Weniger ist mehr! Und was ist mehr?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 00 Uhr 03 Minuten

 

Heute nehmen wir Bezug auf zwei Hinweise in der Online-Ausgabe der Zeitschrift CHIP:

Der eine erschien am 3. Dezember 2010 ab 9:00 Uhr unter dem Titel:

Google: Homepage ab sofort noch minimalistischer

Der andere war bereits am 26.11.2009 ab 15:40 Uhr publiziert und lautet:

Google: Potentielles Re-Design jetzt schon nutzen

Interessant an diesen beiden Texten ist der Hinweis auf die unterschiedlichen Trends, die sich offensichtlich auch innerhalb des Hauses entwickelt haben: die konsequente Weiterverfolgung des "Weniger-ist-Mehr"-Prinzips versus der Entfaltung der alsbald unendlichen Weiten des Google-Imperiums vor den Augen der Nutzer.

Die eine Maxime würde lauten:

- "noch mehr suchen, noch weniger davon zeigen"

die andere Maxime würde lauten:

- "noch mehr von dem zeigen, was gesucht werden kann"

Jenseits von dieser Diskussion stellt sich aber immer noch - und mehr denn je - die Frage nach der Glaubwürdigkeit jenes alten Satzes der da lautet: "Wer suchet, der findet".

Unbeschadet der unendlichen Leistungsfähigkeit, scheinbar nach Gott und der Welt suchen zu können bleibt es eine offene Frage, was um Gottes Willen den wirklich in der Online-Welt gefunden werden kann.

Die Qualität des Suchergebnisses wird, zumal wenn es nicht ganz eindeutig ist, aus der Tatsache abgeleiet, wie oft sich die meisten Nutzer für eine bestimmte Antwort und nicht die anderen Möglichkeiten enschieden haben.

Das Argument "die Masse machts" mag bei der Masse der Nutzer auch ihren Sinn haben. Und es mag Manchem sinnlos erscheinen, noch irgend etwas dagegen argumentieren zu wollen.

Dennoch ist die Anmutung dessen, was heute als "usus" vom "user" anerkannt wird noch längst keine verbindliche Festlegung auf die Güte des so zur Geltung Gebrachten.

Google Inc. macht es uns einfach, glauben zu können, dass sich alles suchen lassen kann. Allein die Tatsache, dass man die Google-Seite als seine eigene Startseite festlegen lässt und / oder die Google-Tool-Bar zum festen Bestandteil seines Browsers macht - sofern man nicht eh’ schon mit dem Google Browser arbeitet - verleht vielen Nutzern schon die intrinsisch motivierte Hoffnung, nun allen Anforderungen des Lebens, soweit sie am Rechner zu bewältigen sind - gewappnet zu sein.

Nachdem es gelungen ist, die Welt zu umrunden, wird uns nun die Illusion vermittelt, dass es auch per EDV endlich "rund" geht und wir - jeder von uns - sich die Welt untertan machen kann.

Dass denn auch so gerne vom "Surfen" im Netz die Rede ist, hat nicht nur mit der beliebten Kopie von Amerikanismen in unsere eigene Nutzungskultur zu tun, sondern damit, dass nach der Zeit der europäischen Seefahrer und Entdecker nun der amerikanische Surfer die Gelegenheit erhält, sich seine globale Sicht der Welt im do-it-yourself-Verfahren ganz individuell zuzuschreiben.

Spannend wird es werden, wenn nach der Zeit der Seefahrer und der Surfer, nach der Entdeckung der Welt als Kugel und als virtuelle Scheibe, die nächste Phase der Exploration der Wirklichkeit einsetzen wird.

Wenn auf der einen Seite immer noch daran gearbeitet werden wird, aus "Nonlinern" "Onliner" zu machen, sind die fälschlicherweise so genannten "Digital Natives" mehr und mehr dabei, sich auf die Suche nach der verlorenen Liniarität des Denkens und der entfremdeten Historizität ihrer Erfahrung zu machen.

WS.


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