IT-Gipfel in Darmstadt

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 57 Minuten

 

Hier zunächst ein Überblick über das Programm des Dritter Nationaler IT Gipfel im darmstadtium der Stadt Darmstadt - im Anschluss daran ein Kommentar als Ersatz zu einer Reihe von "protokollarischen Aufzeichnungen" die sich aufgrund eines technischen Fehlers samt und sonders "in Luft" aufgelöst hatten [1]

09.00-10.00 Uhr Gelegenheit für AG-Sitzungen


© all rights reserved

10.00-10.50 Uhr Plenum

Es sprechen:

- Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie
- René Obermann, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG
- Karl-Heinz Streibich, Vorsitzender des Vorstandes Software AG
- Prof. Dr. Lorenz Hilty, Empa, Schweiz

11.00-13.00 Uhr Vier parallele Foren zu den Themen:

Forum 1 "IKT für einen starken Standort Deutschland in der Globalisierung"

Teilnehmer
- Lydia Sommer,
Nokia Siemens Networks
- Ulrich Dietz,
GFT Technologies
- Dr. Thomas Endres,
Deutsche Lufthansa
- Michael Ganser,
Cisco
- Jochen Homann,
Staatssekretär BMWi
- Martin Jetter,
IBM
- Prof. Dr. Henning Kagermann,
SAP
- Wolfgang Kopf,
Deutsche Telekom
- Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer,
BITKOM
- Dr. Kurt Servatius,
Allianz
- Alf Henryk Wulf,
Alcatel-Lucent

Moderation
- Anja Kohl,
Journalistin

Der IKT-Standort Deutschland ist viel leistungsfähiger, als dies in der Öffentlichkeit in Deutschland und im Ausland bekannt ist. Das sollte uns anspornen, die Weltspitze entschlossen anzustreben. Auf der Basis der im Vorfeld des 3. Nationalen IT-Gipfels geführten Debatten und aktuellen Studien werden hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
über Chancen und Herausforderungen des IKT-Standortes Deutschland diskutieren.

Ziel des Forums ist es, im Dialog mit dem Publikum Wachstumsfelder zu identifizieren, in denen ein Engagement besonders viel versprechend erscheint und Maßnahmen aufzuzeigen, die zu einer Stärkung des IKT-Standortes beitragen können. Grundlegend für alle IKT-Anwendungen sind eine hochleistungsfähige Infrastruktur und die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften. Hierzu haben die Mitglieder der AG 2 "Konvergenz der Medien" mit dem Strategiepapier "Breitband der Zukunft" zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze für Hochgeschwindigkeitsnetze in Deutschland formuliert und die Mitglieder der AG 6 "IuK im Mittelstand" Empfehlungen zur Aus- und Weiterbildung erarbeitet, die sie vorstellen werden.

Zur Identifizierung der Wachstumsfelder werden die Bereiche vorgestellt, in denen die IKT-Branche nach Auffassung von Experten (lt. Umfragen und Workshops der AG 1 "Perspektiven für den IKTStandort Deutschland") zeigen kann, dass sie einen signifikanten Beitrag zur Lösung komplexer globaler Probleme und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit anderer Branchen, etwa der Medizintechnik, dem Automobilbau und der Logistik leisten kann. Von großer Bedeutung ist das Thema "Green IT", d.h. energie- und ressourcensparende IKT-Produkte auf der einen Seite, Sparen von Energie und Ressourcen durch Einsatz von IKT-Produkten andererseits. Zudem soll über die auf den IT-Gipfeln initiierten Leuchtturmprojekte zur Entwicklung des Internets der Dienste (THESEUS), des Internets der Dinge und "E-Energy" gesprochen werden.

Studenten, die im Open Space über "Medien der Arbeitswelt der Zukunft" diskutiert haben und solche, die im Talentewettbewerb von THESEUS ausgezeichnet wurden, sollen in die Diskussion eingebunden werden.

