Interface-Management-Design

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 22 Uhr 45 Minuten

 

... eine "nettes" Wort, nicht wahr?

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Mit dem Begriff des "Interfacemanagements" wird die Speerspitze dessen benannt, was in vielen Fachkreisen heute schon unter dem Begriff der "SOA" diskutiert und umzusetzen versucht wird: sogenannte Service-Orientierte Architekturen.

Damit ist nichts anderes umschrieben als eine Art von Rahmen, in dem ein Reihe von aufeinander bezogenen Softwaredienste und - prozesse entwickelt, organisiert und verwaltet werden: und schliesslich dem End-Nutzer als Schnittstelle zur Verfügung gestellt werden.

Diese Schnittstelle, das sogenannte "Interface", ist das A & O der SOA.

Hier wird im "Kleinen" abgebildet, was im "Grossen" gebaut wurde, hier wird an der Oberfläche sichtbar, was das Gebilde im Inneren zusamenhält, hier wird zur kurzzeitigen Bewährung auf die Probe gestellt, was als Grosses und Ganzes zu funktionieren hat.

Und das "Interfacemanagementdesign" ist nichts anderes als die Mimikry, mit der eine IKT [Informations- und Kommunikations-Technologie] Mehrwertstrategie umgesetzt werden soll.

Als AOL in Deutschland mit Boris Becker und dem Spruch "Ich bin drin" warb, war BB nicht anderes als der publizistisch eingesetzte Stellvertreter eines solchen erfolgreichen Managements zwischen einem potenziellen Nutzer und der Potenz eines solchen Systems.

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So. An dieser Stelle wäre jetzt ein Stück "Geschichtsschreibung" notwendig: Wie sich die einst erfolgreich gewordenen Strukturen von proprietären Systemen wie Compuserve oder AOL zunehmend von einer offenen Internetumgebung aus dem Rennengeschlagen wurden - und wie heute mit Facebook und Co. im Nachvollzug dieser Er-Öffnungs-Strategien neue subsidiäre Systeme gebildet und entwickelt werden können, die erneut eine gewisse "closed-shop"-Mentalität mit offenen Schnittstellen anzubieten und zu vermarkten vermag.

Und dann wäre es wichtig, auf die Zwiespältigkeit der so genannten neuen "Freiheit im Netz" zu verweisen. Genährt durch die Erfahrung, dass es heute immer noch - nach der Meinung Vieler Allzuviel - "free-of-charge" im Netz zu "haben gibt und kontrakarriet von denn Zensur-Erfahrungen, die spätestens seit den olympischen Spielen in China weltweit bekannt geworden sind.

Und dann wird man in die Zukunft schauen müssen und erkennen, wie erneut versucht werden wird, diese singulären kollektiven Identitäten und die darin eingebundene Persönlichkeit wieder einem Gesamtvernetzungs- und Verwertungsprozess zuzuführen: so wie es jetzt erstmals von Palm mit seinem TREO-Konzept zu Beginn des Jahres 2009 in Las Vegas auf der CES vorzuführen versucht hat.

...

Schon Brecht sprach von den einfachen Dingen, die so schwer zu machen sind. Und es wird umso schwerer zu begreifen, wie es gelingen soll, die wichtigen Dinge des Lebens "auf die leichte Schulter" nehmen zu können: "Easy Peasy" war zu Lebzeiten von Georg Tabori ein im sehr geläufiger Schnack, mit dem er mit dem Hinweis auf die übertriebene Einfachheit zum Ausdruck bringen wollten, was für ein schweres Stück Arbeit vor einem läge, dass dies aber kein Anlass sein solle, deshalb etwa schwermütig zu werden.

Heute ist mit EasyPeasy eine neue Variante einer Ubuntu 8.10 Linux-Distribution für Mini-Netbooks gemeint. Aber nicht nur das Interface des Menschen zum Rechner soll heute "easy" werden, sondern auch der Zugang des Menschen zu seinen wichtigsten Aufgabenstellungen selber. Mit einer Art "mental-interface-management" sollen selbst Frage wie das Bewältigen von Krankheiten oder Geldsorgen bewältigt werden:

Online... am Bürorechner zu finden: von der EasyApotheke über den EasyCredit bis hin zum EasyTrade.

Und Offline... gleich nebenan in der Fussgängerpassage: "Immer in Ihrer Nähe:", "vor Ort:", "in der Nähe:".

....

Bleiben jetzt "nur" noch jene Architekturen zu erwähnen, die ausschliesslich über die Netze mit dem Nutzer verlinkt sind.

