Keine EINHelligkEIT

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 22 Uhr 56 Minuten

 

In dem Gegenstand dieses nachfolgenden "elektronischen Konvoluts" ist soviel an Bedeutung und Meinung, Persönlichem wie Historischem konnotiert, dass sich der Herausgeber für heute - dem ersten Tag der Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse - bewusst auf die Rolle des Re-Zitators beschränkt hat. [1]

1.

Aus der Einladung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung "Zur Eröffnung der Ausstellung des Wettbewerbsergebnisses der 1.Stufe" am Dienstag, dem 5. Mai 2009, um 17:00 Uhr im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, 10117 Berlin, die dort täglich in der Zeit vom 6. bis 31. Mai in der Zeit von 10 bis 20 Uhr besucht werden kann.

[...]

Die Wettbewerbsjury zum Freiheits- und Einheitsdenkmal (10 Fach-, 9
Sachpreisrichter) hat heute nach Sichtung aller eingereichten Arbeiten
einstimmig entschieden, dass mit Blick auf die hohen Anforderungen an dieses
einzigartige Denkmal an einem historischen Ort die für die zweite Stufe des
Wettbewerbs notwendige Anzahl von 20 geeigneten Entwürfen nicht zu erreichen
war. Die Jury hat den Auslobern empfohlen, das entsprechend eines
Beschlusses des Deutschen Bundestages gewählte offene Verfahren, das die
Möglichkeit für eine breite Beteiligung gewährleisten sollte, nicht
weiterzuführen.

Alle 532 eingereichten Arbeiten werden wie vorgesehen vom 6. bis 31. Mai
2009 in Berlin (Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, täglich von 10 bis 20
Uhr) in einer Ausstellung präsentiert, so dass sich die interessierte
Öffentlichkeit unabhängig von der Jury-Entscheidung selbst ein Bild machen
kann.

Die Auslober werden dem Deutschen Bundestag über das Ergebnis der
Jury-Sitzung berichten und vorschlagen, nunmehr im Rahmen eines
Einladungswettbewerbs gezielt insbesondere an renommierte und erfahrene
Künstler und Künstlerinnen heranzutreten und sie zur Einreichung von
Entwürfen aufzufordern. Darüber hinaus sollen einzelne Ideen aus der ersten
Wettbewerbsstufe in den neuen Wettbewerb einbezogen werden. Es bleibt bei
dem Ziel, einen geeigneten Entwurf für das Freiheits- und Einheitsdenkmal
möglichst in dem vorgesehen Zeitrahmen auszuwählen.

2.

Die gemeinsame Pressemitteilung vom 28. April 2009

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Pressemitteilung Berlin, 28. April 2009
"Jurysitzung für das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal
abgebrochen"

3.

Das Anschreiben des Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung

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Schreiben Mausbach 29. April 2009

4.

Interviews

- "Florian Mausbach fordert andere Ausschreibungskriterien für Einheitsdenkmal. Mitinitiator des Denkmals: Auslobung war überfrachtet."
In: Deutschlandradio Kultur, Radiofeuilleton, 29.04.2009 ab 14:09 Uhr

" [...] Es sollte einmal die historische Dimension der Freiheits- und Einheitsbewegung berücksichtigt werden, es sollte die europäische Dimension berücksichtigt werden. Aber es ist dann noch etwas hinzugekommen: es sollte dann nicht nur ein Denkmal entworfen werden, sondern auch noch ein Informationszentrum. [...] "

- Gespräch mit Wolfgang Thierse, Bundestags-Vizepräsident und Jury-Mitglied.

"Wettbewerb für Einheitsdenkmal gescheitert. Was nun?"
radio eins am Mittwoch, 29.04.2009, 16:50 Uhr

- "PLEITE FÜR EINHEITSDENKMAL.’Es reicht nicht, eine Kerze hinzustellen’.
Der Wettbewerb für ein deutsches Einheitsdenkmal ist gescheitert: Von 563 Entwürfen war keiner gut genug. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD), warum die Aufgabe so kompliziert ist und plädiert dafür, erfahrene Künstler gezielt anzusprechen."
In: Spiegel Online, 30.04.2009
" [...] Fünf oder sechs sind sehr knapp ausgeschieden, die sollte man sich nochmal ansehen. Das hat die Jury auch dem Bund empfohlen. [...]"

- "Interview mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann über die schwierige Suche nach einem Denkmal der deutschen Einheit."
"’Monument des Glücks’. Kulturstaatsminister Bernd Neumann über den Wettbewerb für ein Einheitsdenkmal."
"[...] Mir wäre es auch lieber gewesen, die zweite Stufe wenn nicht mit 20, dann eben mit weniger Entwürfen fortzusetzen, aber das war aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Wir waren an den Ausschreibungstext gebunden. Wir streben aber an, dass interessante Entwürfe in den neuen Wettbewerb einbezogen werden. [...]"
In: "Der Spiegel", Heft 19/ 2009, Seite 148.

