Der Papst im Regen-Bogen-Bild

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 22 Uhr 23 Minuten

 

Es gibt Tage, an denen in der schon veröffentlichten Presse Texte stehen, zu denen einem ausser Zustimmung nichts weiter mehr einfällt.

Auch das ist gut so.

Am 30. Januar 2009 schreibt Paul Badde in der Online-Ausgabe der Welt, publiziert seit 03:12 Uhr, über das am 27. Januar bei YouTube ins Netz gestellte Vatikan-Video über den "Papstbesuch in Auschwitz".

Er bezieht sich dabei auf die eine Woche zurückliegende Umsetzung der Entscheidung, die Botschaften des Vatikans auch auf YouTube der Öffentlichkeit anzubieten. [1]

Die Zeitung bietet einen Einblick auf das von ihm kommentierte Video welt.de/papstvideo und der Autor schliesst seine Ausführungen über den Film des Papst-Besuchs in Auschwitz vom Mai 2006 mit den Worten ab: "Nur der Regenbogen, der sich am Schluss seiner Rede geheimnisvoll über Auschwitz wölbte, der ist auf Youtube leider nicht zu sehen."

Ein Bild, das zu "schön" gewesen wäre um auf YouTube noch "wahr"-genommen zu werden?

Am 21. Januar 2009 hatte der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe in Rom auf "Grundlage der mir ausdrücklich vom Heiligen Vater Benedikt XVI. übertragenen Vollmacht" das Dekret mit der Strafe der Exkommunikation für die Bischöfe Bernard Fellay, Bernard
Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Gallareta aufgehoben.

Einer dieser Männer, der Brite Richard Williamson hatte eine Woche zuvor in einem in Schweden ausgestrahlten Interview unter anderem gesagt: "Ich glaube nicht, dass sechs Millionen Juden vergast wurden. Ich glaube nicht, dass es Gaskammern gab."

Inzwischen hat ein Sprecher das Vatikans eingeräumt, dass Äusserungen dieser Art "anfechtbar" seien. Nicht anfechtbar aber sie die Aufhebung der Exkommunikation, da es hier darum gehe, "die Priesterbruderschaft-Anhänger in die Kirche zu integrieren". [2]

In der Presseschau des Deutschlandfunks vom 30. Januar wird die Frankfuter Rundschau mit den folgenden Sätzen zitiert:

"Indem der Papst die von seinem Vorgänger ausgeschlossenen Bischöfe der ultrarechten Pius-Bruderschaft rehabilitiert, die offenbar von Holocaust-Leugnern unterwandert ist, entfernt er sich weiter von der Vision einer modernen Kirche. Benedikt stieß die islamische Welt mit seiner Regensburger Rede vor den Kopf, sprach den Protestanten einmal mehr ab, eine Kirche im ’eigentlichen Sinn’ zu sein, ließ eine breitere Anwendung des traditionalistischen lateinischen Mess-Ritus wieder zu, änderte die Karfreitagsfürbitte so, dass wieder für die ’Erleuchtung’ der Juden gebetet wird, und ließ sich bis heute nicht dazu bewegen, den Prozess zur Seligsprechung von Papst Pius dem Zwölften aufzugeben. Die Wiederaufnahme der Pius-Brüder ist der letzte Schritt auf diesem Weg rückwärts, weg von den Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils hin zu einer Exklusivveranstaltung für reaktionäre Kräfte."

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


Im Gegensatz, vielleicht auch im Widerspruch zu dem hier Gesagten nun doch noch ein Nachtrag vom Sonntag, den 8. Februar 2009:

Als dieser Text verfasst und publiziert wurde, war noch nicht abzusehen, welche "Kreise" dieses hier dargestellte Dilemma noch schlagen würde.

Inzwischen hat sich ja sogar das deutsche Staatsoberhaupt eingeschaltet, worauf die Kanzlerin aus den eigenen Reihen zum Teil heftig kritisiert worden war.

Als pars pro toto sei auf zwei aufeinanderfolgende Sendungen des Deutschlandfunks vom 8. Februar 2009 hingewiesen, in denen nacheinander auf dieses Thema eingegangen worden ist:

- In einem katholischen Gottesdienst aus der
Gedenkkirche Maria Martyrum
in Berlin-Charlottenburg [3] aus jenem in Beton errichteten Kirchengebäude, das in Erinnerung an die ermordeten Juden in Plötzensee errichtet worden war.
An dieser Stelle redet Pater Tobias Zimmermann über die Unmöglichkeit, diesen Zusammenhang n i c h t zu thematisieren und er bringt zugleich das Problem zur Sprache, dass eigentlich schon alles dazu gesagt worden sei, wenn auch wohl nicht das Richtige von den Richtigen. [4]

- In einem souverän von Jacqueline Boysen mit Kulturstaatsminister Bernd Neuman geführten Interview der Woche, in dessem Verlauf er die Worte und die Position der Kanzlerin und die Würde seiner Patei in der "Judenfrage" zu verteidigen bemüht ist.

Anmerkungen

[1.
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Der am 5. Juni 2008 beantragte Kanal wurde am 22. Januar 2009 der Internet-Öffentlichkeit durch Padre Lombardi erstmals auf YouTube vorgestellt: in italienischer Sprache.

[2Zitiert nach einem Bericht von Hannes Gamillscheg Papst begnadigt Holocaust-Leugner in der FR vom 25. Januar, mit letzten Änderungen vom 27. Januar 2009.
Diesen Beítrag bietet die Zeitung auch als Video an.

[3Dafür verantwortlich ist die Beauftragte der Katholischen Kirche, Frau Dr. Silvia Becker.

[4Und er verschafft sich durch die Aus-Gestaltung seines "eigenen" Gottesdienstes die Autorität, das Sagen und Tun zu können, was er sagt und tut. Er redet nicht nur über die Toten des Dritten Reiches, sondern auch die, die er selber heute hat bestatten müssen. Er redet nicht nur von den Zeugnissen der Vergangenheit sondern auch von den Bezeugungen jener Toten, die er selber noch zu Lebzeiten hat sprechen können. Und er hat den Mut, selbst für jene Fürbitte abzuhalten, für die Leben und "Totsein" Gegenstand ihres all-täglichen Erlebens - und lässt für jene beten, die "nur noch aus Gewohnheit" miteinander leben.


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