Kreativ-Wirtschaft(s)-Bilanz: Wir sind wieder wer

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 23 Uhr 07 Minuten

 

Unter dem Link http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/veranstaltungen,did=302796.html zur für heute angkündigten Veranstaltung im E-Werk in Berlin findet sich der Hinweis:

Am Dienstag, den 16. Juni 2009 findet in Berlin die Jahreskonferenz der "Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft". Die Bundesregierung möchte diese Konferenz nutzen, um eine Bilanz der Initiative zu ziehen, die nun seit einem Jahr läuft.

Die Veranstaltung ist als interdisziplinärer Branchendialog angelegt. In vier Podien werden namhafte Repräsentanten aus allen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft über unterschiedliche Themenfelder diskutieren. Eröffnet wird die Konferenz durch den Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg.

Die unter dem Link http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/Branchenfokus/kultur-kreativwirtschaft.html angekündigten weiterführenden Informationen sind denn auch in der Tat sehr umfangreich und sowohl strukturell als auch medial gut aufbereitet.

Nur ein Programm zur Veranstaltung dieses Tages findet sich - selbst am Vorabend - vergebens.

Offensichtlich reicht schon der Ruf "Der Minister spricht" - und alle, alle kommen.


Und dann der Riesen-Fehler, oder auch nicht? Da es versäumt wurde, am Vortag nochmals nach dem Start-Termin zu fragen, wurde bereits am Morgen der Weg in Richtung Wilhelmstrasse in Angriff genommen - mit langen langen Staus in eben derselben.

Am Ort des Geschehens - des Geschehens? - angekommen, ist dort noch "tote Hose". Ein Mann, der an einem Tresen die Computer aufbaut, sagt etwas von 13 Uhr. Genaues wisse er aber auch nicht.

Das ist bitter: während im Büro der Buchhalter auf die Erstellung des Jahresabschlusses wartet und der Netzwerker auf den "mental admin", steht eben dieser zur falschen Zeit am richtigen Ort und fragt sich, warum diese Info nicht rechtzeitig bei ihm angekommen ist.

Also ein nochmaliger Anruf bei der Pressestelle und - erneut - dort eine völlige Unkenntnis des Termins. Vielleicht sei es sinnvoll, mal im Büro der Staatssekretärin anzurufen, da könne einem sicherlich geholfen werden. Was dann auch so geschieht.


Was tun? Zurückfahren ins Büro – oder zur Eröffnung der Showtech? Oder dort bleiben, wo man ist und sich auf die Segnungen der mobilen Kommunikation verlassen? Die Entscheidung ist geprägt von der Maxime, die Zeit möglichst effektiv nutzen zu wollen – und zu bleiben wo man ist.


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Gleich um die Ecke ist die Cafeteria im Museum für Kommunikation. Ab 9 Uhr geöffnet, heisst es draussen am Plakat. Aber drinnen an der Kasse wird man eines besseren belehrt: die „Wiener“ mache erst um 11 Uhr auf. – Aber draussen sei doch eine andere Zeit angekündigt? Die Kartenverkäuferin will es nicht glauben, kommt aber mit vor die Tür, sieht das Plakat und sagt nur noch „ach ja…“


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Die nächste Etappe ist eine Statue, die wahrscheinlich nie gesichtet geworden wäre, hätte man sich nicht nach einer neuen Möglichkeit umgeschaut um sich irgendwo in der Nähe einer Steckdose platzieren zu können.

Danach fällt der Blick auf das gegenüberliegende nh-hotel. Dort gibt es eine Lobby mit Sitzgelegenheiten und einer Steckdose. Und einen Kellner der einen guten Kaffee bringt. Dass man dazu ein Glas Leitungswasser haben möchte, kann man ihm zwar nicht beibringen – never mind: Wichtig ist es einen Arbeitsplatz für die nächsten Stunden zu haben.

Dann aber nimmt das Schicksal seinen Lauf. Der Rechner lässt sich in Betrieb setzen und auch das Hotel-Netzwerk empfangen. Das wird aber von der Swisscom betrieben und T-Mobile ist in diesem Verbund (natürlich) kein Roaming-Partner.

Stattdessen wird also die web’n-walk-Karte in den PCMCIA-Anschluss gesteckt und aktiviert. Die Software signalisiert den Signal-Empfang, allein der Browser nicht.


