No Show: 63. Festival de Cannes

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 01 Uhr 02 Minuten

 

Nein, die Zeit vom 12. Mai - 23. Mai 2010 wird nicht auf dem Filmfestival in Cannes verbracht werden können. Die 10 Extra Tage in Kalifornien haben dieses Vorhaben zunichte gemacht.

Selbst dieses Brückentage - die fast jede(r) hier als ein verlängertes Wochenende wie selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt,
- wird angesichts dieser Pflicht zur Nacharbeit nicht für die Freizeit genutzt werden können.

Mit dem Streichen des Rückfluges aus den USA waren urplötzlich 10 Tage "freie" Zeit in Anschlag gebracht worden. Und die nach dieser Nachricht eintreffenden Reaktionen und Ideen waren zunächst ebenso irritierend wie mannigfach gewesen. Und die Entscheidung diesen Zufall als eine "Gunst der Stunde" zu nutzen ebenfalls.

Die Idee, aus Anlass dieses Ereignisses in aller Schnelle ein Buch mit Zeit-Zeugnissen zusammenzustellen, in der die "Vulkan-Asche-Opfer" berichten, wurde allerdings verworfen. [1]

Stattdessen werden diese Tage genutzt, um mit einer Filmhochschule über die eigene Zukunft zu reden, in einer Kunsthochschule den Namen der Künstlerin-Mutter zur Geltung zu bringen und mit einer weiteren Kunsthochschule für die Umsetzung eines Filmprojektes, das für 2011 mit einem öffentlich-rechtlichen Sender vorbereitet wird.

Wir werden uns das Festival in Cannes stattdessen im Netz anschauen. Und dieses Jahr dazu nicht einmal Online eigenen Beitrag einspielen. Denn nachdem mit "UP" im letzten Jahr die 3D-Welle auch an die Mittelmeergestaden Europas geschwappt ist, wird es nun darum gehen, was zu diesem Thema auch in Deutschland geleistet werden wird und kann.

Wohlwissen, dass die Wieder-Entdeckung einer dritten Dimension im Kinos der Anfang des Endes der Leinwand als Referenzebene des Films ist.

Das was man im Englischen so gerne als das "immersive Experience" bezeichnet bedeutet faktisch, dass mit der Stipulation des räumlichen Sehens die Leinwand als "Wand" durchbrochen wurde, dass damit ein alter Traum wirkkräftig umgesetzt wird, wonach die Schauspieler und Handlungsträge aus dem Film in den Zuschauerraum hinaus bzw. in diesen hineintreten.

Wohlwissend, dass ein solche Erfahrung dem Drehbuch eines Holodecks vorbehalten seien und bleiben wird, ist dieser erweiterte Wirkungsraum der Film-Kunst eine künstliche Erweiterung des Bildraumes - aber noch lange nicht seine Durchdringung.

Mit dem 3D-Kino wird die Wirklichkeit keineswegs wieder wirklicher, sondern die Illusion von dieser Wirklichkeit noch perfekter. Das ist ein Fortschritt und ein Manko zugleich.

Mag es auch zur Zeit noch zu früh sein, über die Mängel dieses Mankos zu sprechen - spätestens wenn das 3D Angebot an sich nicht mehr als Kassenschlager ziehen wird, wird die Diskussion über diesen Punkt einsetzen.

Und erste danach wird - vielleicht - begriffen werden können, dass diese mit den Mitteln digitaler Technik neu erstellte Räumlichkeit etwas mit dem Bedürfnis zu tun hat, einen "Ersatz" zu finden für die Fragmentalisierung von Linearität und Kontinuität, von Raum und Zeit in der Folge des Einsatzes dieser digitalen Technik.

Aber bis dahin wird noch viele weitere Film-Festivals gegeben haben, auf denen Überlegungen wie diese noch keinen Raum haben werden.

WS.

Anmerkungen

[1Und es wird umso spannender sein wer und welcher Verlag einen solchen Titel auf der Buchmesse in Frankfurt auf den Markt werfen wird.


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