DLD (Digital, Life, Design) (I)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 22 Uhr 22 Minuten

 

0.

Zur Teilnahme an der diesjährigen DLD (Digital, Life, Design)-Konferenz im München erging eine erste Anfrage per Mail am Montag, den 13.10.2008, 13:34 Uhr.

Da keine Bestätigung einging, wurde an die erste Anfrage am Freitag, den 28.11.2008 23:03 Uhr erinnert.

Am Donnerstag, den 18.12.2008 18:00 Uhr trifft eine freundliche Antwort ein, in der darauf hingewiesen wird, dass
- wegen der "schon wieder hoffnungslos überfüllt[en] Konferenz [...] eine Akkreditierung für mehrere Tage nicht möglich" sei
- aber man an diesem einen Tage in der Lufthansa Lounge "sehr willkommen" sei, um die gemeinsamen Ideen zu vertiefen.

Am Donnerstag, den 15. Januar 2009, trifft nach nochmaligem Nachfragen das Angebot ein, am Montag, den 26. Januar 2009, an der Abendveranstaltung und am Dienstag an der Konferenz teilzunehmen.

1.

Am Sonntag, den 25. Januar 2009, gibt es also nur die Möglichkeit, die Eröffnungsveranstaltung über einen Internet-Rechner mitzuverfolgen.

Das Programm des Sonntags beginnt mit den folgenden Punkten:

2:30 PM Welcome and housekeeping
- Steffi Czerny (DLD co-founder)
- Marcel Reichart (DLD co-founder)

2:40 PM Opening
- Hubert Burda (DLD co-chairman)
- Joseph Vardi (DLD co-chairman)

2:50 PM Paddle Symphony
- Itay Talgam (Conductor)

Aber selbst um 15 Uhr ist immer noch kein Live-Zugang zum Streaming-Angebot der Veranstaltung möglich. Die Annahme, dass es ein solches Angebot geben würde, war offensichtlich ein Irrtum.

Unter der Rubik LIVE bzw. DLD09 live kann vielmehr in Blogs mitverfolgt werden, was auf der Bühne stattfindet.

Aber ein Text wie ...

Hubert Burda, Head of Burda Media, and Yossi Vardi.

The topic this year is: New Realities.

Hubert Burda quotes Yossi from last year: "The DLD family is gathering again to meet old friends and find new ones."

We will talk about the risks and challenges - and this is a good moment to do it. We will explore the connections between new and old media and a lot of change is going on in media at the moment.

Yossi Vardi: I told people that of my generation no one will understand instant messaging. And I was told my generation was already dead. But our generation has experiences the new generation does not have: real handshakes and real warmthof the hand. This still has to move into social networks. And this is what we provide here: This old style feeling.

Now the DLD ritual takes place: I just shook the hand of the person behind me and the guy next to me.

Yossi:
We invited you for 4 things
- to get food for thought
- to make new friends
- to play
- to love (or laugh? hard to say ;) )

... ist nun - sorry folks - nicht gerade der Hit.

Vielleicht ist es keine Absicht, aber vielleicht hat es doch Methode. So ein prgrammatischer "Feel-Me-Touch-Me"-alike Start macht deutlich, dass es offensichtlich darum geht, eine Gemeinde vor Ort einzustimmen. Und dass eine unmittelbare Teil-Habe daran offensichlich weder möglich und vielleicht auch nicht gewollt ist.

Das Angebot an die Aussenstehenden lautet vielmehr:
You might want to follow the videostream on sevenload for on demand broadcast of the sessions, which will be uploaded asap [1]

3:00 PM Aenne Burda Award
presented by Hubert Burda

Dann schon lieber so ein lapidarer Twitter-Satz von Dan Gilmore wie:

3:22 PM #DLD Esther Dyson receives well-earned award..

Und sein Bericht vom Flug "Phoenix—>Washington—>Munich for DLD" in dem er schreibt:

A first for me: United plane has broken (vital) part, which they’re taking from another broken UA plane. So we may get out of here after all.

