Das Bärenkogel-Dossier

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 17. Juli 2016 um 10 Uhr 37 Minuten

 

Wir beginnen mit einem Auszug aus Kapitel 14 des im Winter 2009 erschienen Buches: „Toni Schruf – Die Biographie“ [1]:

Toni Schruf liebte die Bergwelt rund um Mürzzuschlag, die der nicht nur im Winter mit Skiern, sonder auch bei ausgedehnten Wanderungen im Sommer aufsuchte. Bei einem Ausflug mit seiner Tochter Rudolfine auf den nahegelegenen Bärnkogel machten sie Rast auf dem kantigen Felsen umgeben von hohen Fichten, frischgrünem Moos und dem Tosen der rauschenden Pretulbaches im Osten. […]
In seinem Kopf keimte der Gedanke, dieses momentan erlebte Gefühl der Ruhe und Ausgeglichenheit nahe Mürzzuschlags mit anderen Freunden der Natur teilen zu wollen. […]
Der Kogel sollte ein Ort besonderer Art werden. […]
Förderung fand Toni Schruf bei dem Sohn des großzügigen Gutsherren Josef Sorgo aus Spittal an der Drau, der die Grundabtrennung, Freigabe von Quellen und Wegen bewilligte und sonstige dafür notwendige Zugeständnisse gewährleistete. […]“

Damit wir nicht Gefahr laufen, den Richtlinien von Verlag und Urhebern dieses kürzlich erschienenen Buches zuwider zu laufen, [2] wird im weiteren Verlauf dieser Darstellung nur noch indirekt auf die weiteren Aussagen dieses Kapitel Bezug genommen.

Dass dieses aber geschieht ist dem Umstand zuzuschreiben, dass ein Reihe dieser in diesem Buch festgehaltenen Umstände dergestalt sind, dass sie sich auch für die heutige Zeit übernehmen lassen können, wenn vielleicht auch in anderer Gestalt.

Denn in der hier vorliegenden Darstellung wird schnell klar, dass die Person, die hier der Biographie den Namen verliehen hat, „sein Werk“ nur deshalb hat umsetzen können, da er und seine Idee immer wieder von einer Vielzahl unterschiedlichster Personen und deren Qualifikationen und Qualitäten unterstützt wurden.

In dieser hier zitierten „Gründungsphase“ waren diese neben dem hier genannten Gutsherren-Sohn, der Bezirksförster (als Grundvermesser), der „Jager-Franzl“ (als Kenner des Waldes) und der Kogel-Pächter.

Und als das Werk in seiner ersten Phase vollbracht war, wurde die erste Nacht in dem neu errichteten Bärenkogelhaus vom 14. auf den 15. April des Jahres 1916 mit drei Jagdfreunden verbracht, deren Namen auch mit „Igler, Jahn und Gattineau“ in der Biographie erwähnt werden. Und der Hausherr hält in seiner Chronik diesen Moment in einem Gedicht fest, das er wie folgt beschliesst:
Ihr seid als Erste zu Quartier,
Kein Ungemach begegnet
Der Berghospiz, Ihr habt es mir
Für alle Zeit gesegnet
!“

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Wir überspringen jetzt viele Abschnitte und Epochen: die erste Werbung für das alsbald ganzjährig bewirtschaftete Haus und der damit verbundenen Belebung des Fremdenverkehrs in der Region, den Kriegsjahren, dem im April des Jahres 1920 in Mürzzuschlag herausgegebenen Notgeld, auf dem eben dieses Haus einem Wahrzeichen gleich abgebildet worden war, dem weiteren Aufstieg des Hauses als „Alpenhotel Bärnkogel“ und seine Erschliessung für die Autoverkehr und schliesslich die Übernahme des Hauses durch die Eingangs erwähnte Tochter Rudolfine und ihrem Mann Franz Görig.

Und wir verweisen stattdessen auf einen Abschnitt am Schluss der Buches, der „Was wurde aus…“ überschrieben ist, und dieser Chronik gut ansteht, da mit diesem Kapitel ein Reihe von Brücken in die Gegenwart geschlagen werden. Darin wird gesagt, dass das Haus bis ins Jahr 1972 im Familienbesitz verblieb, und danach, nach mehrmaligem Besitzerwechsel „in der Nacht des 2. März 1986 ein Raub der Flammen“ wurde. [3]

Hier nun beginnen die aktuelle Anwesenden zu berichten: dass der Brand wohl vorsätzlich gelegt worden sei von einer Person, die schon drei Brandstiftungen zuvor auf dem Gewissen gehabt habe, dass dennoch der Wiederaufbau von der Versicherung bezahlt worden sei, das sich dieser an den alten Plänen orientiert habe, dass es dennoch gelungen sei, das neue Haus wiederum zu einem „Highlight“ des Tourismus in der Region zu machen und dass zur Jahreswende 2008/9 nach einem Finanzierungsengpass das ganze Anwesen sehr kurzfristig zum Verkauf aufgestanden habe. Einer Herausforderung, der man sich erneut nur durch eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten habe stellen können.

Auch hier und jetzt habe es einen Kopf für diese Entscheidung gegeben, jemanden, der schon als Kind selber als Sohn eines Schneidermeisters mit seinem Vater zur Anprobe auf diesem Anwesen zu Gast hat sein können und dem heute eine Vielzahl von Getreuen, Freunden und Kindern, ihn allesamt – jede und jeder auf die im angemessene Weise – die notwendige Unterstützung haben gewähren können. Nur so hätte es möglich werden können, dieses Anwesen nicht nur vor dem Verfall zu bewahren sondern es in eine neue Zukunft im Herzen dieser Region weiter leben zu lassen.

Im Gespräch mit dem neuen Eigentümer wurden von ihm im Rückblick auf seine Arbeit und im Ausblick auf seine Aufgaben Sätze genannt, die eine grosse Sinn-Verwandtheit mit jenen Zeilen des Hausgründers Toni Schruf zu eigen haben, die da lauten

Das Ziel

Nicht im wilden Sturmeszeichen
drohender Bajonettenhiebe
einzig in der Menschenliebe
werdet ihr das Ziel erreichen.

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PS.
Weitere Berg-Blicke von diesem Ort aus finden sich im Eintrag vom 4. Jänner 2010: Abschied vom Muerztal (1MB).

Anmerkungen

[1© Thorsten Buhl, Franz Preitler, Leykam, Graz 2009, S 198f.

[2„Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form […] unter Verwendung elektronischer Systeme […] verbreitet werden.“

[3ebd. S. 267


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