Weihnachts-Nachlese

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 22 Uhr 11 Minuten

 

0.

Weihnachten mit einem Juraçon begonnen - Domaine de Nays-Labassère, Philippe de Nays, 2003 - der besser war jedwede Spätlese und mit Fois Gras Artisanal, fortgesetzt mit einem gut ausgebauten Burgunder - Domaine le Meix de la Croix, Fabienne & Pierre Saint-Arroman, 2005 - und lokalen Spezialitäten aus dem Südwesten Frankreichs [1] danach Salat der durch seine Beigabe von steirischem Kernöl ganz besonders glänzt und mundet, dann eine Käseplatte vom Feinsten und schliesslich eine unbeschreiblich gute wie simple Nachspeise, die schon in der Pfanne mit Hilfe eines spanischen Sherry zur vollen Entfaltung im Gaumen vorbereitet worden war...

I.

Da "DaybyDay" ja auch in diesen Tagen sich so gut als möglich an die Ausgrenzung des Privaten hält, stattdessen ein Bericht "zur Lage", der am ersten Weihnachstag in der Wohnung verfasst wurde: Da in dieser der Arbeitsplatz nicht mehr steuerlich abgesetzt werden kann, dann eben doch der hier einleitende private Anteil als Bestandteil des Berichtes "zur Lage".

II.

Denn an diesem Tag ist es dazu gekommen, dass wir mit drei anwesenden Familienmitgliedern gleichzeitig bis zu vier Rechner am laufen hatten.

Einer davon erweist sich nach dem noch am 23. Dezember 2009 erfolgten Austausch der Hauptplatine als nunmehr überhaupt nicht mehr betriebsfähig und muss schliesslich vollständig aus dem Verkehr gezogen werden. [2]

Der Zweite läuft immer noch unter Windows 2000 und macht klaglos seinen Schreib- und Mail-Dienst.

Der Dritte zeigt eine Super-Satire über die Wahlergebnisse bei den französischen Sozialisten: Als Auschnitt aus der Sendung "Vivement Dimache" mit Anne Roumanoff. Sie schafft es mit grosser Grandezza, scheinbare Schnoddrigkeit und emotionale Intelligenz, Charme und Charakterschelte so brilliant und zugleich sehr "menschelnd" über die Rampe und über den Sender zu bringen, dass solche Art des politischen Kommentars selbst an einem Ersten Weihnachtstag durchaus in "die gute Stube" passt.

Und auf dem Vierten Rechner- in der Bauaurt mit dem ersten vergleichbar, entsteht gerade diese Notiz.

III.

Dass überhaupt an einem solche Tag Rechner zum Einsatz kommen, wäre vor einer Generation noch vollständig undenkbar gewesen. Es sei denn danach im Verlauf der Jahre in Gestalt der Commodore und ATARI Spiele-Geräte...

Heute ist es so, dass selbst am heiligen Abend Nachrichten abgesetzt wurden, die für die eigene berufliche Planungen des Folgemonat von grosser Wichtigkeit sind. Und - wie man auch immer dazu stehen mag - heute ist man in der Welt "always on". Die Grenzen zwischen Leben und Arbeiten lassen sich nur noch durch bewusstes Abschalten ziehen. Aber auch das geht nur noch, wenn man dies zuvor entsprechend vorbereitet hat und allen Instant-Message- und Twitter- und E-Mail-Kontakten eine entsprechende Nachricht zukommen lässt, wenn sie in diesen Tagen einen Kontaktversuch unternehmen.

IV.