Forum 2 "Wer ist wer im Internet - Mehr Sicherheit für Elektronische Identitäten"

Teilnehmer
- Dr. Hans Bernhard Beus,
Staatssekretär BMI und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik
- Prof. Dr. Georg Borges,
Ruhr-Universität Bochum
- Dr. Stefan Groß-Selbeck,
eBay
- Matthias Kammer,
ISPRAT
- Prof. Dieter Kempf,
BITKOM
- Martin Schallbruch,
BMI
- Prof. Dr. Sarah Spiekermann,
Humboldt-Universität zu Berlin und European Business School

Moderation
- Prof. Dr. Claudia Eckert,
Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)

Wer ist wer im Internet? Durch die Verlagerung vieler Lebensbereiche in die Online-Welt, die Nutzung von E-Business- und E-Government-Angeboten kommt einem sicheren elektronischen Identitätsnachweis eine überragende Bedeutung zu. Zuverlässige elektronische Identifizierungsverfahren (eID) sind Grundlage der allermeisten Kommunikationsprozesse und Transaktionen. Heute gibt es im Internet eine unübersichtliche Vielzahl von Identifizierungsverfahren. Sichere, verbindliche und leicht nutzbare Lösungen haben sich noch nicht allgemein durchgesetzt. Missbräuche von Identitätsdaten und damit der "Diebstahl elektronischer Identitäten" nehmen zu.

Das gemeinsame Forum der Arbeitsgruppen 3 und 4 lädt Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft zu einer Diskussion über den Umgang mit elektronischen Identitäten im Internet ein: Wie können Lösungen sicher und gleichzeitig datenschutzfreundlich gestaltet werden? Wie kann bzw. muss der rechtliche, technische und organisatorische Rahmen für elektronische Identitäten entwickelt werden? Wer ist verantwortlich und wie ist diese Verantwortung im Internet abbildbar? Welche Rolle spielen "weiche" Maßnahmen wie die Risikoaufklärung der Nutzerinnen und Nutzer oder die Selbstverpflichtung der Wirtschaft? Wie können gesicherte elektronische Identitätsnachweise und nachvollziehbare Kommunikationspartner dem Einzelnen beim Schutz und der Entfaltung seiner digitalen Identität (Forum 4) helfen? Verschiedene Expertisen werden diese Fragen aufgreifen. Neben grundsätzlichen Thesen werden zwei aktuelle eID- und Infrastrukturprojekte des Bundes als Lösungsansätze vorgestellt: der elektronische Personalausweis und die Bürgerportale.

Forum 3 "Durch IKT-Forschung Nr. 1 in Wachstumsfeldern"

Teilnehmer
- Prof. Dr. Raymond Freymann,
BMW
- Prof. Jörg Menno Harms,
BITKOM
- Prof. Dr. Lutz Heuser,
SAP
- Dr. Karsten Ottenberg,
Giesecke & Devrient
- Prof. Dr. Hermann Requardt,
Siemens
- Dr. Annette Schavan,
Bundesministerin für Bildung und Forschung
- Christopher Schläffer,
Deutsche Telekom
- Prof. Dr. Wolfgang Wahlster,
DFKI

Moderation
- Conny Czymoch,
Journalistin

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) leben von den Anwendungen. Über 90 % aller Prozessoren arbeiten nicht in den Computern in unseren Büros, sondern im Verborgenen wie beispielsweise in ABS-Systemen, in Maschinensteuerungen und in medizinischen Geräten. In der Automobilindustrie, der Logistik und im Bereich Medizintechnik sind mittlerweile mehr als 80 % der Innovationen durch IKT getrieben. IKT sind der Innovationsmotor Nr. 1 in Deutschland.

Die technologische Spitzenstellung Deutschlands und seine Wettbewerbsfähigkeit hängen wesentlich davon ab, inwieweit es gelingt, IKT-Forschung und die Entwicklung neuer Technologien konsequent auf Wachstumsfelder auszurichten. Dabei stehen insbesondere die Felder Automobil, Maschinenbau, Medizin, Logistik und Energie im Vordergrund. Nur so kann IKT auch zur Lösung gesellschaftlicher Probleme wie beispielsweise größerer Sicherheit im Straßenverkehr, weniger Kraftstoffverbrauch und ressourcenschonenderen Warentransport beitragen und die moderne Medizin voranbringen.