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Nach dreimaligen Versuchen einen Netzzugang zu erhalten schliesslich die T-Mobile-Journalisten-Hotline angerufen.
Das erste Mal dauert die Vermittlung zur Technik so lange, dass die Leitung nach 5 Minuten Wartezeit abgeschaltet wird.
Das zweite Mal, nach dem gleichen Vortrag und vier Minuten Wartezeit die Auskunft, dass der Empfang an meinem Wohnort gestört sei. Nein, so die erneute Ansage: Das sei erstens nicht der Wohnort und zweitens sei dies nicht der aktuelle Aufenthaltsort. Der sei am Potsdamer Platz. Und welche Postleitzahl diese Adresse habe – fragt der Mann an der Hotline. EXPLOSION & ENTSCHULDIGUNG: Er möge das nicht persönlich nehmen, aber man sei auch nur ein Mensch und kein Rechner und die PLZ Nummer sei nun mal in der unmittelbaren Umgebung des aktuellen Aufenthaltsortes nirgendwo angezeigt… - bei dem Versuch, erneut eine Verbindung zur Technik herzustellen vergehen erneut 5 Minuten. Und die Leitung bricht erneut ab.
Beim dritten Anruf-Versuch. Per Computerstimme wird ein herzliches Willkommen signalisiert und „eine Verbindung mit einem unsere Berater“ angekündigt – und dann bricht die Leitung zusammen (und dann der Berichterstatter). [1]


Rechtzeitig eingetroffen. Alles eingerichtet. In den "Kultur-Beuteln" befindet sich nicht nur das Programm (endlich!) sondern auch eine Zusammenfassung der Ergebnisse der bisher durchgeführten Branchen-Anhörungen (Bravo!)


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Ausser, dass der UMTS-Zugang immer noch sehr sehr schwerfällig funktioniert. Aber, es reicht, um sich noch im Verlauf der Debatte die erste Pressemitteilung abzurufen.

Und darin heisst es: Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg: "Mit 63 Milliarden Euro Wertschöpfung und einer Million Beschäftigten ist die Kultur- und Kreativwirtschaft für den Standort Deutschland von großer Bedeutung. Wir brauchen künftig noch mehr neue und kreative Ideen und haben mit diesem Wirtschaftsbereich ein großes Potenzial, das wir hierfür nutzen müssen."
 [2]

Bei allem Respekt vor der Arbeit aller beteiligten Kolleginnen und Kollegen: Hätte die Staatsekretärin an seiner statt diese Zeilen so vorgelesen, wäre das vielleicht noch gerade so angegangen. Aber die Abwesenheit des Ministers als Eröffnungsreder dieser Veranstaltung kann auf diese Art und Weise so nicht wegretuschiert werden.

In Wahrheit ging das so los:


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Die Staatsekretärin, Frau Dagmar G. Wöhrl: er, der Herr Minister, hoffe, dass er "das irgendwann demnächst wieder gut machen kann".


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Der Herr Kulturstaatsminister Bernd Neumann: "… wie sie sehen, übernehme ich meinen Part selbst."


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Jedes der in den nachfolgenden Diskussionsrunden angesprochenen Themen wurde mit einem eigenen "trailer" der Truppe von Phase 7 angekündigt, mit Trommlern und Tänzern - und seltsamer Weise mit Bildern, die "konkurrierenden Kulturen" mehr hofierten als die eigene.


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Aber nichts gegen die Künstler, die auf dieser Veranstaltung aufgetreten sind. Sie geben ein exzellentes Beispiel für das, was mit Ideenreichtum und Kreativität alles möglich ist.


Da diese Aufzeichnung live im Verlauf der Veranstaltung entsteht, wird sicherlich nochmals mit Abstand darüber diskutiert werden müssen.

Erstaunlich ist aber gerade in der letzten Runde, dass all die heute Erfolgreichen der Branche auf der Bühne fast übereinstimmend erklärten, dass
— es wichtig sei, internationale Erfahrungen zu sammeln und sich im Ausland zu bewähren
— sie es vorgezogen hätte, aus eigener Kraft und ohne Inanspruchnahme öffentlicher (Finanz-)Hilfen auf die Beine zu kommen.