5.

Presse-Stimmen

- "Kompletter Schrott". Wettbewerb für Einheitsdenkmal abgebrochen. "WELT ONLINE"-Kultur vom 28. April 2009, 16:21 Uhr

- "Einheitsdenkmal: Zeitplan bleibt. Trotz gescheiterten Wettbwerbs soll Sieger im Herbst präsentiert werden."
Von Isabell Jürgens und Katrin Schoelkopf in der "Berliner Morgenpost" vom 30. April 2009, Seite 15
"Nur fünf bis sechs der eingereichten Entwürfe, so Schmitz weiter, hätten bei der Mehrheit der Jury Anklang gefunden - zu wenige, um in die zweite Phase des Wettbewerbs zu starten, bei der nach den bisherigen Planungen die 20 besten Entwürfe ausgewählt werden sollten. Schmitz: ’Wir werden diese Handvoll Teilnehmer aber anschreiben und zur weiteren Mitarbeit einladen.’ "

- "Einheitsdenkmal. Wettbewerb gescheitert.. Keiner der 532 eingereichten Architekten-Entwürfe für ein Einheitsdenkmal genügt den Anforderungen."
"BZ"-Berlin Online ab dem 29. April 2009 13.04 Uhr

- "Zeichen der Einheit. Demokratie und Denkmal.. Zwietracht um das geplante Einheitsdenkmal: Keinen der 532 Entwürfe wollte die vom Bund installierte Jury für die Endrunde nominieren. War das 19-köpfige Preisgericht zu feige, sich zu entscheiden?"
Von Christiane Peitz im "Tagesspiegel" vom 30. April 2009
- sowie auf Zeit-Online ab dem 30. April 2009, 15.14 Uhr unter dem Titel:
"20 Jahre Mauerfall. Kein Entwurf zum Einheitsdenkmal".

6.

Presseeinladung zur Vorbesichtigung am 5. Mai 2009

PDF - 30.1 kB
Presseeinladung vom 4. Mai 2009

Erstaunlich dass bereits vor dieser Vorbesichtigung und damit Freigabe zur Veröffentlichung DER SPIEGEL in seiner Ausgabe Nr. 19 auf der Seite 147 insgesamt 7 Arbeiten ausgewählt und zur Abbildung gebracht hatte.

Nach diesem Termin wurde nicht nur die Ausstellung am Folgetag für Alle für den Verlauf des gesamten Monats Mai eröffnet, sondern es wurden auch alle eingereichten Arbeit - in der Reihenfolge ihrer sogenannten "Tarnzahlen", denn die Jury sollte ja nicht wissen, von wem diese Entwürfe jeweils eingereicht worden waren - fotografiert und Online zur Verfügung gestellt.

Hier die entsprechenden Links zur "Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge 1. Stufe": [2]
- Teil 1 (Arbeiten 1002 - 1099)
- Teil 2 (Arbeiten 1100 - 1199)
- Teil 3 (Arbeiten 1200 - 1299)
- Teil 4 (Arbeiten 1300 - 1399)
- Teil 5 (Arbeiten 1400 - 1536)

7.

Stimmen im Tages-Spiegel

Die erste der grossen Berliner Zeitungen, die Online zu diesem Thema zugegen war, der Tagesspiegel vom 6. Mai 2009.

Parallel zur Print-Ausgabe mit dem Text von
- Christina Tilmann: " Entwürfe ausgestellt. Einheitsdenkmal: Tross und Reiter532 mal Deutschland: Die Ausstellung der Entwürfe für das Einheitsdenkmal beweist vor allem Fantasie."
erscheit Online eine
- Fotostrecke
samt
- Kommentar von Gerd Appenzeller: "Zwist um das Einheitsdenkmal.. Nicht die Kunst hat versagt. Der Wirrwarr um den zunächst für gescheitert erklärten Wettbewerb zum Einheitsdenkmal ist offenbar viel größer als angenommen – und Skandal scheint eher der passende Begriff zu sein."

Ein weiterer Kommentar erscheint in der Sonntagsausgabe des Tagesspiegel am 10. Mai 2009
- Kommentar von Werner van Bebber: Plädoyer für den freien Blick.

 [3]

Stimmen der Juroren

In der Deutschen Welle wird ab dem 7. April 2009 zunächst in einem Beitrag von Margarete Limberg auf die Eröffnungsveranstaltung eingegangen. Dabei werden Stimmen von Bernd Neumann, Wolfgang Thierse, und des Architekten Thomas Selle zitiert.

In einem nachfolgenden Interview von P.N. wird das Jurymitglied Richard Schröder befragt.

In der Print-Ausgabe des Tagesspiegel vom 7. Mai findet sich ein erstes Interview von Nicola Kuhn.
- Einheitsdenkmal. "Kunst hat mit Demokratie relativ wenig zu tun. "Haben die Künstler in der Jury den Wettbewerb zum Einheitsdenkmal blockiert? Der Bildhauer Stephan Huber zu den Vorwürfen.