Ziel dieses Forums ist es, eine positive Zukunftsperspektive für den IKT-Standort Deutschland heraus zustellen. Wichtige Themen sind dabei "Internet der Dinge", "IKT in komplexen Systemen" und "neue Geschäftsprozesse und Produktionsverfahren".

Forum 4 "Digitale Persönlichkeit"

Teilnehmer
- Prof. Dr. Dr. h. c. Johannes A. Buchmann,
Technische Universität Darmstadt
- Dr. Stefan Krempl,
Journalist
- Sascha Lobo,
Autor
- Christoph Schmallenbach,
Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft
- Harald Stöber,
Arcor
- Brigitte Zypries,
Bundesministerin der Justiz

Heute nutzen zwei Drittel aller Deutschen über zehn Jahren regelmäßig das Internet und hinterlassen dabei eine mehr oder weniger breite Datenspur im Netz. Bankgeschäfte, Urlaubsbuchungen, Partnersuche - alles lässt sich in kürzester Zeit von zu Hause aus erledigen. Der E-Mail-Verkehr hat die Kommunikationsmöglichkeiten revolutioniert. Und die Inhalte des "Web 2.0" werden zunehmend von den Nutzern selbst produziert und verbreitet. Dies ist inzwischen fester Bestandteil der freien Entfaltung der Persönlichkeit und eröffnet der Wirtschaft neue Wege für den Marktzugang.

So sind heute Daten aus nahezu allen Lebensbereichen der Bürgerinnen und Bürger elektronisch gespeichert und damit leicht recherchierbar und verknüpfbar. Als das Bundesverfassungsgericht 1983 das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung aus der Taufe hob, waren die Gefährdungen dieses Rechts durch das digitale Zeitalter bestenfalls zu erahnen. Das Gericht hat damals die elementare Bedeutung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung herausgestellt - also der Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. Das Grundrecht auf Datenschutz hat weltweit Eingang in viele Grundrechtskataloge gefunden. Fünfundzwanzig Jahre später steht es vor einer neuen Bewährungsprobe.

Diese Fülle an Informationen ist potentiell dem staatlichen wie dem privaten Zugriff ausgesetzt. Missbrauchsmöglichkeiten können das Vertrauen in die Sicherheit des Internets beim Nutzer erschüttern und damit die Bereitschaft zur Nutzung des Internets beeinträchtigen. Das kann dazu führen, dass das Potenzial von Wertschöpfung und Persönlichkeitsentfaltung im Internet nur unvollständig genutzt wird. Um dem zu begegnen, ist eine breite Debatte darüber erforderlich, wie Privatheit im digitalen Zeitalter rechtlich und praktisch gewährleistet werden kann.


© all rights reserved

Ungefähr die Hälfte der Diskussionszeit ist verstrichen. In der vorzüglichen Moderation einer Ministerin ist der erste Teil ihres dramaturgischen Szenariums mit Bravour über die Bühne gegangen: Ihre virtuelle Leitfigur, Max mit Namen, ist inzwischen geboren worden und schon bekamen die Eltern elektronische Post mit Windel-Werbung. Dann wird der Junge eingeschult und gehänselt, weil seine Eltern die Wiedergabe seines Fotos auf der Internetseite der Schule untersagt hatten. Später dann wird er studieren und sich im Umweltschutz engagieren, was dazu führt, dass er seinen Praktikumsplatz bei einer Mineralölfirma nicht bekommt. Und schliesslich ist das Thema der Diskussion sein Bewegungsprofil, mit dem er bei den Fluggesellschaften gespeichert ist, da er als IT-Berater viel auf Reisen ist.

Dieser Max ist, wie die Frau Ministerin einzuflechten weiss, ein „digital native“. Dieser Junge ist in der Welt der digitalen Medien geboren und wächst darin auf. Und anhand seiner Lebensabschnitte sollen wesentliche Frage der „digitalen Persönlichkeit“ geklärt werden: der sparsame Umgang mit den eigenen Daten ebenso wie die Verwertung von Rechten, die aus der Weitergabe dieser Daten herrühren. Die Diskussion ist locker, der eine nimmt den Gesprächsfaden des anderen auf. Und die vier Männer mühen sich redlich, jeder das seine aus der ihm zugewiesenen Position abzuleiten.

