Die Netz-Gesellschaft

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 23 Uhr 54 Minuten

 

0.

Es ist keine leichte Sache, über ein Programm zu berichten, an dem man nur als Webuser hat teilnehmen können - und auch das nur mobil und/oder zeitversetzt. Insofern könnte der am Abend dieses Tages fertiggestellte Bericht im Verlauf der nachfolgenen Tage noch die eine oder andere Änderung erfahren.

I.

Aufgrund der Teilnahmeverpflichtung im Rahmen der am Vortag beschriebenen Seminarveranstaltung [1] wird eine persönliche Teilnahme an der hier im nachherein beschriebenen Veranstaltung nicht möglich sein.

Deshalb werden hier zunächst auf jene öffentlichen Quellen, die dieses Thema bereits in diversen Interviews anteastern
- die Frankfurter Rundschau in ihrem Gespräch mit Gisela Schmalz, das am Vortag, den 3. November 2009 publiziert wurde,
- das DNA-Digital-Interview mit dem LPR Chef Wolfgang Thaenert indem er sowohl auf die Aufgaben seiner Behörde, aber genauso über die Herausforderung der Gesellschaft angesichts der aktuellen Entwicklungen berichtet.

II.

Weiter gilt es auf das nachfolgend hier vorgestellte Programm zu verweisen, das an diesem Tag auch als Live-Stream auf dem eigenen Rechner ortsunabhängig vom Veranstaltungsort mitverfolgt werden kann. Der Zugang dazu wird über die speziell für diese Veranstaltung eingerichtete Webseite der LPR Hessen unter der URL: www.lpr-forum-medienzukunft.de bereitgestellt.

16.45 Uhr Begrüßung
Worauf sich die Landesmedienanstalt einzustellen hat
- Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen

Standortbestimmung
Wie wir künftig gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen
- Winfried Engel, Vorsitzender der Versammlung der LPR Hessen

Revolution 2.0
Wie die Netzwerkkultur die Gesellschaft verändert

Keynote
- Peter Kruse, nextpractice GmbH

Debatte
- Ibrahim Evsan, sevenload GmbH
- Peter Kruse, nextpractice GmbH
- Ingrid Paus-Hasebrink, Institut für Kommunikationswissenschaft,
Universität Salzburg
- Ulrike Reinhard, „Vernetzerin“, Mitinitiatorin DNAdigital
- Gisela Schmalz, Rheinische Fachhochschule Köln,
Medienökonomie, Bloggerin
- Wolfgang Thaenert, LPR Hessen

Schlussfolgerung
Rundfunk und Internet:
Spannungsfeld der Medienpolitik von morgen
- Roland Koch, Hessischer Ministerpräsident

Moderation
- Ingrid Scheithauer, isip communications

19.00 Uhr Empfang und get-together

Musikalischer Rahmen
Sarah Lipfert (vocal), Mathias Grosch (piano),
Sebastian Flach (bass)

III.

Um überhaupt - und sei es auch "nur" online und sei es auch nur gegen Ende der Veranstaltung - dabei sein zu können, waren zunächst einige technische Vorarbeiten notwendig.

Rechnerseitig verlagte der Provider der Ausspielung ein neues flash-update, das es zunächst einzuspielen galt. Und er Provider für den eigenen mobilen Zugang, die T-Moile, wurde zunächst über die echt kompetente und kooperative Hotline des Multi-Media-Service dahingehend befragt, wie denn mit der aktuell gültigen Software für deren web’n-walk-Karte compact II ein ausreichend schnelles Netz aufgebaut werden könne, um darüber auch ein Streaming-Angebot abrufen zu können. [2]

Von daher soll denn auch nicht an der nach wie vor ungenügenden Qualität der Übertragung herumgenörgelt werden, zumal gleich mehrere der mittwitternden Nutzer am Schluss ausdrücklich auf die gute Qualität der Übertragung lobend Bezug nahmen [3]. Daher an dieser Stelle als pars pro toto dieser Screen-Shot.

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IV

Dieses Bild wurde während der live-Übertragung als Screen-Shot festgehalten, nachdem es gelungen war, in der berliner S-Bahn auf dem Weg vom Ostbahnhof nach Charlottenburg einen recht stabilen Empfang im HSDPA-Standard herzustellen und die Nachbarschaft im Wagon keinerlei Anstoss nahm an dem Umstand, dass sich Herr Koch über die Achtung der Minderheitsrechte jener engagierte, für die das Netz noch keine Selbstverständlichkeit geworden ist.

