Fliegen und gesehen werden

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 23 Uhr 17 Minuten

 

Es gibt Orte, die liegen inmitten von „Nirgendwo“ – ja, es sei hier frank und frei eingestanden, der Autor und erstmalige Teilnehmer an dem diesjährigen Treffen in 88459 Tannheim musst sich erst einmal darüber kundig machen, ob man das Allgäu mit einem oder mit zwei „l“ schreibt – aber das „Navi“ von Falk wusste Bescheid: Er kannte sogar an diesem Ort einen besonderen „Point of Interest“: die Landebahn.

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Luftaufnahme
mit Dank an die D-EGBN & SP

In diesen Tagen verwandelt sich dieser Platz „in the middle of nowhere“ zum Mittelpunkt einer ganzen Welt.´

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"Tannkosh International" im Flaggenschmuck

Wer auch immer ein Sport- oder auch nur ein Ultraleichtflugzeug sein eigenen nennt oder ein solches zu fliegen autorisiert ist, der wird in diesen Tage kaum etwas schöneres kennen als sein Gefährt an diesen kleinen Ort mit dieser grossen Landbahn zu lenken.

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Blick vom Ende der Startbahn

Egal, ob es stürmt oder einen regenverhangenen Himmel gibt – wofür das Allgäu ja bekannt sein soll – so wie sie in Berlin die Motorradfahrer an der Spinnerbrücke treffen, so finden sich hier im Tann einmal im Jahr die Sport- und Hobbyflieger ein.

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Regen-Spuren

Und wer mit dem Flieger eintraf – von Berlin kommend konnte leider keine „Mitfluggelegenheit“ ausgemacht werden – der hatte auch sogleich die Möglichkeit, das Ganze im Web zu kommentieren – hier ein Foto-Link aus dem Anflug mit einer Crossair – und sich den sachkundigen Einweisungen der Fluglotsen anzuvertrauen.

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Auf dem Tower auf der Lauer...

Unglaublich, was da an Starts und Landungen im Minutentakt abzuwickeln war.

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Niemand und Nichts entgeht dem wachen Blick der Profis

Mit all den vorhersehbaren wie unvorhersehbaren Störungen des Flugbetriebes: einem Weltuntergangsgewitter am Freitagabend und einem mit dem Bugrad in der Grasnarbe der Landebahn eingesackten Red-Bull-Bomber, der dann erst mit mehr als 10 Leuten wieder flott gemacht werden konnte.

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Versackt: der Show-Star im Abendlicht

Ein Bild für die Götter – hier der Flieger in geborgenem Zustand vor dem abendlichen Himmel: Das faszinierende und attraktive Moment dieser Veranstaltung ist, dass man es sich leisten kann, die Improvisation als den Höhepunkt der Perfektion gelten und walten zu lassen, aber nicht als Ersatz für einen Mangel an Qualifikation.

Wer sich in diesen Tagen – sei es als FliegerIn oder Crew – in diesen Tage an diesen Ort begibt, der hat sich mehr als nur „pflicht-schuldigst“ aller Prozeduren unterzogen, die für ein ordnungsgemässe Durchführung des Flugbetriebes notwendig sind. Wer hierherkommt, ist Profi. Aber einer von der unangestrengten Sorte.

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Die "Vier von der Sitzbank" mit eigens gefertigten T-Shirts

Gleich an dem ersten Tisch, an den der Gast eingeladen wurde, hatten sich eine Reihe von Gästen zusammengefunden, die den lieben Gott einen gute Mann sein liessen, den Militärdienst verweigert hatten und sich der Fliegerei ausschliesslich als Hobby verschrieben hatten. Tannkosh ist nicht Pflicht, sondern Kür.

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So noch nie gesehen: Segel-Kunst-Flug vom Schönsten

Die Flugvorführungen sind von atemberaubender Präzision und Schönheit. Und so ist Tannkosh auch eine Kur: Hier kann man „fünf gerade sein lassen“ ohne dadurch sich oder andere in Gefahr zu bringen.

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Die Helden der Lüfte zünden ihre Rauch-Zeichen

Tannkosh ist ein Familienbetrieb – selbst der am Tresen gereichte Kuchen ist noch „selbstgebacken“ – aber es ist jene Art des Familien-er-lebens, in der die Regeln des Beisammenseins in einer Art des „code civil“ vereinbart sind, der auch unausgesprochen gilt – und für alle zu funktionieren scheint.

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Tannkosh: Für Alle!

Trotz all seiner Grösse und hohen Aufmerksamkeit, die das Ereignis inzwischen europaweit für sich gefunden hat, trotz all der Vielsprachigkeit und Vielfältigkeit, die an diesem Platz anzutreffen ist, trotz des hohen Organisationsgrades gelingt es den Organisatoren und all den vielen freiwilligen Helfershelfern offensichtlich immer noch einen Grad von Verbindlichkeit und Persönlichkeit herzustellen, der mit dem Spruch vom „Spirit of Tannkosh“ nur sehr unzureichend – wenn auch durchaus zutreffend – wiedergegeben ist. Spätestens seit dem/der „Spirit of St. Louis“ ist klar, dass mit diesem Namen etwas ganz Besonderes gemeint ist, etwas Einmaliges. Und bei einem Fliegertreffen wie diesem wird klar, dass sich auch so etwas „Einzigartiges“ durchaus wiederholen lässt.

- Nachfolgend finden sich einige kurze "aus der Hand" gedrehte und in Flash gewandelte Filmsequenzen mit Eindrücken von diesem Tag. Dieses liesse sich im nächsten Jahr auf einem etwas professionelleren Niveau wiederholen. Und es wäre ein Grund mehr, erneut nach Tannheim zu fahren - oder dann auch zu fliegen.

Taxi to the Runway
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Absprung mit dem Fallschirm
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Motor-Flug-Kunst
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Segel-Flug-Kunst
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Im Taxi entlang der Piste
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- Die hier abgebildeten und weitere Fotos können auch über die Aktivierung der "Diaschau" oben auf der rechten Seite betrachtet werden.

- Nachtrag: Lesermeinungen sind herzlich willkommen, zumal die ersten bereits wenige Stunden nach der Veröffentlichung am Montag der Folgewoche eingegangen sind.
Besonders betont wurde dabei vor allem der auch schon in diesem Text angesprochene Tannkosh-Spirit: "Das Team ist mehr als einmal komplett nass geworden und hat trotz Sturm und Regen die Stellung gehalten, es hat alles nur deswegen funktioniert weil [die] Leute mit so viel Herz und Begeisterung dabei sind, sonst wären wir im Chaos versunken:-)"


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