National-Feier-Frei-Tag

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 2. Mai 2015 um 14 Uhr 44 Minuten

 

I.
Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Tag_der_Deutschen_Einheit

RAGNARÖK ONLINE europe
http://www.euro-ro.net/news/de/02874/

MEYERS Lexikon Online
http://lexikon.meyers.de/wissen/Tag+der+Deutschen+Einheit+(Sachartikel)

ROCARDS community
http://forum.onlinetales.de/index.php?page=Thread&threadID=104121

II.

Es ist schon mehrfach an diesem Tag darüber diskutiert worden, warum dieser Nationalfeiertag auf den 3. Oktober gelegt worden ist und nicht auf den 9. November. Denn an diesem Tag gibt es eindeutig die meisten Bezüge zu ganz unteschiedlichen Momenten in der Geschichte dieses Landes, insbesondere
- die Ausrufung der Republik im Jahr 1918,
- den "Marsch auf die Feldherrnhalle" (auch "Hitler-Putsch" genannt) im Jahr 1923,
- die sogenannte "Reichskristallnacht" im Jahr 1938,
- die Öffnung der Berliner Mauer im Jahr 1989.

III.

Aus den schier unzähligen privaten veröffentlichten Einträgen zu diesem Thema als pars pro toto ein Eintrag von und in "SPRACH-LOS" vom August des Jahres 2007:

Warum sind wir so feige? Seit 1990 ist der 3. Oktober „Der Tag der Deutschen Einheit“. Man könnte diesen Tag auch „Nationalfeiertag“ nennen, aber so heißt er nicht. Für einen Nationalfeiertag sind wir zu feige. Als ob wir keine Nation wären, wenn auch die Spätgeburt unter den Nationen!

Nein, nicht wir sind zu feige, sondern unsere Politiker. Am 3. Oktober 1990 wurde die „Wiedervereinigung“ sozusagen standesamtlich. Aber das wirklich große Ereignis fand ein Jahr früher statt, am 9. November 1989. Da fiel die Mauer. Da wurde aus zwei Deutschlands wieder ein Deutschland.

Nein, es waren nicht die Politiker, die das erreicht hatten, es waren die Namenlosen, die in Leipzig Montag für Montag zeigten, dass sie das Volk seien. Und sie waren es dann auch. Dass ihr Erfolg auf den 9. November fiel, war der Politik peinlich.

Da war ja noch etwas anderes geschehen am 9. November anderer Jahre: Das Judenpogrom am 9. November 1938, die „Reichskristallnacht“. Der „Marsch auf die Feldherrnhalle“ des Herrn Hitler am 9. November 1923. Der Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs am 9. November 1918.

Der 9. November – ein Schicksalstag der Deutschen. Der Tag, der es verdient hätte, deutscher Nationalfeiertag zu werden. Der Tag, an dem sich eine Nation zu sich selbst hätte bekennen können, mit allem Für und Wider.

Stattdessen hieß es am 3. Oktober 1990 spröde, aber politisch korrekt: „Die Volkskammer erklärt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990.“ [1]

IV.

Und es gibt weitere Zusammenhänge:
- den "Heldengedenktag" in Erinnerung an die Opfer des »Marsches auf die Feldherrnhalle« die mit den Gefallenen des ersten Weltkrieges in einer Reihe aufgestellt werden sollten seit dem Jahr 1934
- das Attentat auf Hitler (von Georg Elser) im Jahr 1939

V.

Und es gibt weiter Zusammenhänge, auf die Sven Felix Kellerhoff, Reporter für Zeitgeschichte in der "WELT DEBATTE" des Jahre 2007 [2] aufmerksam macht:
- die Erschießung des Revolutionärs Robert Blum im Jahr 1848
- der Selbstmord des RAF-Gefangenen Holger Meins durch Hungerstreik im Jahr 1974

Während Alan Posener, Kommentarchef der WELT am SONNTAG erwidert: Feiern wir weiter am 3. Oktober.
Sein letztes Argument: "Das Wetter ist übrigens am 3. Oktober in der Regel viel schöner als am 9. November. Daran wird der Klimawandel nicht so schnell was ändern. Und Bratwurst, Ballons, Hüpfburgen und Popkonzerte genießen sich viel besser in der frühherbstlichen Sonne als im vorwinterlichen Nebel."

Da Capo, Posener: "Bratwurst, Ballons, Hüpfburgen und Popkonzerte". Eben darum die Entscheidung, an diesem ganz und gar grauen Frei-Tag-Morgen diesen Text zu schreiben. In dieser nach dem Herren Kant genannten Strasse. Zur Linken der Büros mit einer Gedenktafel an den Standort der Redaktion der "Weltbühne", zur Rechten mit einer Gedenktafel an die erste Currybude. Aber der Tag ist ja noch lang und die Sonne mag sich ja noch zum Mittag einstellen...

PS.

Leserkommentar: Jetzt bekommt der Tag der deutschen Einheit doch noch einen zusätzlichen Sinn - seit dem Dammbruch in Bayern und der Intergration der CSU in die deutsche Parteienlandschaft.

Anmerkungen

[1Und auch mit der nachfolgend zitierten Meinung steht der Autor nicht alleine da, wenn er schreibt:

Ich ärgerte mich nur nach der Vereinigung der beiden deutschen Kunststaaten zu einem Staat wieder, dass dieses „Deutschland, Deutschland über Alles…“ die Nationalhymne sein sollte, was sie ja auch geworden ist. Das ging mir genau so gegen den Strich wie der 3. Oktober als Nationalfeiertag, an dem Politiker so taten, als hätten sie alles das bewirkt, was in Wirklichkeit das namenlose Volk erreicht hatte.

„Auferstanden aus Ruinen…“ von Brecht und Eisler fand ich viel passender. Aber Brecht, Eisler, die DDR? Nein, das ging nicht. Das ging genau so wenig, wie den 9. November zu akzeptieren.


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