Technisch war also möglich, was vor Jahren noch ein Wunder gewesen wäre. Man konnte die Veranstaltung im Netz live und mobil mitverfolgen und in dem - rechts neben dem Foto angelegten - Twitter-Block auch kommentieren. [4]

Wenn man "Glück" hatte, wurde man mit seinen Zeilen von der Redaktion auch auf die Leinwand hochgeschaltet, die hinter dem Redner zu sehen war - was dem MP sicherlich half sich vor einem solchen Hintergrund besonders gut als zukunftsgewandter Politiker "in Szene" zu setzen.

Allein, die "mental firewall" blieb bestehen: Weder er noch die Moderation ging auch nur auf einen einzigen dieser Kommentare und/oder Fragen ein.

Und als der Stream anschliessend als Video-On-Demand-File ins Netz gestellt wurde, war es weder möglich, diesen mit einer Stop-/Go-Funktion anzuhalten, vor- oder zurückzustellen, noch die Kommentare mitzulesen im Verlauf dieser Veranstaltung auf dem parallellaufenden Twitter-Kanal eingespielt werden konnten.

V.

Auf der Suche nach den Rednern und deren Beiträge interessierte natürlich besonders eine vertiefenden Einsicht in die Präsentation von Prof. Dr. Peter Kruse über "Kollektive Intelligenz" oder die Frage: "Netzwerkdynamik als Irritation oder als zukunftsfähiges Lösungsmodell?"

Es ist bereist das zweite Mal, dass einer seiner Vorträge im Nachherein an dieser Stelle hätte auskommentiert werden sollen. [5] Da es aber nicht möglich ist, auf diesen Stream in irgendeiner Weise Einfluss zunehmen, oder als File herunterzuladen und dann offline auseinanderzunehmen, verbleibt nur der Zugriff auf ein krudes Textkonvolut, auf das hier ersatzweise Bezug genommen wird, um dann zunächst den Prozess der Kommentierung abzubrechen.

VI.

Wie die Netzwerke die Alltagswelt verändern.
Umrisse eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels.

Das Internet ist nur ein technisches Symbol für die mit der steigenden Vernetzungsdichte einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Umfeldkomplexität und Umfelddynamik sind der Preis der Vernetzung.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Vernetzungsdichte in der Welt explodiert: KOLLEKTIVE INTELLIGENZ. Die Vernetzungsdichte im Internet nähert sich der Vernetzungsdichte im menschlichen Gehirn (Faktor 10). Zwei beliebige Seiten im Internet liegen mathematisch maximal 19 Klicks auseinander.

- www.cybergeography.org

Durchdringungsgeschwindigkeit der verschiedenen Kommunikationstechnologien:
- 100 Millionen Nutzer in 9 Monaten (Web 2.0)
- Radio 38 Jahre
- Fernsehen 13 Jahre
- Internet 4 Jahre

Das soziale Netz startet durch !

Starkes quantitatives Wachstum erhöht die Wahrscheinlichkeit qualitativer Sprünge.

- www.comScore.com

Wächst Vernetzungsdichte steigen Komplexität, Instabilität und Unvorhersagbarkeit: Je höher die Vernetzungsdichte in den Systemen desto stärker die Tendenz zur Selbstaufschaukelung durch Effekte spontaner Resonanzbildung: kleine Ursache – große Wirkung (Hypes)

Der Elch-Test (Oktober 1997) ist zum Bestandteil der Alltagssprache geworden. Wenn eine Qualitäts-Ikone ins Wanken gerät ... (Folgekosten für DaimlerChrysler in den zwei Folgejahren ca. 200 Mio €). Durch die Vernetzung können sich Entwicklungen jederzeit plötzlich aufschaukeln

- www.k-fee.com

Die Werbespots der jungen Firma K-fee sind viele millionenmal vom Internet heruntergeladen worden. Hol Dir den Schrei! Sende eine SMS mit Schrei an 81810 Mit der Kampagne wurde K-fee zum Talk-Thema in Jay Leno`s „Tonight“ Show Durch die Vernetzung können sich Entwicklungen jederzeit plötzlich aufschaukeln.

