Wenn einer eine Reise tut (I)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 00 Uhr 50 Minuten

 

Vorbemerkung

In den folgenden Tagen wird das Format der Berichterstattung von den üblichen Regeln des „DaybyDay“-Formates abweichen. Zu eng sind persönliches Erleben und die Ableitungen daraus miteinander verknüpft, als dass man so tun könne, als ob alles aus der Warte des reflektierten und objektivierenden Beobachters beschrieben wird.
Die Darstellung wird chronologisch verlaufen, die Themen werden sich wie Perlen an der Zeitachse des Erlebten aneinanderreihen und ihre Auswahl wird keiner besonderen Gesetzmässigkeit unterliegen, sondern – im besten Sinne dieses Konzeptes – dem Zufall.

Amsterdam, Schipohl Airport: Wenn das kein Zufall ist.

Am Vorabend des Abfluges kommt es zur Verabredung einer der aussergewöhnlichsten Zufalls-Begegnungen: Wie einigen bereits bekannt, wird nunmehr im zweiten Jahr der speziell für IRIS Media ausgestaltete Foto-Kalender auf der ersten Seite nach dem Umschlag mit einem Foto ausgestattet, das einen der Empfänger dieses Kalenders mit dem selben zeigt. Und es ist klar, dass dem jeweils so Portraitierten einige Extra-Exemplare für sein eigenes "Family-and-Friends"-Programm gebühren.

Der in diesem Jahr so Ausgewählte lebt in Amsterdam. Und es stellt sich heraus, dass er am gleichen Tag, als der eigene Flug von Berlin über Amsterdam nach Las Vergas stattfinden wird, sein Flug von Amsterdam in Richtung Sao Paulo gebucht wurde. Am gleichen Tag, fast zur gleichen Zeit. Und, wie sich dann vor Ort herausstellt, fast am Gate nebenan. Und so treffen wir uns – vor dem eigenen Check-in am Gate F5 an „seinem“ Gate F7. Und es kommt zur Übergabe der für ihn bereitgehaltenen Anzahl von Sonderexemplaren dieses Foto-Kalenders.

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Kein Sekretariat auf dieser Welt hätte ein solches Match-up besser planen können – als der Zufall. Und es ist gut zu erleben, wie sich Freundschaft nicht nur medial vermitteln lässt, sondern auch transmedial, durch Faktoren, die letztendlich ausserhalb des eigenen Einflussvermögens liegen. Und die, wie in diesem Falle, zum Vorteil der Beteiligten wirksam geworden sind.

Zum Konzept dieser Dienst-Reise

Auch wenn es bestimmte Aufgaben gibt, die es im Verlauf dieser Reise zu erfüllen gilt, ist dennoch für dieses Jahr eine andere „Parole“ ausgegeben: nicht mehr zu planen, als für die erfolgreiche Umsetzung der Rahmenbedingungen unbedingt notwendig ist. Die Flüge zu buchen und das Hotel, den Leihwagen und den Erstkontakt nach der Ankunft am Zielflughafen. Und das war’s.

Das dieses zum Konzept erklärt wird, was sicherlich auch der Not geschuldet, dass für diese jetzt zu kommentierende Woche zunächst zwei Reisen an zwei unterschiedliche Orte in dieser Welt vorbereitet worden waren, nämlich Israel und die USA. Und dass es einen gewissen Zielkonflikt gab, zumal beide Reise im Auftrag eines Kunden aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor hätten durchgeführt werden sollen.

Dann aber stellte sich heraus, dass in einem der beiden Projekte die Vorbereitungen offensichtlich derart unprofessionell durchgeführt worden waren, dass die zum Vorschlag gebrachte Aufgabe gar nicht mehr hätte erfolgreich zur Durchführung gebracht werden können.

Und – der Zufall wollte es so – auch in diesem Fall wurde durch externe nicht vom Autor zu beeinflussende Faktoren ein potenzieller Zielkonflikt behoben.