In einem der zahlreich eingegangen Weihnachstgrüsse ist neben der unten zum Besten gegebenen Santa Bunny-Self-Made-Weihnachtskarte des Autors [3] u.a. zu lesen:

In diesem Jahr habe ich mich bewußt für die Email als Weihnachtsgruß und gegen Schneckenpost entschieden. Die dadurch gesparten Kosten gehen in unser neues Findelkind auf vier Pfoten. [...] Geröntgt, entwurmt, kastriert, enfloht, mit Antibiotika versorgt und aufgepäppelt besetzt er bereits jetzt meinen Sofaplatz und ist die glücklichste Katze überhaupt. Er hat sich das richtige Haus, die richtige Terassentür ausgesucht und somit den Hauptgewinn im Katzenlotto gezogen

Im Sommer 2008 endlich ein Lichtblick und ein tolles Studio [...] Doch zuerst sprang einen Tag vor dem Umbau ein Investor ab, ohne damals ersichtlichen Grund - heute kann ich froh sein, denn die Finanzkrise hat ihn inzwischen fast eliminiert - und dann wollte ich es alleine und in kleinen Schritten selber durchziehen und zum Glück stellte sich rechtzeitig genug heraus, dass weder die Statik geeignet ist, noch ein solcher Umbau abgenommen werden würde. [...]

Und wo wir beim Thema Geld sind... leider gab es auch in 2008 einige Auftraggeber, die zwar gerne Aufträge vergeben und Material erhalten, aber ausgesprochen langsam zahlen oder teilweise bis zum heutigen Tag garnicht. Dies mag zwar meinen Anwalt erfreuen und diesen reicher machen, aber mir und meiner Familie bereitet das immer wieder Momente, die ich gerne vermeiden würde. Daher mögen sich diese Menschen doch bitte mal kräftig schämen.
Ich bin niemand der lange lamentiert. Jedoch ist es schade, dass durch solche Menschen andere Projekte leiden, da trotz geleisteter Arbeit nicht genug Geld für Neues da ist und man womöglich sogar ins Minus dreht und man selber anfängt zu schieben.
Die Angesprochenen wissen schon, wen ich meine... mal darüber nachdenken und schämen! Besser noch, handeln und zahlen!

V.

Diese Zeilen als pars pro toto: Es gibt auch in dem eigenen Umfeld mehr als eine "Adresse", an die sich die gleiche Sätze richten lassen könnten.

Dieses wird aber nicht geschehen, da selbst der Auruf an die Zahlungs-"Moral" in keiner Weise mehr von irgendeinem Erfolg "gekrönt" werden würde.

Die Härte, die einem mehr und mehr in Verhältnissen wie diesen aufgezwungen wird, sollte sich nicht verselbständigen. Aber es gilt als einer der wenigen Vorsätze für das Neue Jahr die Entscheidung, ab sofort und selbst bei noch so begründeten Argumenten oder nachvollziehbaren Hilferufen, sich nicht mehr zu einer Leih-Gabe b(e)reitschlagen zu lassen.

Spenden: ja. Schenken: JA. Als Mäzen ein Kunstprojekt unterstützen: JA! Einem Zeitungsverkäufer aus der Obdachlosenszene ein Blatt mit dem beim "Schwarzfahren Ersparten" abkaufen. JA!!! - Aber sich anmachen lassen ob seiner mit Tränen und Triebverzicht schlussendlich erarbeiteten Position: Nein. Zu oft standen dann die Dinge und Gelder, die man zeitweise Anderen zu Verfügung gestellt hatte, im eigenen Not-Fall nicht mehr zur Verfügung.

Allerdings gilt es auch festzuhalten, dass es am 22. Dezember dieses Jahres eine erfreuliche Ausnahme von dieser Regel gab. Eine.

Zu guter Letzt...

... das Zitat aus einem Brief, den - laut einem an diesem Weihnachten geschenkten "kleinen Buch zur Stille", tvd-Düsseldorf, 2007, S.40 - der Abt Bernhard von Clairvaux (1090-1153) an den früheren Mönch und nunmehr Papst Eugen III. nach Rom geschrieben hat:
"Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig Du selbst nichts von Dir haben? Wie lange bist Du noch ein Geist, der auszieht und nie heimkehrt (PS 78,39)? Wie lange schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selber?"

Anmerkungen

[1Das nennt man ein "Cassoulet" und dieses wurde in den USA ausgerechnet während der Präsidentschaftswahlen wie folgt "gehypt". Nach den über YouTube referenzierten Angaben wurde dieses Video am 12. November in Frankreich auf Canal Plus ausgestrahlt:

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[2.
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[3.
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