"UA" steht für United Airlines, das ist einer der Star-Alliance Partner in den USA. Und nachdem der lezte Flug in der eigenen Erfahrung alles andere als ein positives Erlebnis war [2] ist es fast "beruhigend" zu erfahren, dass es noch schlimmer kommen kann...

Aber jetzt wäre es an der Zeit zuzuhören, was Herr Thierry Antinori (Lufthansa) zu dem Thema "Global Cahllenges" zu sagen hätte:

3:15 PM Global Challenges
- Thierry Antinori (Lufthansa)
- Kasper Rorsted (Henkel)
- James Turley (Ernst and Young)
- Nani Beccalli (GE)
- Hermann Ude (Deutsche Post)
- Stefan Oschmann (Merck)
Moderation: Patricia Szarvas (CNBC)

Aber als im Blog das Thema auf "Theryy Antinori Lufthansa: zu sprechen kommt ist da nur noch ein "(...)" zu finden und stattdessen die Zeilen
[interrupting for a bit as I have to be at the ZDF/3sat for an interview / Oliver]  [3]

Was tun? Die letzte Alternative, die sich noch anbietet ist
- noovo.com/g/dld09.
Auch dort findet sich nichts zu Antinori aber - ein Hoffnungsschimmer - in der Liste der Links findet sich an erster Stelle ein Eintrag, der lautet:

- LIVE! Broadcast: http://twurl.nl/hvu4ap.
Wird dieser Link aktiviert, antwortet der MS Internet-Explorer: "Die Webseite kann nicht angezeigt werden." Und der Mozilla Firefox Browser meldet: "Adresse nicht gefunden".

Was tun? Da in "DaybyDay" alles geschehen kann, nur nicht das vorzeitige Aufgeben eines Zieles, wird in "Noovo" eine Teilnehmerschaft beantragt.

Vielleicht kommt man ja nur als registeres Member an die Live-Übertragung heran? Und so werden "First name:" "Last name:" "Email address:" und "Password:" sowie ein Code aus 6 Zeichen zur Authentifizierung eingegeben. Danach weden die in Slowenischer und englischer Sprache verfassten Terms of Use gelesen und akzeptiert.

Daraufhin kommt die Mitteilung: "We do not store your login details nor do we use them for any other purpose then to retrieve your contacts" sowie die Aufforderung, seine "contact list" aus "facebook" in das System einzuspielen. Wird dieser Aufforderung nicht entsprochen, bietet Noovo.com an:

"Melde dich bei Facebook an, um die komplette Funktionalität der Noovo.com genießen zu können.Wenn du das nicht möchtest, gehe zur normalen Facebook-Anmeldung-Seite."

Werden an dieser Stelle die zuvor angemeldeten Daten: "Email address:" und "Password:" nochmals eingetragen lautet die Antwort:

"Falsche E-Mail/Passwort Kombination
Facebook-Passwörter beachten die Groß- und Kleinschreibung. Bitte überprüfe deine Feststelltaste.
"

Klar, man will ja nicht sein Face-Book-Accout zur Verfügung stellen.

"skip" bring die Lösung - und schlägt auf der Nachfolgeseite weitere Communities vor:
- Gmail
- Yahoo
- Windows Live

Aus den zuvor zitierten Erfahrung klug geworden, wird sogleich die "skip"-Taste aktiviert.

Jetzt fragt Noovo.com "about you" nach "Gender:" und "Date of Birth:" und "languages" und "Where do you live:" [4] und "Avatar:" - gibt aber auch dann Zugang zur Folgeseite frei, wenn keines dieser Felder ausgefüllt wird:

"Noovo gives you your own page like this one | Choose a style now!"

Ausgesucht wird der "default-style" und es erscheint der Text:

"Noovo recommends you things on the Cover page"

Auch diesen Empfehlungen wird nicht entsprochen und es erscheint beim Seitenwechsel die Hompage mit der überschrift: "What’s Noo" und auf der Seite rechts oben steht: "Hi, Wolf".