Da sind Nachrichten wie die von yorken@yahoo.com im teletarif.de-Forum zu: "Easyphone24" vom 9. Dezember 2004, 09:28, alles andere als eine Bestätigung dieser "Easy"-Philosophie: Er spricht (s)eine "WARNUNG vor Easyphone" aus und schreibt: "Ich kann niemandem empfehlen, Dienstleistungen von Easyphone in Anspruch zu nehmen." [1]

Hier nur drei Beispiele aus der aktuellen Praxis - und zwar mit Bezug auf bekannte Firmen-Namen:

- bei ADOBE kann die eigene ID nicht mehr identifiziert werden bzw. die dieser zugewiesenen Datensätze (was offensichtlich bis auf die Zeit der Übernahme der Macromedia-Produktlinien zurückgeht):


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- bei HP ist das Interface-Design so ausgestaltet, dass eine Entscheidung zwischen zwei Alternativen nicht getroffen werden kann, die der sichtbare Teil der beiden Aussagen identisch ist:


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- im Microsoft-Partner-Channel werden die viermal im Jahr zugesagten Softwarelieferungen per CD bzw. DVD gestoppt und vielmehr durch einen elektronischen Link auf einen Fragebogen ersetzt, den man "händisch" mit der folgenden Nomenklatur eingeben muss:


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PS und Nachtrag vom Dienstag, den 14. April 2009

Ein aufmerksamer Leser stellt diesen Link zur Verfügung
https://partner.microsoft.com/germa....
Auf dieser Seite heisst es u.a.:
"Ab Anfang Juni [...] bekommen [Sie] das Microsoft Action Pack [...] nicht mehr als Paket ins Haus geliefert, sondern via Download. [...] Die Bestellung auf Datenträgern kostet einen regional unterschiedlichen Aufpreis. Die genauen Preise geben wir im Mai 2009 bekannt."
und merkt an:
"Wozu die Umfrage, wenn schon Alles beschlossen ist ... Der bisherige Vertrag wird dann aufpreispflichtig."

.....

All das hier Beschriebene und Gesagte ist vielleicht ein eher zufälliges Biltzlicht-Bild über die grossen bedeutungsschweren und kapitallastigen Konzepte und Unternehmungen, die da hinter dem Rücken des Konsumenten, Nutzers, Geschäftspartners ausbaldobert werden.

Und doch ist es ein alles andere als gefälliges oder gar allfälliges Bild, das sich da vor einem aufzutun scheint. Denn das Scheitern an dieser Schnittstelle bedeutet immer auch eine Protion Frust, die nicht unendlich lange sublimiert werden wird.

Solange man die "Qual der Wahl" zwischen unterschiedlichen auf dem Markt konkurrierenen Prodkten hat, mag das Ganze noch in Ordung gehen. Spannend - und kritisch - wird das Ganze aber, wenn es um die Schnittstellen jener Einrichtungen geht, die man nicht so einfach mal eben wechseln kann: die der Öffentlichen Verwaltungen zum Beispiel.

Gerade als die CeBIT 2009 begann wurde die Legitimität der Wahlcomputer per Gericht in Zweifel gezogen.
Gerade vor einer Woche erste hat sich das Finanzamt nicht in der Lage gesehen zu erklären, wie denn nur ein Zugang per Trust-Center auf ihre Unterlagen möglich sei.
Gerade während dieser Artikel geschrieben wird, brechen die Netze zusammen, über die man seit Beginn des Monats die "Abwrackprämie" beantragen MUSS.

Die schwierigste Strecke dieses gesellschaftlichen Prozesses eines Interfacemanagements besteht darin, dass der Souverän nicht mehr souverän mit den Mitteln der Mitwirkung an und in einer Demokratie umgehen kann.

Anmerkungen

[1Seine Begründung:
1. Testzugang bestellt, Netzstromadapter für DE war vorhanden
2. Sprachqualität unterstes Niveau
3. Nach Testphase Adapter zurückgesandt
4. Das vorausbezahlte Entgelt ist nicht erstattet worden (ca. 65 €)

[2Der Eintrag:
http://www.surveymonkey.com/s.aspx?sm=KiUPCxKcw945gwZxPOBCBw_3d_3d
führt im Falle eines Tippfehlers zur Startseite der Anwendung:
Surveymonkey.com.
Im Erfolgsfall fragt die Software ab, ob man weiterhin die CD(DVDs beziehen will, oder seine Software als Download abholen will: Über ein Online Magazin oder eine Online Bibliothek.
Nach erfolgreicher "Reprofilierung und Verländerung des Vertrages gelingt es aber nicht, eine "proforma Rechnung" auszudrucken. Stattdessen erscheint die Meldung:
" Es liegen uns keine Bestellungen vor, die der Kombination aus Online-ID und Kennwort zugeordnet sind, mit der Sie sich angemeldet haben. Falls Sie Waren unter Verwendung unterschiedlicher Kombinationen aus Online-ID und Kennwort erworben haben, so müssen Sie sich unter jeder der Kombinationen aus Benutzername und Kennwort separat anmelden, um alle Ihre Bestellungen anzusehen. Um sich unter Verwendung einer anderen Kombination aus Online-ID und Kennwort erneut anzumelden, beenden Sie bitte Ihre derzeitige Browser-Sitzung, melden sich dann erneut an und begeben sich auf die Site: https://service.one.microsoft.com".


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