Es mag sicherlich grenzwertig sein, über die Menge solcher Erfahrungen hinaus ein gewisses Prinzip ableiten zu wollen. Und es kann schon ganz und gar nicht angehen, sich mit dem Verweis auf solche externen Faktoren aus der eigenen Planungs- und Entscheidungskompetenz verabschieden zu wollen. Aber dennoch ist es von Bedeutung, diesen Ereignissen so offen in die Augen zu sehen, wie sie hier protokolliert werden.

Lost baggage claim / Stau auf der A 405 LAX – St. Monika

Nach der Ankunft in Los Angeles war zunächst nur ein kurzer Besuch beim Präsidenten der Digital Cinema Societey in Studio City und dann die Weiterfahrt nach Los Angeles geplant, doch dann verlief alles anders:
— das in Berlin aufgegebene Gepäck war nicht angekommen, die die Behandlung dieses Falls durch die KLM-, respektive DELTA-Leute vor ort war so was von blamabel und zeitraubend, dass es hier lieber nicht im Detail zur Darstellung gebracht werden soll. Die einzigen „Learnings“, die sich daraus ableiten lassen:
— die Leute nicht dafür Anschreien, dass jemand anders in ihrer Company Mist gebaut hat und ihnen den Stolz und die Möglichkeit lassen, dass auf den Weg zu bringen, was jeweils ihn ihrem eigenen Vermögen erreicht werden kann
— aber Ihnen auch zeigen, dass sie Verantwortung zu tragen haben für diesen Nachteil, den man als Kunde für einen solchen Schaden zu ertragen hat und sie nicht aus der Verantwortung zu lassen
— sich nicht nach dem Erstkontakt abweisen und den dort abgegebenen Erklärungen zufriedenstellen zu lassen.

Das Umsetzen dieser Strategie ist Zeitaufwendig und hat allein nach der Ankunft am Flughafen mehr als zwei Stunden verschlungen. Aber am Ende gab es zumindest
—  ein Fallnummer, die zunächst nicht erteilt worden war
—  ein Set mit Artikeln für die Körperpflege, das einem zunächst nicht einmal angeboten worden war
—  eine Kostenübernahmeerklärung für Kleidung, die nachgekauft werden musst, um zumindest in korrekter Garderoben seinen Job machen zu können.

Und dann der Stau auf der A 405. Nervenaufreibend? Ja. Und nervtötend? Ja. Aber warum nicht das Beste aus dieser Situation machen! Also wurde das Verdeck des von langer Hand zuvor bestellten Mietwagens geöffnet, die Windjacke, die schon im durch die permanente Frischluftversorgung im Flugzeug gute Dienst erwiesen hat, wieder angezogen, die Seitenscheiben des Cabrios wurden hochgefahren um den Autolärm und Gestank auf der zehnspurigen Strecke ein wenig zu dämpfen, das Radio wurde aktiviert und über das Lenkrad zum spielen gebracht… und so kommt es zum Sonnenbad inmitten der umherlungernden Fahrzeugmassen. Und zum Umsetzung der alten Erfahren, dass helles Sonnenlicht die beste Gegenmassnahme zur Bekämpfung von Jet-Lags ist.

Als nach 4 Stunden Verspätung es dann zur Einladung kommt, die Nacht im Hause des Gastgebers zu verbringen, ist die zeitlich um 180 Grad gedrehte Welt – schon fast wieder – in Ordnung.

2012 und 2010

Auch das ein Zufall der ganz besonderen Art: Kurz vor der Abreise wurde auf der „insight-out“-Konferenz an der HFF „Konrad Wolf“ in Potsdam Babelsberg ein Bericht über die Konzeption von PreVisuals für den Film „2012“ vorgestellt, etwas trocken aber mit einer Vielzahl von Bewegtbildbeispielen aus den Vorarbeiten zu diesem Film [1].