Auf der "Cover"-Page findet sich eine "Welcome"-Nachricht die lautet:

Hi Wolf,

thanks for signing up! Here’s what you can do:

1. Read what we recommend. Click around http://www.noovo.com, comment and share what you like and they will become even better. Ask the light bulb why we gave you something and tell it how you liked it.

2. Set up your profile: click on Your Profile to change design or sync it with your Twitter, Facebook, Flickr or your blog.

3. Find some friends (http://www.noovo.com/people), join groups (http://www.noovo.com/groups) or start one!

4. Add pages to your Cover or your Profile to follow and share specific things you are interested in.

We are super excited to see what you will share on Noovo!

Noovo team.

Auf der "Friends"-Seite finden sich neben "My friends" und "Invite friends" auch "All users" - und unter diesen auch "Barack H. Obama" mit

"President Obama’s FIrst Weekly Address " vom 24. Januar 2009:

www.noovo.com/u/barackobama/posts/2221489/

"In his first weekly address since being sworn in as the 44th president of the United States, President Barack Obama discusses how the American Recovery and Reinvestment Plan will jump-start the economy."

Mit der Ankündigung einer neuen Website: www.recovery.gov beschliesst er seine Präsentation als replay der Seite www.whitehouse.gov.

Und: Noovo.com bietet an, diese Adresse des Präsidenten zur der Liste meiner Freunde hinzuzufügen, bzw. diese damit zu eröffnen: "Add as friend".

Unser Prioritäten sind aber andere: Wir gehen auf die Abteilung "Groups" und wählen dort "DLD09" aus. Schliesslich geht es um die Anwort auf die entscheidenden Frage: Ist nach all diesen Einführungsritualen ein Zugang zum LIVE! Broadcast - Angebot möglich oder nicht?

Dazu wird der Aufforderung "Join" Folge geleistet: Und siehe da: "Hi, Wolf" findet sich wieder da, wo wir schon vor zwei Stunden waren: auf der Seite: www.noovo.com/g/dld09.

Und dann: DER ABSTURZ: Mozilla verlinkt erneut auf http://about/ und der Microsoft-Browser kann auch kein besseres Ergebnis vorweisen.

Was tun? Inzwischen sind wir beim Punkt:

5:45 PM Competitive Compassion
- Chris Weeks (Deutsche Post Disaster Response Team)

angekommen: Aber auch über den hier so passenden Punkt dessen, was ein "Disaster Response Team" zu tun haben könnte, gibt es keinen Live-Stream zu sichten. Und es war doch eigentlich nur der Wunsch zu erfahren, was insbesondere von Seiten der Lufthansa zu dem Thema der globalen Herausforderung gesagt wird.

Wie schon gesagt, im Blog von Oliver Gassner inzwischen zu allen Personen kurze Statements niedergeschrieben worden, nur nicht zu Thierry Antinori. Aber verweist auf den Blog von Andrea Vascellari in dem folgende drei Fragen und Antworten fixiert werden - ob allerdings alle drei Antworten dem Protagonisten der DLH, TA, zuzuschreiben sind oder nur die erste, geht aus seiner Aufzeichnung nicht hervor.

"About high risk management. How does it feel to work in your field?

Thierry Antinori (Lufthansa):
These are our ’must’
- Increase efficiency to protect our business
- Innovation in product development and people
- Invest on business intelligence

Technology, Transparency and speed of information. How do you deal with it?

The winners of tomorrow are the ones that will:
- Offer stability to employees, clients and partners.
- Have high flexibility and adaptation. Human beings are good at long term planning but they have difficulties in adapting when the environment rapidly changing.
- Go global. Which means being able to take decisions at different places. This is why getting people in the right place it’s fundamental.

Technology increases transparency. Today companies have to act in a totally different way to deal with transparency, technology and Instant access to information and most importantly have to use it as an opportunity. Technology creates a new hierarchy of who can be trusted, consequentially new hierarchies represent new challenges for our businesses. Change will come and we have to be ready to face it with a faster reaction time.

Globalization and Innovation.

