Digitale Cinematographie

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 01 Uhr 18 Minuten

 

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I.

Die "Digitale Cinematographie 2010" mit 3D-Fokus findet in der Zeit vom 10. bis 11. Juni 2010 im Forum am Deutschen Museum in München unter der Federführung der Organisatoren Band Pro Munich GmbH, Ludwig Kameraverleih GmbH und MKMedia Production statt.
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Zum Schluss ihres Intros stellen die drei von der Traumfabrik, Gerhard Baier, Martin Kreitl und Martin Ludwig die Frage: ob 3D überhaupt immer erwünscht sei: " Passt es zu jedem Genre? Wollen wir in Zukunft nur noch 3D sehen? " und beantworten eben diese so:
" 3D verspricht neue Energie und Magie für das Kino. Soviel steht fest. Dennoch sollte 3D nicht als Einbahnstraße gesehen werden. Vielfalt sollte weiterhin die Maßgabe sein. Kreative Freiheit von Regisseuren und Kameraleuten, die nicht durch Technologien eingeengt wird, sondern unter der Ideen entstehen und filmerische Umsetzung finden – mit oder ohne 3D."

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Und HIER DER LINK zu den Workshops dieser beiden Tage: Voranmeldungen sind empfohlen.

II.

Der Besuch dieser Veranstaltung wurde in diesem Jahr durch drei Elemente besonders geprägt.

1. die Seltsamkeiten des Münchener Nahverkehrs:
—  ein Busfahrer, der seine Strecke nicht kennt und sich von einer älteren weiblichen Mitfahrerin im besten Münchnerisch erklären lässt, wo es denn langgeht
—  eine S-Bahnstation, auf der keine Rolltreppe funktioniert, die keinen Lift hat und daher das Heraufschleppen des Gepäcks über viele, viele Stufen erfordert
—  eine S-Bahnstation, auf der alle, aber auch alle Uhren ausgefallen sind
—  ein Busfahrer, der auf seiner Strecke, die ihn am Deutschen Museum vorbeiführt, nicht sagen kann, wo man für das Deutsche Museum aussteigen sollte…

2. die Wahrnehmungen auf dem DLD-Woman-Kongress wirken nach
— die Männer haben ihre technischen Gadgets und reizen ihren Erfindergeist bis ins letzte aus
— sie gehen auf ihre Art mit diesen Erfahrungen durchaus kollegial um, sind fast wie eine kleine fein eingeschworene Gemeinschaft von Kollegen die endlich eine neue Herausforderung gefunden habe
— die Dominanz der technischen Fragen und Herausforderungen, das nitty-gritty der to do’s und don’t do’s prägt das Miteinander und das Interesse am Anderen.
— von den rund 30 Referenten, die in diesen zwei Tagen vorgetragen haben, war keine einzige Frau dabei.

3. die vielen bekannten Gesichter und immer wieder neuen Erfahrungen
— es gibt kaum einen, der sich nicht jetzt doch mit der für ihn bis dato neuen digitalen Technik irgendwie „angefreundet“ hat
— es gibt auch kaum einen, für den die Arbeit heute mit den digital assets nicht zum Alltag geworden ist
— gerade auch die qualifizierten Kollegen können mir ihrem hohen Mass an Einsatzbereitschaft und Vorerfahrungen – zumal im 3D-Bereich – endlich punkten und von einer stabilen bis erfreulich guten Auftragslage berichten
— es gab keine Kamera mehr zu sehen, mit der man noch hätte „Film“-Aufnahmen machen können
— die Alexa von ARRI ist – zumal hier hin München – „tonangebend“ und wird derzeit auf einem eigenen Rig auch für die ersten 3D-Produktionen zum Einsatz gebracht
— der 3D-Bereich hat nunmehr auch in den Vorträgen und Vorführungen einen wichtigen Teil übernommen und das Veranstaltungskonzept das ganzen zweiten Tages geprägt
— es gibt immer wieder neue Versuche und Konzepte, die zwei Filmbilder über eine einzige Optik mit zwei integrierten Linsen einzufangen

III.

Der grosse Vorteil dieser Begegnung, Veranstaltung, Messe, Roadshow, Filmvorführungen ist es, dass sie von und für Kollegen organisiert werden.