Während des Fluges mit der KLM 601 gab es ein Zeitfenster von zwei Stunden, das nicht mit Schlafen verbracht werden konnte. Dies war eine höchst interessante Zeit, war es doch nach Woche der (Selbst-)Ausbeutung der erste Moment, über die eigene Arbeit und die noch ausstehenden Aufgaben, Verpflichtungen und Wünsche nachdenken zu können [2].

Dann aber wurde – erstmals überhaupt auf dem Fluge – die in der Sitzlehne eingelassene - Fernbedienung aktiviert. Sie bestand auf der einen Seite aus einem Telefon und auf der anderen Seite einem Bedienfeld für interaktive Anwendungen der Bordunterhaltungs-Angebote. Und zwischen den beiden war ein Schlitz eingelassen, durch die für die Bezahldienste (auch SMS), die Kreditkarte durchgezogen werden konnte.

Das Interface dieser Fernbedienung war eine Katastrophe. Ein typisches Beispiel für eine engagierte Ingenieursleistung von Leuten, die etwas gut gemeint aber es letztendlich nicht wirklich umzusetzen vermocht haben. Es gab sogar eine Abfrage-Einstellung, in der man sich als Nutzer über diese Anwendung erklären konnte – anhand von vorgegebenen Antworten. Man war multimedial und interaktive – und dennoch, darauf kann gewettet werden, werden diese Dienst so kaum angenommen worden sein, wie sie konzipiert worden waren.

So, aber zurück zum Thema: in der Sektion „Film“ wurden neben anderen zwei Filme angeboten: „AVATAR“ und „2012“. Ein Angebot, das sich durchaus hätte sehen lassen können, wenn man denn auf den dort auf dem Rücksitz eingebauten Monitoren auch hätte sehen können. Und so kommt es zu der folgenden Entscheidung. Der Film „AVATAR“ wird im beschleunigten „8x“-Modus abgespielt. Ein wirklich interessantes Feature, das vorwärts wie rückwärts eingesetzt werden kann. Es ist seltsam, nach all dem 3-D- und HD-Aufwand diesem Film in diesem Modus wieder in einem solchen setting zu begegnen... Und dann wird der – ohne weitere Beschleunigung – der Film „2012“ nochmals auf die echt matte Scheibe eingespielt – und das eingedenk der Meldung, dass die noch verbleibende Flugzeit nicht mehr ausreicht, um noch den Film in ganzer Länge sehen zu können. Clever. Never mind.

Und das, Folks, war nun wirklich ein interessante, ja faszinierendes Erlebnis. Diese Filmausspielung zu vergleichen mit dem, was auf den „Previews“ in Babelsberg zuvor gezeigt worden war. Zu sehen, was wie umgesetzt worden ist (etwa die Fluchtszene im Auto zum Flughafen), und auch zu entdecken, welche der Animationsteile in der Darstellung überhaupt nicht mehr vorgeführt wurde (etwa der Absturz des Antonov-Flugzeuges). Das war interessant.
Faszinierend aber war ein anderes Schauspiel: einen solchen Film zu sehen im Anflug auf Kalifornien und zeitgleich zu erleben, was der Film an Katastrophen-Szenarien entwickelt und was der reale Anflug auf LAX hergibt. War eben noch in einem Filmauschnitt mitzuerleben, wie aus der Luft die Erdkugel zu sehen ist, die von grossen Beben-Wellen und Tsunamis erschüttert bzw. überflutet wird – während kurz danach die Fluganzeige dem Passagier im Bild wissen lässt, welche Strecke er nunmehr in den letzten 10 Stunden zurückgelegt hat, ohne dass er mit irgendwelchen Katastrophen irgendwelcher Art hätte konfrontiert werden müssen.