Bis zu diesem Moment, Max war geboren und Max hatte die Pubertät hinter sich, war alles auf dem Rechner mitgeschrieben und über diesen live auf diese Seite eingespielt worden. Es gab zwar keinen Strom in diesen hochmodernen Räumen – bzw. die Anschlüsse waren unter Bodenplatten versenkt und konnten nicht freigelegt werden… und das nicht nur ad hoc nicht: selbst die Beschallungstechnik hatte sich ihre Stromversorgung vor irgendwo ausserhalb dieses Saales in diesen hineinlegen lassen - aber immerhin einen mobilen Internetzugang. Und, diesen nutzend, wurde alles bis zu diesem Moment gehörte, mitgeschriebene und gelegentlich auch ankommentierte Programm direkt für die Onlienwiedergabe verarbeitet.

Auch – aus Erfahrung klug geworden – wurde bei der Redaktion immer wieder dafür Sorge getragen, dass nach einem neuen „Textschub“ dieser auch auf der anderen Seite der „Online-Brücke“ durch ein entsprechendes Komando festgehalten und gespeichert wird. Und dann das: aus Gründen, die nicht mehr nachzuvollziehen sind, waren urplötzlich nicht nur all diese Einträge nicht mehr vorhanden, sondern ein Grossteil dieser jetzt mühsam wiederhergestellten Seite war „futsch“. Der Obergau, mitten auf dem IT-Gipfel.

Während auf dem Podium gerade noch einmal die Diskussion über die Frage anlief, wie denn der verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Daten schon in der Schule gelehrt und in den Unternehmen praktiziert werden könne, waren – einmal mehr – die eigenen durch eine „Verknüpfung unglücklicher Umstände“ zunichte gemacht worden.

Was also tun? Alles aus der Erinnerung nochmals nachschreiben, die Reden des Bundeswirtschaftsministers, des Telekom- und des Bitkom-Chefs? Nein, so die Entscheidung: Diese würden eh’ alsbald in aller Munde und durch die Elektronik in Windeseile verbreitet worden sein – und das sollte sich wohl als richtig erweisen, schon auf der Rückfahrt im Zug wurde das 12-Seitige „Handesblatt.com“ mit den NEWS AM ABEND mit dem Aufmacher „IT soll die Wirtschaft ankurbeln“ ausgelegt. Darin ist zwar noch nichts von der neue D-Mail-Initiative zu lesen , wohl aber, dass der Herr Minister von einer Strategie für ein „Breitband der Zukunft“ gesprochen habe. Und ob nun dieser Text unter allzu starkem Zeitdruck redigiert worden war oder ob der Minister wirklich nicht mehr zu sagen gehabt hat. Der Satz „Eine gute Infrastruktur sei die Basis für einen starken Wirtschaftsstandort“ wird gleich im ersten Abschnitt dieses Leit-Artikels gleich zweimal hintereinander wiederholt.

Im Handelsblatt wird sodann René Obermann in den Zusammenhang mit den neuesten Daten aus dem Hause des Bundesverbandes der Deutschen Industrie genannt. Deren Zahlen besagen, dass der „verstärkte Einsatz moderner Informationstechnologien“ zu einem Zuwachs von bis zu 250 000 Stellen führen könne. Vorausgesetzt, jeder dritte Haushalt habe bis dahin einen „superschnellen Internet-Anschluss übe das Glasfasernetz“. Und das, so Obermann, würde in den nächsten 10 bis 15 Jahren ein Investment von 40 bis 50 Milliarden Euro voraussetzen.