Vom Handyverkäufer und Teilnehmer der Casting Show Britain`s Got Talent zu einem der am meisten gefragten Tenöre in Europa 2008
Durch die Vernetzung können sich Entwicklungen jederzeit plötzlich aufschaukeln:

Susan Boyle 47-jährige schottische Sozialarbeiterin wird nach Auftritt bei Britain‘s Got Talent über Nacht zum Star im Internet. Innerhalb einer Woche: 30 Mio. Aufrufe bei YouTube. 130.000 Bewertungen 150.000 Kommentare Durch die Vernetzung können sich Entwicklungen jederzeit plötzlich aufschaukeln.

Zusatzeinkommen für den Zoo Berlin durch Knut bisher über 5 Millionen €

In der globalen Vernetzung können eher nebensächliche Ereignisse über Nacht zum weltweiten Hype werden und aufwändig gemachte Kampagnen weitgehend ohne angemessene Wirkung verpuffen.

Soweit ein kurzer Auszug aus diesem Zitatcluster, das in dieser Form aber auch nicht wirklich zielführend ist.

VII.

Wir kommen also auf diese Veranstaltung zurück, wenn die entsprechenden Tools für eine qualifizierte Bewertung zur Verfügung gestellt werden und zitieren bis dahin ersatzweise aud der Presse-Erklärung, die noch am gleichen Abend zugestellt wurde:

In Zukunft zählt Netzwerkkompetenz statt Medienkompetenz – das war die Botschaft von Peter Kruse, dem Web-Vordenker, beim Zukunftsforum der hessischen Landesmedienanstalt (LPR) anlässlich ihres 20jährigen Bestehens am Mittwoch in Frankfurt. Kruse, der Unternehmensberater ist und aus der Psychologie kommt, machte deutlich: Es ist tatsächlich eine Revolution, die derzeit durch die immer stärkere Dominanz des Internet stattfindet; das Entscheidende ist die Partizipationsmöglichkeit, die nicht nur in der privaten Kommunikation, sondern auch in der politischen Willensbildung zum Tragen kommt. Kruse verwies auf das Beispiel der aktuellen Studentenproteste in Österreich, die in Wien ihren Ausgang genommen haben, aber inzwischen europaweit und sogar in China diskutiert werden. Ohne „Anführer“ und Hierarchien sei es den Studenten gelungen, sich über Soziale Netzwerke zu organisieren; via Twitter erreichen sie derzeit 1,5 Millionen Menschen pro Tag. Kruse erinnerte an den Tweet aus dem Bundestagswahlkampf „Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen“ und unterstrich, dass er dem Wahlgang 2013 mit großer Spannung entgegen sehe: „Langweilig wird das sicher nicht werden“. Seine Prognose: Menschen werden sich immer stärker durch Netzwerke in die gesellschaftliche Debatte einbringen, ob es um lokale Ereignisse geht oder um weltpolitisches Geschehen. In Zukunft, so seine Hoffnung, könnten dadurch Diktaturen gestürzt werden. Entscheidend sei es, so Kruse, Themen zu treffen, die in Netzwerken auf Resonanz stoßen; dann sei es ein Leichtes, Gleichgesinnte zu mobilisieren. [...]

Anmerkungen

[2Das Wichtige an diesem Dialog war, dass endlich in Erfahrung gebracht werden konnte, warum dieser Dienst so extrem unterschiedliche Leistungsgüten aufwies, die für eine professionelle Nutzung in den letzten Monaten absolut nicht ausreichend waren; und dass aufgrund dieser Er-Kenntnisse endlich klar wurde, dass sich erst zum Ende des Jahres eine nachhaltige Verbesserung abzeichnen wird, die dann aber von Dauer sein könnte.

[3Was einmal mehr zeigt, wie man zu einem guten Votum kommen kann, wenn man nur den Mut hat mit einer geradezu unvertretbar schlechten Qualität das ganze Vorhaben zu beginnen...

[4Die in der Werbung in weisser Schrift auf rotem Untergrund eingestanzte These, dass es durch den bewussten Einsatz der Online-Kommunikation eine Chance gäbe, früher Feierabend zu machen ist ja wohl ein Witz. Im Gegenteil. Anstatt nach Hause zu fahren erlaubt nun die mobile Onlinenutzung, den Feierabend noch weit nach hinten in die Länge zu schreiben - und damit die Zeit im Off (offline als auch off-work) weiter zu verkürzen.

[5Siehe dazu den Beitrag vom 11. Oktober 2008: Review: Kommunikations-Kongress.


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