This period we are living in represents also a structural change for organizations and countries. Great ideas come from within the company, research and from the global community.
Change is here to stay so Europe needs a different innovation attitude. Looking at the crisis that we are going through we see governments that are ’taking over’ moving to a slightly more controlled economy which will probably leads to a future where we’ll all look more similar.
To keep in mind:
- Globalization is also bringing democratization
- We have to learn to operate in different environments (US, Europe, Asia, etc.)
- Todays’ only real divide is education

C’est tout.

2.

Warum dieses Interesse, warum diese Enttäuschung?

Im Hintergrund steht ein - nach mehreren Jahren der Vorbereitung - im Frühjahr 2006 erfolgreich umgesetztes Projekt der ersten Live-On-Air-Radio-Show aus einem Lufthansa-Passagier-Flugzeug.

Als zur Eröffnung der DLD des Jahres 2007 über die dahinterstehende Fly-Net-Technologie berichtet wurde, konnte nicht darüber hinweggesehen werden, dass sie - trotz ihrer "segensreichen" Aus-Wirkungen - bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zum Einsatz kommen konnte.

Seitdem wird an einem Nachfolgesystem gearbeitet. [5]

Und es gibt den Vorschlag, zum Zeitpunkt der erfolgreichen Einrichtung dieses neuen Systems eine Live-TV-Sendung aus dem Flugzeug heraus an den Start zu bringen.

Die oben zitiere Einladung, jetzt noch einmal darüber reden zu wollen, hat damit zu tun, dass es aus mannigfaltigen Gründen noch nicht möglich sein konnte, auf dem diesjährigen Flug zur CES in die USA in der Zeit vom 6. bis zum 17. Januar 2009 dieses neue System schon testweise erproben und dann im Zusammenhang mit der DLD 2009 zum Einsatz bringen zu können.

Daher die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen und auf diesem Wege ersatzweise hier in "DaybyDay" einen Beitrag zu publizieren, der im Zusammenhang der Debatten im Lufthansa-Technologie-Forum entstanden ist.

3.

Die Frage lautete:

"In view of modern rail travel concepts, what innovative ideas and visions must the aviation industry implement in order still to be attractive in 15 years’ time?"

Und das Interesse an den Antworten wird wie folgt begründet:

"Lufthansa German Airlines is proud to be a partner again in 2008, and would like to discuss with you as a forum participant the future of travel.

Whether making a journey by air makes sense is assessed very much in correlation to the distance involved. New rail travel concepts and high-speed trains on the one hand, and on the other the greater time input due to increased security checks at airports, qualify many of the previous time advantages of flying. This might have severe consequences for airlines.

As an innovative and technologically oriented company, it is extremely important for us to develop here a credible and sustainable concept and thus gain a competitive advantage."

4.

Vom Besonderen zum Allgemeinen, von der Gegenwart zurück in die Zukunft:

Das Besondere der aktuellen Situation ist die Frage, ob es sich wirklich lohnt, mit dem Flugzeug für nur einen Tag von Berlin nach München zu fliegen und zurück.

Die naheliegende Antwort wird sein: Natürlich, denn das Flugzeug sei die einzige Möglichkeit, eine solche Distanz in beiden Richtungen an einem Tag zu überbrücken.

Die eigene Antwort könnte aber auch ganz anders lauten: Die Zeit in zwei Nachtzügen in Richtung München respektive Berlin zu nutzen, um so ausgeschlafen und rechtzeitig am jeweiligen Tagesziel anzukommen.

Die aus vielfältigen Erfahrungen abgeleiteter These lautet: Aus der Reisezeit innerhalb Deutschlands eine echte Nutzzeit zu machen, diese Forderung in eine wirklich effektive Praxis umzusetzen ist mit der Bahn derzeit wesentlich leichter umzusetzen als unter Verwendung des Fliegers. [6]

5.

Dabei lässt sich mit ebenso grosser Sicherheit behaupten, dass diese These - und Erfahrung - ab einem bestimmten Grad der Entfernung nicht mehr belegen lassen wird.

Gewiss: Es gab Zeiten, in denen pro Woche drei europäische Hauptstädte angeflogen wurden, und das über Monate. In einem solchen Szenario gab es natürlich keine Alternative.

