Was kommt - was bleibt

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 37 Minuten

 

Der Besuch der Medientage in Wien - und damit auch ein Bericht aus diesem Anlass - muss leider entfallen.

Stattdessen sei hier auf ein Interview mit dem ehemaligen Chef des SFB verwiesen, unter dessen Ägide der Sender "radio multikulti" ins Leben gerufen werden konnte.

Anlass ist die Entscheidung, zusammen mit dem Fernsehmagazin „POLYLUX“ auch die Radio-"Welle" radiomultikulti zum 31. Dezember des Jahres 2008 einzustellen.

Wenn Berlin auf dem öffentlich-rechtlichen Sektor überhaupt etwas innovatives zu bieten hat(te) dann diese von Tita von Hardenberg und Ilona Marenbach verantworteten Programmangebote.

- "Wir danken ihr für viele schräge Einfälle und den Blick auf die komischen und verrückten Seiten Berlins. Gern hätten wir ‚POLYLUX’ weiterhin für das ERSTE produziert."
Originalton rbb Fernsehdirektorin Dr. Claudia Nothelle

- "die Chefredakteurin von Ilona Marenbach und ihr Team machen ein inspiriertes, interessantes und engagiertes Programm. Wir hätten es gern erhalten."
Originalton rbb Hörfunkdirektor Christoph Singelnstein

radiomultikulti ist am 18. September 1994 gestartet und hat derzeit im Schnitt knapp 40.000 HörerInnen

Auf diese Zahl angesprochen, sagte Günther von Lojewski im Tagesspiegel-Interview mit Joachim Huber vom 23.09.08:

"Ich habe Zweifel an der Erhebungsmethode. Bis heute sind doch die fremdsprachigen Haushalte, die Radio Multikulti insbesondere ansprechen will und muss, in den Befragungen nicht qualifiziert erfasst. Allein das setzt hinter dem veröffentlichten Marktanteil ein großes Fragezeichen. Klar ist: Nur ein öffentlich-rechtlicher Sender kann ein derartiges Programm betreiben, ein kommerzieller wird es nie schaffen." [...]
"Wir liefen beim Sender Freies Berlin auf ein Negativkapital von 160 Millionen Mark zu, und unser Etat war halb so groß wie der des RBB heute. Trotzdem haben wir uns ein Programm wie Radio Multikulti leisten können und wollen. Natürlich ist uns das auch gelungen, weil wir beim damaligen Sozialminister Norbert Blüm betteln gegangen sind. Dann kamen noch Gelder von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg dazu. Es brauchte schon Initiative und Phantasie für das Betreiben eines solchen Radioangebots. Ich kann mir nur schwer vorstellen, warum diese öffentlich-rechtliche Aufgabe nicht weiterhin eine öffentliche sein soll."

Nachtrag vom 28.09.08:

In einem Leserbrief stellt der Unternehmenssprecher des RBB,Ralph Kotsch, klar, dass, im Gegensatz zur damaligen Unternehmensführung:

"Die RBB-Geschäftsleitung [...] angesichts des Etatlochs von 54 Millionen Euro weder Schulden machen, noch zum Staat betteln gehen, sondern konsequent sparen" werde. Das sein "ein schmerzhafter Prozess, aber ein Gebot seriösen Wirtschaftens".

Nachtrag vom 18. 11.08:

Mit seinem Programm und der Verleihung des Multimedia-Awards www.hundertsekunden.de haben Redaktion und Publikum im vollen Haus der Kulturen der Welt gezeigt, was "user generated content" im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Programmauftrages heute zu leisten vermag.

Es wird daher darüber nachzudenken sein, ob und wie es weitergehen könnte:

Dazu folgendes Gedankenspiel...

- am 18. September 2009 ist das 15. Gründungsdatum des Senders

- am 19. September 2009 ist das 52. Gründungsjahr der Kongresshalle

- am 28. August [1] 2009 wurde der Offene Kanal Berlin vor 25 Jahren aus der Taufe gehoben

... und die Überlegung, das Ganze zu diesem Zeitpunkt noch einmal wieder aufleben zu lassen. Vielleicht auch in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal in Berlin und all den anderen Bürgersendern, und jenen TV-Formaten der zweiten Generation, die sich inzwischen gegründet haben: von okoto.tv in Österreich bis current.tv in den USA?!

Anmerkungen

[1Das Datum wird derzeit noch geprüft - WS.


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