Dass dann die Bundeskanzlerin diesen Wink mit dem Zaunpfahl gerne aufgreift und den Regulierungsbehörden zwar keine Sommerferien aber zumindest eine verlängertes Wochenende vorschlägt, damit die DTAG ihr Investment jenseits aller regulatorischen Bemühungen auch wieder am Markt einspielen kann, das steht noch nicht in der im Zug vorliegenden Ausgabe, die ja ausdrücklich mit dem Hinweis: „Redaktionsschluss 14:00 Uhr“ versehen ist. Und dass sie gleich mehrfach auf ihr Einverstandensein mit der Justiz-Ministerin verweist verweist ist offensichtlich auch ihrem Bestreben geschuldet, an ihrem ureigensten Wahlkreis im Hessischen möglichst gut punkten zu können. Denn, wie sie abschliessend nochmals alle Anwesenden mit hoch erhobenen Zeigefinger wissen lässt: Als eine Vorwegnahme über die Entscheidung zur Fortsetzung einer grossen Koalition sei das noch in keinem Falle zu deuten.

Zurück also zu unserem Panel, über das eigentlich hier online hätte berichtet werden sollen. Nur wer die Hintergründe weiss es und kann sich einen Reim darauf machen, warum sie sich hier mit den vier oben genannten Männern aufs Podium gesetzt hat und selber Sprach-Regie führt.Ihr gelingt dieser „Ritt über den Bodensee“ und sie versteht es, trotz der Rolle als Moderatorin, auch eigene „staatstragende“ Positionen durchaus geschickt ins Spiel zu bringen und dieses ebenso routiniert wie spontan zu tun. So sehr sie dabei auch über ihre neue Rolle flachst und eben damit sogleich auf geschickte Art und Weise klar macht, dass Sie noch sehr viel mehr kann als moderieren lässt sei sogleich durchblicken, dass sie – wenn sie eines Tages mal nicht mehr Ministerin sein würde – auch auf dem blauen Sofa auf der Frankfurter Buchmesse eine durchaus gute Figur machen würde.

Soweit, so gut. Aber, wo Licht ist, ist auch Schatten. Denn, so praxisnah und undogmatisch das Gespräch auch geführt werden konnte: Eigentlich hatte man das Thema verfehlt. Was in dieser guten Stunde zur Sprache kam das waren die Spuren, die von einer Person im Netz hinterlassen werden, durch sie selbst oder aber durch die Funktionsweise sammelwütiger Algorithmen. All die angesprochenen Aspekte hatten auch durchaus ihre Berechtigung. Allein sie waren allesamt aus der Jetztzeit heraus gesehen und eben im Grunde nicht aus der Position jenes Jungen, der da in dem Szenarium der Moderation eingeführt worden war.

Anders gesagt: was in dieser Stunde verhandelt wurde, das war eben nicht das Für und Wider, das Pro und Contra in Bezug auf eine digitale Persönlichkeit, sondern in Bezug auf die Widerspiegelung einer Person in der digitalisierten Welt. Die Frage nach einer „Digitalen Persönlichkeit“ wurde gar nicht gestellt – weil man sich eine solche Repräsentation eines Menschen als sein Alter Ego im Digitalen Raum noch gar nicht wirklich hat vorstellen können? [2]

Dabei wäre es zu kurz gegriffen, wenn aus dieser Forderung die Ableitung zurückgewiesen werden würde, dass seit dem Niedergang on Second Life sich das Thema der Avatare doch zunächst einmal erledigt hätte. Mit der Digitalen Persönlichkeit ist auch, aber viel mehr gemeint als ein Avatar. Es ist die Projektion des Menschen – und nicht nur der jungen Menschen – in eine virtuelle Welt der Identitäten, die wir auch schon im Buch, auf der Mattscheibe, im Radio und vor allem seit langem schon im Kino vorgestellt bekommen haben: Mit dem neuen und entscheidenden Unterschied, dass dieses alte Motiv von der Aufhebung der Barriere zwischen Zuschauer und Darsteller inzwischen nicht länger nur Darstellung der Karikatur oder in der Werbung ist, sondern schon heute mehr und mehr zur Realität geworden ist.