Aber kann man diese Zeit von zumeist weniger als zwei Flug-Stunden im Flieger wirklich nutzen?

Die eine Alternative lautete: Seine Bürotätigkeiten in den vielfältigsten Formen und Gerätschaften auf sogenannte "mobile devices" zu verlagern und auf diesen - ersatzweise und so gut es eben geht - fortzusetzen.

Die eigene Alternative war lange Zeit eine andere: Sich jeweils rechtzeigig um einem "jump seat" im Cockpit zu kümmern, was durch den Nachweis einer eigenen kleinen Fluglizenz in mehr als der Hälfte aller Flüge von Erfolg gekrönt war.

In dieser Zeit - vor Nine-Eleven - gab es wahrlich nichts Schöneres als zu fliegen - und immer auch ein bischen "mitfliegen" zu dürfen. [7]

6.

All das ist heute Vergangenheit. Geblieben ist dagegen das Bestreben, im Verlauf der Reise möglichst so tun zu können, als würde man eigenlich gar nicht auf Schienen rollen oder an den Tragflächen kleben, sondern irgendwo und irgendwie "vor Ort" zu sein: Im Flug wie im Zug und diese seit Jahr und Tag [8].

Erinnern Sie sich noch an die vielen Pressberichte vor dem Start der ersten A 380? Über 50% von diesen hatten vor allem Ausstattungsdetails in den Vordergrund des Interesses gestellt. Das Reise-Erlebnis hat also im eigentlichen Sinne mit dem sinnlichen Erleben einer Reise als Reise höchst wenig zu tun.

Nochmals wiederholt: Dass die Zugreise also ab einem bestimmten Zeit-Punkt ganz und gar unattraktiv wird, scheint ebenso selbstredend zu sein wie die Tatsache, dass gerade auf der Mittel- und Langstrecke die Frage nach dem Komfort immer mehr und immer wieder in den Vordergrund rückt.

7.

Und dennoch: Auch hier nochmals ein Blick zurück in den Vergangenheit des eigenen Erlebens: die Fahrt mit dem Trans-Sibirien-Expresss von Peking über Moskau bis Berlin im Jahr 1978.

Davon zu erzählen klingt wohl für die meisten genauso "exotisch" - und damit nicht repräsentativ für die Beantwortung der hier gestellten Frage - wie der Hinweis auf die vielen vielen Flüge als dritter Mann im Cockpit.

Das stimmt: vordergründig. Und doch verbirgt sich hinter dieser - gelegentlich auch mit Neid Anderer vermischten - Neugier ein tieferer, sinn-stiftender Zusammenhang, der hier durchaus von Bedeutung ist: Es geht um die Wiederentdeckung der Bedeutung der Reise als Erlebnis. Als ein Erlebnis, in dem die Reise nicht ausgeblendet, sondern zu einem integrierten Bestandteil eines Erlebnisses gemacht wird, das einen ganz besonderen Mehrwert anzubieten hat.

8.

Mehrwerte beim Reisen: das werden in Zukunft nicht länger nur die vielen "ad ons" - und "ads ons" - sein, sondern auch die inneren Werte einer selbstverantworteten Bewegung durch Zeit und Raum. Mit der Erfüllung des Transport-Traums in einem Überschallflugzeit wurde mit der Umsetzung einer Reise, die schneller als der Schall sein kann, das ultimative "ad on" der Flugreise erreicht. Heute wird die "Höher-Schneller-Weiter"-Philosophie durch die Philosophie des "Grösser- Grüner-Gemütlicher" ersetzt.

Und während diese Philosphie gerade erst am Aufblühen ist, soll schon über die nächste Etappe nachgedacht werden, "nur" weil sich auf der Schiene das Eine und Andere getan hat?

Die hier gestellte Fragestellung ist aufgrund der aktuellen Entwicklung im Wettbwerb zwischen der Kurzstrecke und der Schien zwar nachvollziehbar, aber nicht wirklich - sagen wir mal - zielführend.