In eine Land zu fliegen, das sich den Luxus leisten kann, immer wieder seinen eigenen Untergang zu postulieren und gleich zeitig allseitig und möglichst allumfassend dafür Sorge zu tragen, dass eben dieser Umstand nicht eintrifft, das ist eine in der Tat faszinierende Koinzidenz die – dem Zufall sei es gedankt – so gar nicht besser hätte inszeniert werden können.

T-Mobile: No Go!

Nach einem solchen Text sollte man eigentlich aufhören. Daher zum Schluss nur noch ein kleines Notat, dass es als T-Mobile-Kunde aus Deutschland nicht möglich ist, einen vergleichbaren Data-Flat-Rate-Tarif in den USA abzuschliessen.
Nachdem in den letzten Jahre die Daten-Nutzung dank der zuvorkommenden Bereitstellung von Netzkapazität durch den Provider erfolgte, sollte in diesem Jahr dieses Privileg nicht erneut in Anspruch genommen, sondern dieser Dienst ganz normal „von der Stange“ vor Ort eingekauft werden.
Diese Unterfangen erwies sich als – letztendlich – unmöglich. Und das gleich im mehrfachen Sinne. Nicht nur, dass ein solcher Dienst nicht für Leute angeboten wird, die keine Social Scurity Number für den Computer anzubieten haben, sondern dass es nicht einmal möglich war, korrekte Auskünften an den dafür ausgewisenen Stellen zu erhalten: Am Stand in einem grossen Super-Markt nicht, in einem T-Mobile-Konzessions-Verkaufsgeschäft nicht, in einem von T-Mobile selbst betriebenen Laden nicht. Jedes Mal wieder wurde man von Pontius nach Pilatus geschickt, bis am Ende der Reise schliesslich einem vor der Nase drei Minuten vor 8 pm das Gitter vor der Nase zugemacht wurde. Und dabei war die Leiterin des Geschäftes schon von dem Eintreffen des Kunden telefonisch unterrichtet worden...

Und damit kommen wir wieder an den Anfangspunkt dieser Geschichte zurück. Hier reicht es eben nicht, ob dieser Umstände vorschnell aufzugeben. Vielmehr wurde laut an die Scheibe geklopft, ein Papier mit der Überweisung auf dieses Geschäft an die Scheibe gehalten, dem zuvor an die Tür geschickten Mitarbeiter bedeutet, dass alle seine Ausreden (von wegen, die Rechner seien schon abgestellt und dergleichen mehr) nicht traue und darauf bestehe, mit der Chefin – deren Namen bekannt war – selber reden wollen.

Was schliesslich dann – trotzt alledem – möglich war. Wenn auch mit dem oben schon bekannt gemachten negativen Ergebnis. Aber jetzt weiss man, woran man ist. Und jeder hat sich nach Kräften bemüht. Nur, dass „das System“ stärker war als alles Verlangen, als deutscher T-Mobile-Kunde in den USA bei T-Mobile einen Vertrag abschliessen zu können. Manchmal muss man dann eben doch „gate crasher“ sein, und sei es auch nur um zu erfahren, was geht – und was eben nicht geht.

Anmerkungen

[1Die natürlich nicht öffentlich gezeigt werden, oder auch nur besprochen werden durften. Einverstanden. Aber als am Ende der Pressekonferenz die Ansage kam, das auch das während der PK gedrehte Material nicht für eine Berichterstattung verwendet dürfe, war klar, dass eine weitere öffentliche Kommentierung – selbst des öffentlichen Teils dieser Veranstaltung – unterlassen werden sollte.

[2Worüber allerdings – auch bei diesem etwas erweiterten Konzept der Darstellung – wohlweislich nicht Bericht erstattet werden wird. Ausser, dass gesagt werden sollte, dass in diesem zwei Stunden das Internet on Bord nicht wirklich gefehlt hat. Wäre es da und zu nutzen gewesen, wäre es möglicherweise nicht zu diesem Moment der Selbstbesinnung gekommen…


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