BE(gleitservice)BERLIN | FLEE T(ee)V(weh)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 42 Minuten

 

Gerade erst am Freitag letzter Woche hatten wir in "DaybyDay" wieder einmal die Berliner Zeitung am Wickel, da ihr Online-Angebot, das deutlich von dem Print-Angebot abweicht, so tut, als ob es dennoch das Gleiche - oder ihm zumindest möglichst ähnlich - sei.

Heute nun kommen wir sogleich nochmal auf diese Zeitung und einen Artikel von Peter Neumann zurück.

Unter der Überschrift "Anruf genügt" ist davon die Rede, dass ab sofort die Fahrgäste der BVG und aller S-Bahnen einen kostenlosen Begleitservice in Anspruch nehmen können, um in Berlin sicher von "A" nach "B" zu kommen.

Da bis zum Ende vergangener Woche weder im Pressebereich der Website der BVG noch der S-Bahn davon die Rede ist, erklären wir hiermit den hier übernommenen Text zu einer Presse-Erklärung der feineren Art, die im allgemeinen öffentlichen Interesse ist und schon von daher der Multiplikation bedarf, die über den Tag hinausgeht.

Das gibt es nur in Berlin: Fahrgäste können ab sofort einen Begleitservice in Anspruch nehmen. Eine Servicekraft kommt zur Wohnungstür, bringt den Fahrgast ans Ziel und zurück. Sie sucht eine Verbindung aus, hilft beim Fahrscheinkauf und beim Umsteigen.

Das zunächst auf zwei Jahre befristete Angebot richtet sich an Senioren, Rollstuhlfahrer und andere Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind - sowie an all jene, die im Nahverkehr Unterstützung und Orientierung benötigen. Auch Reisende mit Kinderwagen oder Gepäck können es nutzen.

"Der Service steht jedem kostenlos zur Verfügung. Ein Nachweis ist nicht erforderlich", sagte Hans-Werner Franz, Chef des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Er stellte den "Bus & Bahn-Begleitservice" am Freitag mit Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) vor.

Wer sich begleiten lassen will, ruft spätestens am Tag vor der Fahrt beim Verkehrsverbund die Telefonnummer 25 41 44 14 an - montags bis freitags zwischen 9 und 16 Uhr. Vor der Fahrt wird der Termin per Telefon bestätigt und mitgeteilt, wie der Begleiter heißt. Der Begleitservice wird montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr angeboten. Das Einsatzgebiet umfasst Berlin und die Strecken nach Schönefeld.

"Auch Touristen können sich begleiten lassen", sagte Knake-Werner. Für alle Nutzer gilt aber, dass sie in der Lage sein müssen, den gebuchten Weg auch zu bewältigen. Der Begleitdienst ersetzt den Sonderfahrdienst Telebus nicht - und könne die dort erfolgten Einsparungen auch nicht ausgleichen, wie die CDU kritisierte.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis der europaweit einmalige Service die Arbeit aufnehmen konnte, so Franz. Das Geld kommt zu drei Vierteln vom Bund, der Rest vom Land und der Europäischen Union. Das Projekt gehört zum "Öffentlichen Beschäftigungssektor", der Langzeitarbeitslosen neue Chancen gibt. 25 Begleiter sind im Einsatz. Am Jahresende sollen es 50, künftig 75 sein. Sie verdienen 1 300 Euro brutto im Monat.

"Ich bin froh, dass ich dabei bin, weil ich gern mit Menschen umgehe", sagt Klaus Sagwitz aus Friedrichshain-Kreuzberg. Einst projektierte der Ingenieur Heizungs- und Sanitäranlagen - jetzt entdeckt der 61-Jährige in der roten Jacke Berlin neu. Ihm fällt auf, wie viele Aufzüge auf den Bahnhöfen kaputt sind. Eine Testfahrt führte Sagwitz nach Köpenick zum Müggelschlösschenweg: "Da war ich noch nie gewesen. Ich dachte, die Welt ist zu Ende."

Nachdem ja gerade in diesen letzten Tagen die Verdoppelung der Berlin-Image-Kampagnen und insbesondere die 10 Millionen für "be berlin" mehrfach und öffentlich bemängelt worden ist, ist dieses doch ein ansprechendes Beispiel dafür, wie dieses Motto ganz praktisch und von allgemeinem Nutzen umgesetzt werden kann.

PS.


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Und gleich noch eine quasi-Presse-Erklärung - aus aktuellem Anlass - das in FAZ-NET unter dem Titel: „Ich konnte es nicht mehr aushalten“ publizierte Interview mit Marcel Reich-Ranicki.

Und hier - aus gleicher Quelle - die Begleitmusik von Elke Heidenreich [1]

Und hier das am Montagmorgen im Deutschlandfunk ausgestrahlte Interview von Michael Köhler: [2]

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/...