Die Digitale Persönlichkeit ist bereits heute „den Kinderschuhen entwachsen“, zahlungsfähig und justiziabel. Sie ist nicht länger nur die Chimäre einer für bigott gehaltenen Welt, ist so wahr wie sie ihr Pendant in Fleisch und Blut warhnimmt. Wer erinnert sich nicht an das Staunen und Raunen, als der Microsoft Chef Balmer auf der CeBIT 2008 die seit langem bekannte Tatsache als eine für viele hier neue Nachricht propagierte, dass viele der Freunde von Kindern aus seiner Umgebung Persönlichkeiten seien, die die Kinder noch nie im realen Leben gesehen hätten. Auch wenn dieser, der eigentliche Aspekt und Wert dieser Diskussion an diesem Tag heute überhaupt nicht zur Sprache gebracht wurde, so bedeutet das nicht, dass es ihn nicht geben würde.

Nachdem nicht nur der Bitkom, sondern auch die Kanzlerin an diesem 20. November 2008 zugesagt haben, dass auch im Wahljahr 2009 diese Themen – neben der CeBIT – auch weiterhin auf die Höhen eines weiteren Gipfels gebracht werde sollten, wäre es vielleicht gut wenn es gelänge, dieses Thema noch einmal aufzugreifen – und als Querschnittsthema auszurollen. Vielleicht sogar mit dem gleichen Titel, aber dann mit einem Personal, das diese „Neue Denke“ bereits er-lebt und bereit und in der Lage ist, dieses auch vermitteln zu können.

PS. Und so führt auch dieser Zusammenbruch von Netz und/oder Technik dazu, dass dann doch wieder etwas ganz anderes, neues entstanden ist. Anstatt in der Rolle des Protokollanten zu verharren, wächst der Blick über den Tag hinaus – und wendet sich von daher dann doch wieder dem Thema zu. Den Impetus dazu gab – einmal mehr – dieses gerade aktuell mehr oft genug allfällige „aus der Krisen eine Chance machen“.
Aber es waren auch eine Reihe von persönlichen Assoziationen, in der sich die eigene Geschichte mit der des „Max“ hätte in Übereinstimmung bringen lassen: vom eigenen Rufnamen „Maxi“ über die gemeinsame Arbeit und engen Freundschaft mit Robert (Bob) Jungk bis hin zu einem ebenso spannenden Berufsfeld in dem es von der Digitalisierung der der Welt der Informations- und Kommunikations-Technologien bis hin zur Frage geht: „Was kommt nach der Digitalisierung“?
Last, but by all means least, sei an dieser Stelle auch ein grosser Unterschied festgehalten: Im Verlauf der Diskussion kam immer wieder der Hinweis „das Internet“ würde nichts vergessen. Es sei keineswegs sicher, ob die Fotos von dem Trinkgelage mit Freunden nicht doch irgendwann nach Jahr und Tag als belastende und kompromittierende Zeitzeugnisse gegen einen verwendet werden könnten. Als jemand, der sich glücklich schätzen kann, seit langem mit seiner zweiten ersten Leber sich bester Gesundheit zu erfreuen soll hier in aller Offenheit und klipp und klar gesagt werden: Nein, da gibt es nichts zu bereuen und zu verstecken. „DaybyDay“ legt davon Zeugnis ab. Tagtäglich.

12.30-13.00 Uhr Pressekonferenz
Presselounge

- Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie
- Prof. Dr. Dr. h. c. mult. August-Wilhelm Scheer, BITKOM-Präsident

14.10 Uhr Abschlussplenum
Kongresssaal Spectrum

Es sprechen:


© all rights reserved

- Prof. Dr. Dr. h. c. mult. August-Wilhelm Scheer, BITKOM-Präsident
- Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin


© all rights reserved
 [3]

15.00 Uhr Gelegenheit zum Networking


© all rights reserved

16.00 Uhr Ende der Veranstaltung


Hier je drei/zwei PDF-Dokumente,
die im Vorfeld dieses "Gipfels" bereitgestellt wurden:

PDF - 997.1 kB
ePerformance Report 2008
IKT-Standort Deutschland im europäischen Vergleich

 [4]

PDF - 72.6 kB
3rd ePerformance Report 2008
Management Summary in English

- Zukunft & Zukunftsfähigkeit der deutschen Informations- und Kommunikationstechnologie

PDF - 6.6 MB
Zukunft der IKT in Deutschland

Online:

- Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft 2008, Management Summary (deutsch) (2,8 MB)

