Secret - Private - Stupid

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 22 Uhr 46 Minuten

 

Secret

Er war für jeden Fotografen öffentlich sichtbar: Der "Secret"-Vermerk oben auf dem Geheim-Dokument, das der Herr "Metropolitan Police Assistant Commissioner" Bob Quick offen-sichtlich in der Hand hält, als der sich aus dem Wagen in Richtung der Tür von Downing Street Number TEN begibt, um sich dort mit Premier Minister Gordon Brown und dem "Home Secretary" Jacqui Smith zu treffen.


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Auf diese Dokument befand sich ein Liste von Terrorverdächtigen, von Orten, an denen sie vermutet werden und die Namen jener Offizieren, die gegen sie vorgehen sollen.

Der Versuch der Regierung, eine Veröffentlichung dieses Fotos im Internet durch eine sogenannte "D-notice" noch zu verhindern scheiterte und die Intention wurde alsbald danach auf offiziell wieder aufgehoben.

Noch in der Nacht zum 8. April 2009 berichtet die BBC auf ihrer NEWS-Seite, Quick "deeply regretted" revealing a secret document to photographers.

Und der brittische Blogger David Brice fragt: For gods sake what was the man thinking ? What has happened to the old fashioned brief case. They were designed for holding valuable documents. But Mr Bob Quick did not have a brief case in sight.

Private


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Flash back: auf dem Weg in den Ministerrat wurde Monsieur Sarkozy am 12. September 2007 mit einem handschriftlichen Brief fotografiert, auf dem u.a. geschrieben stand: « J’ai l’impression de ne pas t’avoir vu depuis une éternité et tu me manques. Jeudi on part faire notre virée à Essaouira pour mon [...]. Mais j’aimerais bien réussir à te voir la semaine ou le week-end suivant. Millions de Besitos. »

Das AFP-Foto wurde im Choc-Magazin veröffentlicht und in der Libé vom 28. September 2007 von Alexis Danjon mit der allgegenwärtigen Frage aufgeladen: "la lettre révélait une écriture arrondie, féminine. Et a fait jaser: le Président se trimbalait-il une lettre d’amour?"


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Das Ganze hat natürlich auch Spötter aller Art auf den Plan gerufen, die sich diesen faut-pas’ alsbald zu eigen und in einer heute nicht mehr zugänglichen Parodie zum Ausdruck gebracht haben [1].

Im Vereinigten Königreich dagegen waren die Konsequenzen noch weitaus dramatischer: in dem Moment der unfreiwilligen Veröffentlichung des geheimen Dossiers wurde der in diesem skizzierte Plan - vorzeitig - zur Ausführung gebracht.

Interessant an diesen beiden Geschichten von "Crime & Sex" ist der Umstand der Unbedachtsamkeit. Der Anmassung der Politik, dass ihren Vertretern der gesamt öffentliche Raum gehöre, weil man ihn für die Selbstdarstellung braucht. Und zugleich die Gewissheit, dass die Kamera als der Verlängerte Arm der Öffentlichkeit eine der wenigen verbliebenen Waffen ist, mit denen man noch das eine oder andere, kleine oder grosse Geheimnis lüften kann.

Stupid

In dem Windows-Live-Bloc von Marc findet sich ein anderes Bild aus Le Monde vom 21. April 2008, das den Mann erneut mit einem offenen Dossier der Öffentlichkeit preisgibt - nachdem seine Popularitätsrate auf gerade mal 36% gesunken ist.

Dennoch wird dieses Foto "Nicolas Sarkozy se rend à une réunion du gouvernement à l’hôtel Matignon, le 2 mai 2006" von LUYSSEN JEAN-LUC von der Agentur GAMMA an dieser Stelle nicht mit dem Verweis auf "Le Monde vom 21. April 2008" wiedergegeben, sondern nur der Link auf diesen Blog zitiert.

Denn hier wird ein Foto offensichtlich
- ohne nachweisliche Klärung der Rechte und zweitens
- in einem falschen zeitlichen Zusammenhang zitiert.

Und "sowas" sollte auf "DaybyDay" versucht werden, zu vermeiden.

PS.

Da ist es schon interessanter sich darüber Gedanken zu machen, ob "man" sich noch an der erneuten Ausschreibung zum Thema "Kunst am Bau" im zukünftigen BND-Areal in Berlin beteiligen sollte.

Die Aufgabe lautet:
"Für den Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin wird eine Folge von zwei bis vier Kunstwerken gewünscht, die auf den Terrassen zum künftigen Pankepark kraftvolle künstlerische Akzente setzen und so dem Haus einen zusätzlichen gestalterischen Rhythmus geben."

Angesichts der hier oben als pars pro toto zitierten Ereignisse: Würde da nicht schon ein Ensemble aus "Versteckmich-Elementen" wie Aktentasche, Schlapphut, Sonnenbrille und Tageszeitung Sinn machen?!

PPS.

Am Ostersamstag, den 11. April 2009 trat der Strategieberater und ehemaliger Pressesprecher des britischen Premiers Brown, Damian McBride zurück. Er hatte Mails an einen Blogger geschickt worin von den Sexualpraktiken und -Krankheiten von Oppositionspolitikern die Rede ist. Dieser Inhalt wurde aber nicht auf diesem Wege weitergeleitet und verbreitet, sondern von der Presse, die davon "Wind" bekommen hatte.

Die Daily Mail hatte gleich am Sonnabend, den 12. April - hier zitiert nach der Fassung von 23:54 Uhr - darüber berichet. [2]

Anmerkungen

[1Texte et illustrations; David Sauvage
Interprété par Philippe Legal
Chers et orchestrations: Arnaud Brochard

[2Und "Die Zeit" greift dieses Thema in ihrer Online-Ausgabe vom 13. April, 11:28 Uhr, auf.


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