Wie hoch ist denn das Umsatzvolumen jener Streckenteile, in der sich die Bahn und das Flugzeug "echt" als Konkurrenten gegenüberstehen? Und in wieweit gibt es denn überhaupt andere Kriterien als den Preis, der immer wieder neu über Sieger und Verlierer richtet?

9.

Wenn in diesem engen konkurrierenden Umfeld nach einem echten nachvollziebaren und erlebbaren Argument jenseits der Ökonomie gesucht werden soll - und darf - dann können es nicht jene hinlänglich bekannten Positionen sein, die im Kampf um das Segment der Mittel- und Langstrecke allzu gerne ins Feld geführt werden. Vielmehr geht es um die Fragen, ob die Bewältigung dieser Strecke eine Last oder ein Lust sei.

Gewiss ist auch eine Bahnreise - selbst in der ersten Klasse - alles andere als eine Frage der Lust. Aber sie erlaubt es zumindest, sich im Verlauf dieses Transportablaufs die Zeit so einteilen und nutzbringend einsetzen zu können, dass am Ziel der Reise die Chance auf einen latenten Lustgewinn anbieten könnte: Am Ende der Reise hat man nicht nur seinen Abreiseort hinter sich gelassen, sondern auch seinen - bis in den Zug hinein verlängerten Arbeitsplatz. Am Ende der Reise wird die letzte Mail kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof abgeschickt, die Monitor-Klappe des Rechners geschlossen und der Laptop vom Strom genommen.

Und dann kommt man in einem Bahn-Hof an - und nicht an einem Flug-Hafen. Man kommt bereits an einem Bahnhof zu Hause an, dorthin, wo Häuser stehen. Mit dem Flugzeug landet man im Nirwana, mit dem Zug kommt man an.

10.

Also: Muss man den Flug selber zu einer Attraktivität verhelfen, die der Zug so nicht bieten kann.

Viele Versuche werden schon in dieser Richtung unternommen. Der Kamerablick der Live-Linse beim Landeanflug, der auf die Monitore in der Passagierröhre übertragen wird. Oder die diskrete Ansage zu dem einen oder anderen Ort, der gerade bei klarem Wetter überflogen wird.

Auch hier ein - erneut nicht repräsentatives - Beispiel zum Thema Reise-Erlebnis: Auf der ersten ILA nach dem Mauerfall hatte die Lufthansa einen Rundflug organisiert, der erste der über dem Gebiet der - damals dann schon ehemaligen - DDR durchgeführt werden durfte. [9]. Auf diesem Flug hatte zumeist nicht nur das Kabinenpersonal das Wort, sondern der Pilot und Copilot. [10]

Und als dann zeitweise die Sicht auf den Grund versperrt war, geschah das bis heute Unvergssliche: der Kapitän begann die Wolkenformationen zu kommentieren, die sich auf beiden Seite der beflügelten Röhre aufgetürmt hatten. Das war das beste "non-sight-seeing" - auch ohne einen Platz vorne in der Kanzel gehabt zu haben.

PS.

All das hier Gesagte und Erzählte ist eigentlich nur die Einleitung zu einer sehr viel weiter- und tiefergehenden Fragestellung, auch wenn diese so nicht wirklich gestellt wurde.

Und dabei sprengt das hier Gesagte und Gezeigte schon die Darstellung eines normalen "DaybyDay"-Beitrags bei weitem. Wie viel in diesem Thema steckt, dass ist im Verlauf des Jahres 2008 in zwei koproduzierten TV-Beiträge für die Deutsche Welle und das ZDF gezeigt worden.

In diesen ging es um das gleiche Thema, das auch am Sonntag zur Eröffnung zur Debatte stand: selbst wenn alle Welt online gegangen sein sollte, bleibt unsere Welt immer auch geprägt von dem Wunsch des aufeinander Zugehens, des sich Begegnens, des Miteinanders und Beisammenseins.

Dieses kann man dieser Tage in München erleben, Und dabei zu sein ist alles. Man braucht ein Haus wie Burda, das einen einlädt. Man braucht eine Lufthansa, die einen einfliegt.

