Schwarzer Freitag

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 41 Minuten

 

So titelt die "Berliner Zeitung" den Rückblick auf diesen Tag auf der Seite 1 ihres Blattes.

Dokumentieren kann man das aber nur, indem man diese erste Seite scannt oder fotografiert. Im Internetauftritt wird stattdessen getitelt: "Aktienmärkte im freien Fall".

Gewiss, diese Online-Seite sieht zwar jetzt etwas "frischer" aus im Design. Dafür aber ist die Werbung umso forscher geworden. Die Aussage aber, dass es sich bei dieser Online-Ausgabe um die Darstellung der "Artikel der heutigen Zeitung" handeln würde ist - zumindest - irreführend.

Dabei mag es gut und richtig sein, die Online-Ausgabe ganz und gar anders zu gestalten und zu betexten als die Print-Ausgabe. Das geht völlig in Ordnung. Aber was nicht geht, dass ist, noch so zu tun, als ob man Online das Gleiche zu Gesicht und als Lektüre vorgesetzt zu bekommen, was am Kiosk über den Tresen geht. [1]

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BLZ & FR über den 10.10.2008
Die "Berliner Zeitung" vom 11.10.2008 vor dem Hintergrund der "Frankfurter Rundschau" vom gleichen Tag.

All diese Anmerkungen nur deshalb, da eigentlich geplant war, die abonnierte Ausgabe von der Seite eins zu zitieren und den Hinweis auf den schwarzen Freitag mit einer eigenen Formulierung zu paraphrasieren und zu sagen, dass spätestens in dieser Woche klar geworden sei, dass die "Schwarzen" dort bereit sind weiterzumachen, wo die "Roten" schon vor langer Zeit aufgegeben haben: mit der möglichen Verstaatlichung der Banken.

Denn, dass dieser Titel sein Berechtigung hat, dazu als Beleg ein Auszug aus dem FTD-Bericht von Sven Lilienthal aus Frankfurt vom gleichen Tage: "Auf Wochensicht ergibt sich eine erschreckende Bilanz: Der Dow Jones und der S&P 500 verloren in diesem Zeitraum mehr als 18 % - so stark wie noch nie in der Geschichte der Wall Street. Selbst in den Wochen um den "Schwarzen Freitag" im Oktober 1929 hatte der Dow prozentual nicht mehr verloren. Der Tech-Index Nasdaq Composite sackte vergangene Woche um 15 % ab. "

Also: wenn schon eine Online-Zeitung aus dieser Verlagsgruppe, dann lieber die Netzeitung. Darin kann man zumindest auf deren Online-Seite Eins die Wiedergabe eines AP-Berichtes lesen, wonach auf den Stimmzetteln für die Präsidentschaftswahlen in einem Stimmbezirk des Staates New York der Nama des Bewerbers der Demokraten Barack Obama durch einen Schreibfehler in "Barack Osama" vertauscht worden ist.

In der Tat: eine nettes Stückchen Wahrheit aus dem Tollhaus. Aber warum ist nicht zu erfahren, in welchem Wahlbezirk und warum ist kein Faximile dieses Wahlzettels zu sehen? Solch ein Online-Journalismus aus zweiter Hand ist schlimmer als eine gute Printausgabe aus erster Hand!

Dabei sind die Quellen schnell identifiziert: Es geht um etwa 300 sogenannten "absentee ballots", also Briefwahlscheine die in der Region Rensselaer County versandt worden waren. [2].

Die erste Quelle, die darüber berichtet hat war Bob Gardinier von der "Albany Times Union". [3]

Und bei MSNBC ist von einem Telefongespräch mit den beiden Wahlleitern, dem Demokraten Edward McDonough und dem Republikaner Larry Bugbee die Rede, die am liebsten die Uhr zurückgedreht hätten, um diesen "unfortunate human error", diesen "very unfortunate [...] embarrassment to our office" ungeschehen zu machen.

Und so wurde an diesem "schwarzen Freitag" im Staate New York der Wahlzettel nachgedruckt und erklärt, dass sowohl die Abstimmungen auf dem Fehldruck als auch auf dem Nachdruck als gültig erklärt werden würden.

Und Blake Zeff, Obamas Pressesprecher ergänzte: " “glad officials are working to correct this error and we assume it won’t happen again.”

PS.: Ralph C. Sparks aus Nevada schrieb am 28. Januar 2008 auf yelp.com folgenden "Jumper Restaurant" Dialog:

"I’m hungry. What is wrong with America?"
"Let’s go to Claim Jumper - I don’t know what’s wrong with America."
"I’m voting for Brack Osama - he looks nice!"
"Well, I’m voting for Barbara Bush - looks promis.... wait, did you say you’re voting for Jesse Jackson?"
"No, moron. I’m voting for Wenzel Dashington."

Anmerkungen

[1Dass dieses durchaus geht, zeigt vielleicht am besten das kostenpflichtige Print-Archiv der Financial Times Deutschland, das für die Abonnenten der FTD schon immer kostenlos war und bis dato auch geblieben ist.

[2Die Destinationen waren: Brunswick, Nassau, Sand Lake, Schaghticoke, Schodack

[3Und in den USA ist offensichtlich möglich, was hier in Deutschland unter Androhung von Sanktionen verboten ist: die Übernahme des Artikels in anderen Quellen. So etwas auf die "LATEST NEWS"-Seite von Michael Moore.
Moore hatte sich bereits Mitte April 2008 öffentlich auf seiner Website auf die Seite Obamas geschlagen.
Das war etwa zum gleichen Zeitpunkt, als in einem Werbe-Wahlspot der Demokraten als historische Bedrohungen der USA gleich zu Anfang die Zeitungsschlagzeile "STOCK MARKET CRASHES" gezeigt wurde - mit dem Voice-Over "It’s the toughest job in the world" - als auch Filmaufnahmen mit Osama bin Laden:


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