In der Print-Ausgabe des Tagesspiegel vom 8. Mai findet sich dann der erstaunliche Text von einem weiteren Kuratoriumsmitglied

- Thomas Brussig: " ’Nicht die Künstler, wir haben versagt’. Bekenntnisse eines Jurors: Der Schriftsteller Thomas Brussig über den Wettbewerb zum Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal."

"Es ist schwer vorstellbar, dass sich unter den 532 Entwürfen nichts Brauchbares, nicht mal etwas Entwicklungswürdiges befindet. Das Verfahren sah ausdrücklich vor, dass in der zweiten Runde (die allerdings nicht erreicht wurde) Künstler oder Architekten im Stile einer künstlerischen Zwangsheirat gepaart werden, um gemeinsam bestimmte Entwürfe weiter zu entwickeln. [...] nicht die Künstler haben versagt, sondern wir, die Jury."

Volkes Stimme

Wer selber mitdiskutieren will, dem/der ist im "Tagesspiegel" ein eigenes Diskussionsforum eingerichtet worden - und zwar unter der Überschrift:
- "Einheitsdenkmal: Sind diese Entwürfe wirklich so schlecht? Buhrufe im Kronprinzenpalais: Der Protest gegen den Abbruch des Wettbewerbs zum Berliner Einheitsdenkmal prägte die Ausstellungseröffnung der Verliererentwürfe. Sind wirklich alle 532 Ideen untauglich? Was meinen Sie?".

Auch der "Freitag" ist aktiv geworden und hat behauptet, sich im Gegensatz zur Jury auf einen Auwahl von zwanzig Arbeiten geeinigt zu haben. Sie sollen online unter dem Titel "Welches Denkmal wollen wir?" vorgestellt und zur Abstimmung ausgestellt werden:

- http://www.freitag.de/kultur/0919-einheitsdenkmal-bildergalerie

Allein: Von den zwanzig angeblich ausgesuchten Entwürfen sind nur zehn zu sehen und von diesen auch nur die Bilder, nicht jedoch die zwei auf je einer Seite zu fixierenden und zu begrenzenden Texte, die Teil dieser Ausschreibung sind. [4]

Dennoch ist absehbar, dass sich der Unmut auf vielen weiteren Seiten auch jenseits der Presse Platz schaffen wird. Hier ein erster Blog zu diesem Thema:

- http://freiheitsdenkmal.wordpress.com/

8.

Wer sich noch mehr Hintergrund für diesen anstehenden Entscheidungsprozess wünscht, gehe auf die Seiten:

- http://www.freiheits-und-einheitsdenkmal.de/
der Deutschen Gesellschaft zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa e.V.

- einestages 2007. Ein Denkmal für die Einheit? Und der Sieger ist...
der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (kurz: Stiftung Aufarbeitung)

- "Jung: Bundestag hat historische Chance vertan. Leipziger OB kündigt weitere Diskussionen um Doppelstandort für Einheitsdenkmal an."
Moderation: Philipp Krohn im Deutschlandfunk am 10. November 2007.

PDF - 6.3 MB
Pressespiegel
Ein Einheitsdenkmal in Leipzig?

Post-Scriptum

Dieses elektronische Konvolut hat eine Reihe von Reaktionen und Beiträgen zur Folge gehabt, für die an dieser Stelle gedankt sein soll.

Hier, zu guter Letzt ein Link, der uns am 13. Juni 2009 erreichte und zeigt, wie nach wie vor um diesen Standort mit Entwürfen und Gegen-Entwürfen "gekämpft" wird:

- http://www.berlin-stadtschloss.com/index.html.

Anmerkungen

[1Ob es unerwarteten Verlaufs und Ergebnisses der Nicht-Entscheidung wird diese Re-Zitator-Funktion bis auf das Ende dieser Woche ausgeweitet.
Und es sei noch ein Verweis auf den Beitrag Daten Deutscher Geschichte jenes Tages gestattet, bis zu dem die Entwürfe eingereicht werden mussten.

[2Achtung: Die hier gezeigten Arbeiten werden in dem sogenannten JEPG-Format vorgestellt. Damit können die Bilder betrachtet aber die Texte nicht gelesen werden. Und damit wird selbst technisch das nachvollzogen, was offensichtlich auch die Jury nicht für notwendig befunden hat: eine ausführliche Lektüre und Diskussion der Begleittexte.

[3In einem Leserbrief wird auf folgenden Beitrag besonders aufmerksam gemacht:
- Einheitsdenkmal der Herzen
von Peter Mühlbauer in der Online-Ausgabe von Telepolis vom 08.05.2009

[4Weshalb ja auch in dem nachfolgend zitierten Blog die Forderung nachzulesen ist, dass in der öffentlichen Darstellung der Entwürfe diese nicht im JPEG-Format sondern als PDF zu pulizieren seien - aus eben dem hier vorgetragenen Grund.


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