- 11. Faktenbericht 2008. Eine Sekundärstudie der TNS Infratest Business Intelligence (10 MB) [5]

Anmerkungen

[1Ausserdem ist es möglich sich auf dem umfangreichen sogenannten "offiziellen Gipfelblog" umzusehen - auch wenn die Formulierung an sich schon zeigt, was von der sogenannten Blogger-"Kultur" eigentlich noch übriggeblieben ist. Viele formale und gut gemachte Elemente wurden für den eigenen Bedarf adaptiert, doch ist in den Kommentarspalten selbst am Morgen des Folgetages noch weitgehende "tote Hose" - ganz nach dem Motto: Stell Dir vor, die Polilik bloggt, und Keiner schreibt was hin...
Selbst auf das Grusswort der Kanzlerin zum IT-Gipfelblog
Im IT-Gipfelprozess ziehen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an einem Strang. Gemeinsam geht es uns um eine weitere Stärkung der Leistungsfähigkeit des IT-Standorts Deutschland im internationalen Wettbewerb. Wir wollen weltweit Spitze sein: bei der Entwicklung des Internets der Zukunft, bei der Forschung für Innovationen und Anwendungen wie etwa der intelligenten Mobilität, bei innovativer Breitbandinfrastruktur, bei verbraucherfreundlichen Technologien und bei einem sicheren und nutzerfreundlichen E-Government.
findet sich auch 24 Stunden danach noch kein einziger Eintrag. Dabei kann dieser Blog auch direkt von der Regierungonline-Seite aus aufgerufen werden.
Um auch eine andere Sicht der Dinge zum Tragen zu bringen, hier nochmals ein Artikel aus der "netzeitung" vom 28. Oktober 2008, 16:06 Uhr, der unter dem Titel: IT-Gipfel mit eigenen Videos beeinflussen publiziert wurde.

[2Gerade von meinen „Brüdern im Geiste“ Sascha und Stefan hätte ich mir an diesem Punkt eigentlich etwas mehr erwartet, während die Vertreter aus der Wissenschaft und dem Versicherungsgewerbe da zum Teil viel genauer in die Zukunft – die heute schon begonnen hat – zu schauen vermocht hatten.

[3Der Untertitel unter diesem Bild lautet: "Auf der Bühne - unter Frauen". Im "Gegenschuss" dazu ein Bild, das vor dem Betreten des Festsaals von einer offiziellen Fotografenposition entstand und den Titel trägt: "Im Alltag - unter Männern"
© all rights reserved

[4O-Ton BMWI:
Im "3. ePerformance Report 2008 - IKT-Standort Deutschland im europäischen Vergleich" wird erstmals ein Vergleich der bevölkerungsreichsten Länder Europas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien) vorgenommen. Hinzu kommen Vergleiche zu den USA, China, Indien oder weiteren ostasiatischen sowie osteuropäischen Staaten. Ergänzt wird die Darstellung der 26 Kernindikatoren durch Prognosen, die wenn möglich, die Entwicklung bis zum Jahr 2011 darstellen.
Die deutsche Informationswirtschaft hat im letzten Jahr ihre gute Position in Europa gefestigt. Deutschland liegt bei der ePerformance im Jahr 2007 im Vergleich der fünf bevölkerungsreichsten Länder Europas (Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien) an zweiter Stelle und hat den Abstand zu Spitzenreiter Großbritannien deutlich verringert. Das Monitoring zeigt aber auch, an welchen Stellen noch Handlungsbedarf besteht und über welche Optionen wir in den kommenden Jahren verfügen
.

[5O-Ton BMWI:
Der 11. Faktenbericht 2008 zum Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft 2008 beinhaltet ein umfassendes Paket von Indikatoren und Zeitreihen zur Informationswirtschaft, zu den infrastrukturellen Vorraussetzungen sowie zu den aktuellen Anwendungsfeldern moderner Informations- und Kommunikationstechnologien.


 An dieser Stelle wird der Text von 22124 Zeichen mit folgendem VG Wort Zählpixel erfasst:
5392d6e3b624b86c5e1e7f67f92a5b