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Vieles von dem, was auf der NAB angekündigt oder erstmals vorgeführt worden war, ist an diesem Punkt erstmals auch auf dem deutschen Markt im Einsatz zu sehen. Und nicht nur das: Vieles von dem muss den kritischen Vergleich mit anderen Systemen aushalten, die in der eigenen Praxis zum Einsatz gebracht wurden.

Von Vorteil ist auch, dass es hier nicht nur um die Vor- und Nachteile der einzelnen Gerätschaften und ihren Einsatzmöglichkeiten geht, sondern dass auch die Folgewirkungen dieser Möglichkeiten zur Diskussion gestellt werden. Diese sind nicht nur technischer Art, sondern auch organisatorischer, ökonomischer – und ästhetischer.

IV.

Da kein Verzeichnis auslag, wer wirklich sein Kommen zugesagt hatte und tatsächlich dann auch vor Ort war, lässt sich keine qualifizierte Aussage darüber machen, wie viele und welche Regisseure auch anwesend waren. Immerhin konnten aus dem eigenen Umfeld drei Personen gesichtet werden, die sich heute aktiv mit dem Thema Regie im 3D-Umfeld beschäftigen.

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So unterschiedlich die einzelnen Charaktere und Vorgehensweisen auch sein mögen, von allen ist übereinstimmend zu hören, dass die technischen Möglichkeiten einer Produktion von 3D-Filmen an sie ganz neue Herausforderungen stellen, auf die sie sich gerade erst einzustellen beginnen.

Auch eine langjährige Erfahrung in der Filmproduktion, selbst ein frühe und ausgiebige Auseinandersetzung mit der Digitaltechnik sein vielleicht ein hinreichendes aber in keiner Weise ausreichendes Kriterium um einen – technisch guten – 3D Film herzustellen. Allerdings werden auch hier durch die Bank weg zwei Bedenken laut:
—  was wird passieren, wenn die derzeit hohe Bereitschaft, sich durch Qualität in diesem neuen Arbeitsfeld auszuweisen, durch zunehmen inflationäre Tendenzen in Frage gestellt werden wird, die vor allem auf den wirtschaftlichen Vorteil setzen, denn das 3D-Argument gegenüber dem Zuschauer heute noch mitzubringen in der Lage ist.
—  Was wird passieren, wenn in den Sektoren Broadcast und Internet diese Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt und mit der Massen- und Amateur-Produktion das derzeit noch „Besondere“ von 3D als Highlight der Filmkunst mehr und mehr von der Banalität des Alltäglichen abgelöst werden wird?

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V.

Auf die spannendsten und ergiebigsten Gespräche im Verlauf dieser Tage kann allerdings an dieser Stelle nicht konkret eingegangen werden. Denn sie waren gerade dadurch gut, dass sie sich nicht an dem Erreichten festgehalten sondern sich der Herausforderung gestellt haben, handwerkliche und/oder dramaturgische Schwächen zum Thema zu machen. [2]

Spannend waren allerdings Überlegungen, die ebenso „banal“ wie weitreichend waren: So die Aussage, dass ein stereoskopische Bild uns eben keineswegs der „Wirklichkeit“ näher brächte, auch wenn dieses unter dem Anspruch der Umsetzung einer zunehmend immersiven Wahrnehmung gerne behauptet würde.

Ein weites Feld, in dem es noch über Jahre hinaus genug zu „ackern“ geben wird.

Anmerkungen

[1Die Veranstalter sagen: Zielsetzung der Veranstalter ist auch in diesem Jahr wieder, einen branchenorientierten Broadcast-Event zu schaffen, der die neuesten Digitalen Trends und Technologien präsentiert aber auch kritisch betrachtet. Den Besuchern aus der Medienbranche soll ein optimaler Mix aus Fachmesse, Workshops und Screenings geboten werden. Der Ausstellungsbereich ist mit über 40 Herstellern und Dienstleistern ausgebucht. Viele Aussteller, die bereits in den letzten Jahren zum Erfolg der Digitalen Cinematographie beigetragen haben, werden auch in 2010 ihre neuesten Produkte und Serviceleistungen aus den Bereichen Kameras, Objektive, Postproduction, Archivierung und Produktionszubehör „begreifbar machen“.

[2Hinzu kommt, dass ein Teil der Arbeit im Rahmen einer gutachterlichen Tätigkeit geleistet wird: Und daher ist – wenn auch aus ganz andern Gründen – auch hier ein Stillschweigen die Voraussetzung für eine in diesem Umfeld erfolgreiche und wirksame Arbeit. WS.


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