EU.TV

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 35 Minuten

 

Nein, "EU.TV" ist nicht der Name des an diesem Tage neu gestarteten, von der Europäischen Kommission verantworteten Internet-"Senders" EuroparlTV.eu, auch nicht "EuTV.eu" oder "EuroTV.eu". Der jetzt öffentlich gemachte Name und Sender "Europarl" ist zwar ein schöner Doppelsinn im Konnotationsfeld der Worte Parlament und Parlieren, aber wirklich prickelnd ist dieser Titel nun wahrlich nicht. Und wenn man sich die erste Aufzeichnung der ersten Berichterstattung von der Eröffnungsveranstaltung ansieht, dann mag dieses sein, was es ist: aber keine TV-Programm. [1]

Schade drum, nach drei Jahren Vorarbeit, die Kulturkommission brütete über dieses Projekt sogar schon vier Jahre nach, hätte man sich wirklich auch um das Handwerkliche, das "nitty gritty" eines solchen ersten Auftritts etwas mehr Gedanken machen und dafür die richtigen Leute hinzuziehen sollen.

Denn man ist ja nicht erst seit dem YouTube-Zeitalter dabei, die Europäische Union mit den Mitteln der Audiovision in ein gutes Licht zu rücken. Allerdings war die bisherige Zielgruppe vor allem die der professionallen Anbieter und Weiter-Verwerter solcher Programmangebote.


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Das Projekt des "Europe by Satellite" TV Informationsdienstes wurde bereits Mitte der neunziger Jahre etabliert und soll noch in diesem Jahr um den EBS+ Dienst erweitert werden.

Weiterhin gibt es bereits die eu4journalists.eu - Seite, die sich ebenfalls vornehmlich an die sogenannten "media professionals" wendet.

"Neu" war zunächst nur, dass man diese Angebote an diese Zielgruppe auch auf "YouTube" versucht hat weiter bekanntzumachen.

Allerdings hat sich offensichtlich herumgesprochen, dass Kanäle wie diese eher auf den "B to C" - Sektor ausgerichet sind. Und so nimmt es dann auch nicht Wunder, dass man seit längerem dabei ist, als Europäische Kommission auch mit einem eigenen AV- Angebot für Jedermann zu arbeiten

Ab jetzt, dem 17. September 2008, sollen mit einem neuen 4-gleisigen Programmpaket auch all jene Internet-Nutzer angesprochen werden, die bereits jetzt über die für den Empfang notwendige Bandbreite verfügt.


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"Heute", so der spanische Vize-Parlamentspräsident Alejo Vidal-Quadras, "Heute ist der Beginn eines neuen Abenteuers". Aber die bereits or drei Jahren getroffene Entscheidung, TV im Internet zu machen, habe sich als richtig erwiesen. Das stehe schon heute fest.


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Und in der zweiten Rede erklärt die Vorsitzende des Kulturausschusses, Katerina Batzeli: "Tagtäglich wird das Parlament nun unter Beweis stellen können, wie demokratisch es arbeitet.»"


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Und vor seinem Knopfdruck als Signal des Starts des neuen Senders erklärt Parlamentspräsident Pöttering: "Der Kanal wird im Einklang mit den besten Traditionen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten betrieben."


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Und nach der Eröffnung gesellten sich der Herr Präsident und die Moderatorin um einen PC-Terminal-Bildschirm und betrachteten sich dabei, wie sei Live auf einem der vier Kanäle des nun ins Leben gerufenen Angebots zu sehen sind.


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Und nun? Kommen die Mühen der Ebenen: Blicke ein einen fast leeren Parlamentssaal. Beschwerden von Abgeordneten, dass es keine Hotelzimmer im Brüssel gibt. Themen von hoher Brisanz die in der sogenannten parlamentarischen Diskussion aber auch nichts mehr von ihrer Bedeutung und Dynamik erkennen lassen...

"Wir sind stolz auf diese Errungenschaft. Wir sind für aufklärerische Zwecke gegründet worden und wir wollen neutral und nicht parteilich arbeiten. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Initiative auch positiv bekannt gemacht wird. In der nächsten Wochen soll eine Marketingkampagne begonnen werden."

Damit hat Alejo Vidal-Quadras einen der entscheidenden Punkte angesprochen: wie werden all diese neuen Angebote und Möglichkeiten denn auch in der Öffentlichkeit wahr- und angenommen werden, wer wird die Interaktionsangebote auf einem dieser vier Kanäle auch wirklich nutzen wollen und können? Und wird der für die Jugendlichen gebaute Kanal wirklich von diesen angenommen werden?

Vielleicht wäre es gut, sich über den Tag hinaus dieses ambitionierten Projektes zu widmen, seine Absicht und seine Wirkung in Beziehung zu setzen - und schon ab heute über ein "EuroparlTV 2.0" nachzudenken. [2]

WS.

PS.

Der Versuch am späteren Vormittag des Folgetages, mit der Pressestelle der EU-Vertretung in Berlin Kontakt aufzunehmen - endete im Nichts. Am Empfang ist man nur bereit, einen Kontakt zur Sekretärin herzustellen. Diese ist aber nicht erreichbar. Eine Durchwahlnummer zu ihr oder einem der anderen Mitarbeiter, bzw. einer der anderen Mitarbeiterinnen der Abteilung wird auch auf Nachfrage nicht bereitgestellt, obwohl - wie die anschliessende Recherche schnell zeigt - diese alle auf der Internetseite des Hauses fein säuberlich aufgelistet sind - wenn auch falsch: zumindest ist es die Mobilnummer des derzeit noch freiberuflich für das Haus tätigen ehemaligen festen Mitarbeiters, dessen Thema "Hörfunk und Fernsehen" ist.

Anmerkungen

[1Dass es zum Beispiel nach dem Start des Streaming-Signals zunächst mehrerer Minuten Geduld bedarf, bevor die Veranstaltung überhaupt beginnt und etwas davon zu sehen ist, ist einfach nicht akzeptabel. Auch dürften die Profis unter den Beteiligten wissen was gemeint ist, wenn die "Bauchbinden" unter den sprechenden Personen vermisst werden - u.v.a.m.

[2Oder vielleicht sogar einem virtuellen Parlamentsgebäude - in dem dann auch einstürzende Dächer der Vergangenheit angehören sollten...


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