Documentary

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— Webcuts Classics

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— Extra-Wettbewerb: Berlin Award

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— Sonderpreis der Jury: Collaborative Projekts [1]

Durch das Programm führt Sie:
Milena Fessmann, Moderatorin u.a. radioeins

21:30


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Webinale Party mit Liveact und Djs

Soweit das zur Entscheidung anstehende Set.

Egal, wie diese Entscheidung ausfallen würde, zunächst gilt es einmal als bemerkenswert festzuhalten, dass heute so unterschiedliche Bereiche wie die der Büroarbeit und die der Filmproduktion und –distribution, nicht mehr ohne ihren jeweiligen Bezug zu den Themen der Digitalisierung und Vernetzung überhaupt diskutiert werden können.

Doch dann wurde diese Entscheidung durch die unerwartete Länge eines Telefonates wie von selbst gelöst: Nach einem mehr als einstündigen Gespräch war der Zug nach Hamburg abgefahren. Aber das Telefonat hatte zwei wichtige Erkenntnisse bestätigt:

— dass dieses die erste Generation von Eltern ist, die die Chance als Herausforderung anzunehmen hat, dass im Verlauf ihrer eigenen Lebenszeit sich der gesamte Zyklus eines Paradigmenwechsels vollzieht, sie also in ihrer Jugend noch das "Vorher" (z.B. Schreibmaschine) und im Verlauf ihres Arbeitslebens auch schon das "Nacher" (z.B. die EDV) als Teil ihrer alltäglichen Praxis erleben und assimilieren müssen

— das sich die aktuell heranwachsende Generation von Jugendlichen nicht mehr auf die Verhaltensmuster und Praxisrituale ihrer Eltern verlassen kann, dass sie auch bei der Übernahme derselben keine ausreichende Basis mehr haben, um darauf die eigene Zukunft positiv und möglichst erfolgreich ausgestalten zu können.

Und - das zeigen die Filmbilder dieses Webcuts-Abends mehr als deutlich - dass die Annäherung an die Wirklichkeit nicht mehr durch die Metaphern und Vorbilder erfolgt, die die Nachkriegsgeneration und ihre Kinder übernommen bzw. sich erkämpft haben, sondern dass diese Vor-Bilder aus Welten kommen, die in und mit der EDV generiert und durch diese vermittelt werden.

Die hier wieder als Kopie ihrer Selbst zum Einsatz gebrachen Star-Wars- und 8-Bit-Pixel-Welten sind in den hier gezeigten Filmen als dominanter Erfahrungsbezug stärker als die „Wirklichkeit“. Diese wird allenfalls noch als Klischee abgebildet, um sie sodann zu zerstören, oder sich auf deren Basis eine eigene Welt zu bauen.

Und so entstehen schliesslich sogar Filme wie der, aus dessen Sicht das sich entfaltende artifizielle Leben am Ende seiner Genese die Wirklichkeit wie ein noch zu entdeckendes Paradies erscheint. [2]

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass auch nur einer dieser Einspieler an diesem Abend von einer Mehrheit des zumeist jungen Publikums unter diesem Gesichtspunkt gesehen und erlebt wurde, so hat doch das Ensemble der hier so zur Ansicht gebrachten Filme eine Bedeutung, die über die Präsentation der einzelnen Arbeiten weit hinaus geht.

Die Rückkehr der digital produzierten Filme aus der Welt des EDV-Monitors auf die Leinwand [3] ist mehr als nur die vordergründige Rückbesinnung auf das "grosse Kino". Fand denn doch diese Veranstaltung nicht mehr in einem Kino, sondern im E-Werk statt [4].

In ihren einleitenden Worte macht die Vertreterin des Berliner Senats sogar eine deutliche Anleihe bei dem Staatsplan zur Elektrifizierung Russlands [5] der zu Beginn der 20er Jahre den - auch jetzt noch wieder zitierten - Spruch vom Kommunismus als der Summe von Sowjetmacht plus Elektrifizierung (eines ganzen Lande) hervorbrachte.

Dieses Thema heute mit der weltweiten Elektrifizierung des Films in Verbindung zu setzen ist ebenso offensichtlich - als auch gewagt: weiss doch heute noch keiner, wie es damit letztendlich ausgehen wird.

Eines aber steht auch nach der - nunmehr achten - Webcuts-Veranstaltung fest: Ein Filmfestival wie dieses kann und wird heute nur noch im und über das Netz organisiert werden. Und: Der Zugang zum Netz und die Elektrifizierung und damit einhergehende Digitalisierung des Filmes werden das Phänomen Film als solches nicht auslöschen.

So gewagt es auch ist, die Nachkriegs-Erfindung der "Berlinale" mit der Erfindung der Digital Natives, "webinale" genannt, in die Beziehung eines solchen Wortspiels zu setzen, so selbstbewusst ist doch der damit einhergehende Anspruch zur Modernisierung der Film-Ästhetik - bis hin zur kollaborativen Wertschöpfung und Wiedergeburt eines Filmes, der sich nur noch aus abertausenden von Filmbildern zusammensetzt, die aus der ganzen Welt für diesen Zweck übers Netz eingeschickt wurden.

Aber auch ein user-generated Star-Wars-Video wird nicht darüber hinwegtäuschen, dass zunächst eine generativ erzählte und als solche vom Publikum erlebte Geschichte am Ausgangspunkt einer solchen kollektiven Produktion stand. Und dass also - auch heute noch - das Thema Geschichte und der Wunsch eine Geschichte erzählt zu bekommen in einem dialektischen Zusammenhang stehen.

Ein Zusammenhang, der aber heute nicht länger nur philosophisch, sondern auch pragmatisch und praktisch erzählt werden kann, sowohl individuell als auch kollektiv: Dank der – unumkehrbaren? - Elektrifizierung der Sinne und der Medien.

Anmerkungen

[1Da auf der Info-Grafik für diesen Preis anstatt der Kandidaten sogleich der Gewinner präsentiert wurde, sei hier der zweite Bewerber-Film mit seiner URL nochmals gesondert erwähnt. Sie lautet:
www.thejohnnycashproject.com/
und ist aus Sicht des Autors eine der gelungendsten Arbeiten, die es an diesem Abend zu sehen gab.

[2Und ihre eigene Sogwirkung hat, die manchmal sogar zu übersteigen scheint, was ein Film zu leisten vermag: "Was können diese Filme noch leisten angesichts eines dramaturgischen Spannungsfeldes, in dem wir all-täglich durch die Themen der Wirklichkeit in Atem gehalten werden: Lena und Köhler, Griechenland und Israel, Ozonloch und Ölpest" - so einer der Kommentare im Verlauf der Abschlussparty.

[3Nicht ohne Grund waren sowohl TV- als auch EDV-Monitore wichtige Handlungsträger in diesen Filmen.

[4Ein Ort, der dem Autor noch aus heftig bewegten Zeiten bekannt ist, in denen unten die Menschen und Musik amagalmierten und am Ende der Nacht oben unter dem Dach das eingenommene Geld gezählt und verteilt wurde. WS.

[5ГОЭЛРО - Государственный план Электрификации России


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