400 Milliarden Verspreche(n)/(r)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 45 Minuten

 

Sowohl das Wirken des Norbert Lammert als Kommentator der Medien"kultur" als auch seine öffentlichen Versprecher in seiner Rolle als Parlamentspräsident waren bereits Gegenstand von "DaybyDay" [1].

Inzwischen hat sich aber vieles geändert - und doch auch wieder nicht: _ In einem Vorabbericht zu einem Interview in der Berliner Zeitung [2] hat sich Lammert für die Öffnung der Bíbliotheken auch an Sonntagen eingesetzt [3] und so erleben wir ihn einemal mehr als den wackeren Vorkämpfer für die kleinen wichtigen Dinge, die die Kultur im Grossen und Ganzen l[i]ebenswerter machen könnten.

Aber auch der Hang zum (allzu zu-)treffenden lapsus linguae hat angehalten. Und heute bleiben uns diese keinen einzigen Moment mehr nachdem sie geschehen sind verborgen - und werden sofort öffentlich zitiert:
in den Blogs [4]
aber ebenso in der offiziellen Presselandschaft, Online wie als Print:

- SPEIGEL ONLINE macht im dem Text von Carsten Volkery und Severin Weiland mit diesem ersten Absatz auf:
Gerade hatten die Abgeordneten des Deutschen Bundestags ihre Stimmzettel in die Urnen geworfen, da sorgte Bundestagspräsident Norbert Lammert für Heiterkeit. "Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszahlung zu beginnen", sagte der CDU-Politiker.
"Auszählung" hatte er gemeint, doch der Versprecher traf die Stimmung fast noch besser. Seit Tagen geht es in Berlin nur noch um Geld, um viel Geld. Die ganze Woche stand im Zeichen des 480 Milliarden Euro schweren Rettungspakets für den Finanzmarkt: Innerhalb von fünf Tagen wurde es durch Kabinett, Parlament und Bundesrat gebracht. Am Freitag wird noch ausgezählt, ab Montag dann kann ausgezahlt werden.
 [5]

Und heute, am Sonnabend, den 18. Oktober 2008, ist dieser Versprecher sogar bebilderter Gegenstand auf der Seite Eins der FAZ in den Kiosken:


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Herzlich grüßt Sigmund Freud
Versprecher: Am Freitag, als der Bundestag mit dem Bankenrettungsplan das potentiell teuerste Gesetz seiner Geschichte verabschiedete, bat Parlamentspräsident Lammert nach der Abstimmung "die Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszahlung zu beginnen".

Anmerkungen

[2Das "Gespräch mit Bundestagspräsident Norbert Lammert über Vertrauen in Zeiten der Krise des Kapitalismus" mit Holger Schmale und Tom Röhricht kann Online unter der Adresse: http://www.berlinonline.de/berliner... nachgelesen werden; die hier weiter unten zitierte Passage findet sich darin allerdings nicht wieder...

[3Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) beklagt, dass öffentliche Bibliotheken nach geltender Gesetzeslage sonntags nicht öffnen dürfen. „Das Arbeitszeitgesetz muss öffentliche Bibliotheken wie andere Kultureinrichtungen und nicht wie Gewerbebetriebe behandeln“, forderte Lammert in der „Berliner Zeitung“ laut Vorabbericht.

Mit der Arbeitszeitordnung würden öffentliche Büchereien aus dem Kreis der Kultureinrichtungen ausgegliedert, für die dieses Gesetz nicht gelte, sagte Lammert. Die einschlägigen Gesetze stellten sicher, dass man am Sonntag zwar ins Museum gehen, Konzerte, Oper und Theater besuchen könne - aber keine öffentlichen Bibliotheken. „Die werden behandelt wie Autowaschanlagen, die an Sonn- und Feiertagen vielerorts auch nicht betrieben werden dürfen. Das finde ich grotesk“, sagte Lammert. Nicht einmal an sogenannten verkaufsoffenen Sonntagen sei das erlaubt. „Da darf sich zwar der Konsumrausch kräftig entfalten, aber die Bibliotheken nicht. Das ist Unsinn“, sagte Lammert. In einigen Bundesländern, darunter in Bremen, gebe es bereits Initiativen zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes. Diese wolle er auf Bundesebene gern unterstützen.
So die Mittelbayerische Zeitung in ihrer Meldung vom vom 10. Oktober 2008, 08:56 Uhr

[4Zum Beispiel bei
- equinox-net.de
Eigentlich wollte ich mich nicht zur sogenannten “Finanzmarktkrise” äußern, weil das, was da zur Zeit abgeht, selbst für den allergrößten Deppen so offensichtlich ist, daß sich jeder Kommentar erübrigt.
Aber manchmal führt eine gewisse Situationskomik dazu, daß sich die eigentlichen Absichten derjenigen, die uns nur zu unserem Besten regieren, in ungewollter Weise offenbaren.
Als heute im Eilverfahren ein “Gesetz” als “Rettungspaket” für die Banken durch die Instanzen gepeitscht wurde, das gelegentlich als “500-Milliarden-Euro-Blankoscheck” bezeichnet wird, unterlief dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert ein klitzekleiner Fehler. Eigentlich wollte er ja den Beginn der Auszählung der Stimmen ankündigen, aber wirklich gesagt hat er dann:
“Lassen Sie uns mit der AUSZAHLUNG beginnen.”
Mit diesem Freudschen Versprecher par excellance wurde Sinn und Inhalt des Bankenpakets brillant in einem Satz zusammengefaßt. Danke, Norbert …


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