Ist einem all dies nicht vergönnt, so ist der Versuch einer Online-Partizipation hier exemplarisch vorgeführt worden. Die schwierigste aller Aufgaben war es dabei, ob dieser nicht erfüllten Umstände nicht die Enttäuschung darüber in den Vordergrund zu stellen, sondern nüchtern und unter Aufwendung von viel Zeit, Mühen und Sorgfalt zu erproben, ob und in wieweit die aktuellem Mittel der Online-Welt tauglich sind, diesem Wunsch der Teilhabe statt Teilnahme Rechnung zu tragen.

WS.

Anmerkungen

[1Aber zumindest bis zum Sonntag-Abend 20 Uhr war keine der Sessions online abrufbar.
Nachtrag: Die Zusammenfassung - am Folgetag eingestellt - gibt einen ganze Satz von TA. zur Kenntnis frei. Man mag dabei über die Machart und vieles andere diskutieren: Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, zumindest eine "Bauchbinde" hätten all die "talking heads" verdient, die in diesem Video zu sehen sind!
Versöhnlich dagegen das Interview zwischen gleich drei Geburtstags-Kindern: Dan Dubno und den beiden Reporterinnen :-)

[3Also, lieber Oliver Gassner, dass wir uns nicht missverstehen: natürlich ist es Dir vergönnt in einem Interview auf sich und seine Sache aufmerksam zu machen. Und auch den Leuten vom ZDF sei es wahrlich vergönnt, einen so engagierten Zeitzeugen vor dem Mikro und der Kamera zu haben. Und dennoch: gerade dieser Beitrag wäre nun mit grossen Intereresse vernommen worden, live oder via Internet oder Flynet oder was auch immer, und dass der Beitrag gerade in diesem Moment abgebrochen wird: Das nervt! WS.

[4Zu dieser letzten Frag wird bereits eine "Hilfestellung" angegeben und die lautet: "IP location: Berlin, DE (lon:13.400, lat:52.517) Select"

[5Zum aktuellen Stand der Planungen in den USA ein Online-Beitrag aus der Computerwoche vom 19.01.2009, 14:05 Uhr.

[6Am Sonnabend, den 21. Dezember 2008, fand tatsächlich so eine Bahnreise statt, wie sie hier zuvor als eine mögliche Alternative ins Auge gefasst worden war: Sie begann am Freitagabend in Berlin gegen 22 Uhr und endete am Sonnabendabend gegen 22 Uhr wieder in Berlin.

Und: Auf der Rückfahrt fanden sich in dem Kundenmagazin der Bahn "mobil" Nr. 12 auf den Seiten 22 und 24 zwei Fotos - ohne Nennung des Fotografen - in denen Oliver Gerhard über Reise durch Australien berichtet und auf denen


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eine "stillgelegte [Eisenbahn] Teilstrecke des Zuges Ghan" bzw.


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zwei "ausgemusterte Flugzeuge in einem Skulpturenpark" zu sehen sind.
Wie passend!

[7Hierüber gäbe es Vieles und viel Schönes zu berichten. Stattdessen hier nur ein Bild, das vielleicht mehr zu "sagen" in der Lage ist als tausend Worte:

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LA-Luftaufnahme von Andreas Gursky aus dem Jahr 1999 - auf der Einladung zur Vernisage auf der Mathildenhöhe Darmstadt am 10. Mai 2008 - die so wahrscheinlich nach "9/11" nicht mehr möglich gewesen wäre.

[8Auch an diesem Punkt liesse sich eine lange Abhandlung entfalten, bis zurück in die Geschichte der eigenen Familie, wo der Grossvater eines der ersten Luftfahrerpatente sein Eigen nannte und sein Name heute in Berlin-Tempelhof gleich neben dem von Herrn von Richthofen ein Zeichen setzt.
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[9Auch hier gäbe es eine lange Geschichte zu erzählen, warum dieser Flug überhaupt zustande gekommen war und welch ein ganz besonderes, ja "historische" Erlebnis dieser Moment war, nicht mehr durch einen der Flugkorridore fern-gelenkt zu werden...

[10Und hier ein Bericht über die ILA 2008.


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