Dass das in diesem Rahmen offen gesagt und als Position zur Disposition gestellt werden konnte - lässt echt hoffen: Vor allem darauf, dass all das jetzt hier seit einem Jahr Begonnene auch nach der Wahl 2009 weitergeführt werden wird.

Anmerkungen

[1Fehlermeldungen:

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[2Die Jahreskonferenz mit rund 500 Teilnehmern war als interdisziplinärer Branchendialog angelegt. Im Rahmen der Veranstaltung stellte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dagmar G. Wöhrl, die wichtigsten Ergebnisse und Meilensteine des ersten Jahres der Initiative vor. Themen der sich anschließenden Podiumsdiskussionen, an denen unter Leitung der Fernsehmoderatorin Amelie Fried namhafte Repräsentanten aus allen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft mitgewirkt haben, waren u. a. die wirtschaftliche Bedeutung der Branche, Strategien zur besseren internationalen Markterschließung und Imagebildung und die Frage, wie sich Kreativität und Innovation bedingen

Die Kultur- und Kreativwirtschaft setzt sich aus einer Reihe weiterer Teilbranchen zusammen: dem Architektur-, Buch- und Pressemarkt, dem Musikmarkt, dem Kunstmarkt und dem Markt für darstellenden Künste, der Film- und Rundfunkwirtschaft, dem Werbemarkt, der Designwirtschaft und der Games-Industrie.

Die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung soll in der nächsten Legislaturperiode mit weiteren Jahreskonferenzen fortgesetzt werden. Aufbauend auf den Empfehlungen der Studie "Kultur- und Kreativwirtschaft" sowie den Erkenntnissen aus den durchgeführten elf Branchenhearings wird die Bundesregierung eine Leitstelle des Bundes für die Kultur- und Kreativwirtschaft einrichten und die Umsetzung der Initiative der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Ländern mit folgenden Zielen vorantreiben:

— Die Kultur- und Kreativwirtschaft gehört in den Gesamtfokus moderner Wirtschafts- und Kulturpolitik. Sie ist ein eigenständiges Wirtschaftsfeld, welches dauerhaft als Wachstumsbranche zu etablieren ist. Das Monitoring zu den wirtschaftlichen Kennzahlen der Kultur- und Kreativwirtschaft wird verstetigt.

— Der begonnene Dialog mit der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie den Teilmärkten wird fortgesetzt. Um die Potenziale künftig noch besser zu nutzen, ist es wichtig, die Vernetzung innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft weiter auszubauen. Hierfür soll eine entsprechende Plattform geschaffen und die notwendigen Kommunikationsräume zur Verfügung gestellt werden.

— Die Heranführung an und Vermittlung in bestehende Programme soll durch den Aufbau eines Netzwerks für die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft deutlich verbessert werden, das wichtige Lotsenfunktionen übernehmen soll. Außerdem soll ein Kompetenznetzwerk aus externen branchenkundigen Experten in diese Lotsenstruktur integriert werden, das zielgenaue Professionalisierungen anbietet.

— Die Außenwirtschaftsförderung soll noch besser als bisher für Unternehmen aus dem Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft nutzbar gemacht werden. Alle bestehenden Bundesprogramme sollen hinsichtlich ihrer formalen und inhaltlichen Anforderungen überprüft und wo nötig anpasst werden, um vermehrt Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft in ihrer Entwicklung fördern zu können. Auch die vorhandnen Programme für geringen Finanzierungsbedarf sollen weiter entwickelt werden.

— Die Fortentwicklung des Rechtsrahmens für digitalen Urheberrechtsschutz bleibt langfristig eine wichtige Aufgabe. Kurz- und mittelfristig sind neue Formen der wirtschaftlichen und technischen Kooperation von Rechteinhabern und Diensteanbietern notwendig, z. B. Aufklärung und Warnhinweise, technische Schutzmaßnahmen oder neue Geschäftsmodelle. Der Ende des letzten Jahres begonnene und beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eingerichtete Wirtschaftsdialog für mehr Kooperation zur Bekämpfung der Internetpiraterie wird daher mit dem Ziel fortgeführt, gemeinsam mit allen Beteiligten zu ersten Lösungsansätzen in einem überschaubaren Zeitraum zu kommen.


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