Im Zug der Zeit

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 22 Uhr 02 Minuten

 

- Es ist 4.20 Uhr, als der Wecker klingelt. Eine Stunde später am S-Bahn Gleis. Der Zug der eintrifft, hat ein anderes Ziel über der Führerkabine annonciert als das, das auf der Anzeige am Gleis zu sehen ist.
+ Aber er ist zwei Minuten vor der im Plan ausgedruckten Zeit am Bahnsteig.

- Die Fahrt ist nach Erlangen ist nur mit einem Ersatzzug möglich. Der hat keine Neigetechnik und ist daher nicht so schnell wie die fahrplanmässig avisierten Züge.
+ Aber das könnte man ja auch als einen „Vorteil“ werten: Es kann einem nicht mehr schlecht werden bei dem ganzen sonst üblichen Geschaukel.

- Es war nicht möglich für diesen Zug zu reservieren, ein entsprechendes schriftlich per Fax eingereichtes Ansinnen bei der Geschäftkundenbeteuung wurde abgewiesen, da für die Ersatzzüge keine Reservierungen vorgenommen werden können. Auch nicht für die erste Klasse.
+ Aber auch das hatte seinen „Vorteil“: stellte sich doch heraus, dass die Bank ohne eigene Veranlassung die goldene Visa-Karte gekündigt hatte und eine entsprechende Bestellung gar nicht hätte ausgeführt werden können.

- Schon in Leipzig trifft der Zug mit einer erheblichen Verspätung von einer halben Stunde ein – später dehnt sich diese Zeit noch weiter in die schon verplanten Termine aus. Und es ist klar, dass zwei der für diesen Vormittag angekündigten Vorträge nicht mehr angehört werden können.
+ Aber auch das hat seinen „Vorteil“: bis Saalfeld wird für jedem Fahrgast ein frisch gezapftes nicht alkoholisches Freigetränk im Bordbistro bei Vorlage seiner Fahrkarte angeboten.

- Beim Eintreffen des Zuges ist der nächste Anschlussbus auch schon weg.
+ Aber, so ist genug Zeit sich - in Abwesenheit eines Comfortschalters - in die lange Schlange der Wartenden zu stellen um die Reisekostenbestätigung und Daten für die Rückreise am Schalter erhalten zu können.

- Mit der Abfahrtszeit des Busses 295 auf der Rückfahrt vom Zielort zum Hauptbahnhof darf man es auch nicht allzu genau nehmen.
+ Aber dafür gibt es am Endhaltepunkt, der auf der Strecke zum Bahnhof liegt, keine Wartezeit mehr.

- Am Bahnhof gibt es keine funktionierenden Anzeigen an den Bahnsteigen, noch auf dem Weg dorthin. Vielmehr wird darauf hingewiesen, auf die Lautsprechansagen zu hören und sich die Aushänge anzuschauen. Von diesen Ansagen ist aber nicht zu hören und in den Glaskästen mit den Aushängen sind die Ersatzzüge nicht verzeichnet.
+ Aber dafür hat man die Gelegenheit, von Erlangen mit einem ICE direkt nach Berlin zu fahren, ohne Neigetechnik (wie oben schon gesagt) und ohne Umsteigen zu müssen (vorausgesetzt man hat Glück und hat auf dem richtigen Bahnsteig den richtigen Zug abgefangen).

- Erlangen einmal in seinem Leben erlebt zu haben, ist eine An- und Abreise wert. Dennoch sollte dieses selbst tagsüber verschlafene Nest hier aus der Kommentierung ausgeschlossen bleiben, damit es nicht Gefahr läuft an dieser Stelle davon "beschmutzt" zu werden.
+ Aber: Am Eingang in die Bahnhofshalle werden Barbara-Sträucher als Teil einer Werbeaktion für Edelkonfekt verteilt. Dass mit den Sträuchern und dem 4. Dezember ist altes Brauchtum. Werden sie - hier am Ende der Reise - ins Wasser gestellt und beginnen sie vor dem 24. Dezember Blüten zu treiben, soll man das ganze nächste Jahr Glück haben.

- Auf dem Rückweg nach Berlin kommt der Zug mit 20 Minuten Verspätung an.
+ Das ist nicht einmal die Hälft der Zeit, um die er sich bei der Hinfahrt verspätet hatte...

[FOTO folgt]

und genau am Ausstieg fällt einem dieses Plakat ins Auge:


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