Maskuliner Mehrwert

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 24 Minuten

 

Wenn Ende Mai dieses Jahres sowohl Seitens der CDU als auch der CSU gefordert wird: "Lohngefälle zwischen Frauen und Männern beseitigen", dann war offensichtlich schon durchgesickert, was heute nun auch für die breite Öffentlichkeit mit den Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf den Punkt gebracht wurde: Im Jahr 2006 verdienten Frauen 24% weniger als Männer. Die wichtigsten Aussagen können entweder über den hier eingestellten Link oder aber direkt auf dieser Seite nachgelesen werden
 [1]:

Frauen verdienen 24% weniger als Männer  [2]

Schlecht bezahlte Berufe sind meist Frauensache  [3]

Erziehungsbedingte Erwerbsunterbrechungen schaden der Karriere  [4]

Frauen sind seltener in Führungspositionen  [5]

In keinem Wirtschaftszweig verdienen Frauen mehr als Männer  [6]

Verdienstunterschied in den Neuen Ländern bei nur 6%  [7]

Dass wir in Deutschland damit - nach wie vor - in Europa fast einsame "Spitzenklasse", das zeigt die hier als Bild zusammengefasste Eurostat-Statistik aus dem Jahr 2005:


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Auf die einzige dem Autor bekannte Ausnahme von dieser Regel soll aber natürlich "zum guten Schluss" auch hingewiesen werden: In einem von Blog von Mark J. Perry wird ein The New York Times Artikel vom Montag, den 13. August 2007 zitiert, in dem zu lesen ist:

"Young women in New York and several of the nation’s other largest cities who work full time have forged ahead of men in wages, according to an analysis of recent census data.

A recent study shows that women of all educational levels from 21 to 30 living in New York City and working full time made 117 percent of men’s wages, and even more in Dallas, 120 percent."


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Anmerkungen

[1Der Autor der hier in den Anmerkungen zitierten Texte ist Ralf Droßard vom Statistischen Bundesamt.

[2Der Bruttostundenverdienst von Frauen lag nach den Ergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2006 um 24% unter dem der Männer. Dies bedeutet nicht, dass Frauen im gleichen Unternehmen für die gleiche Tätigkeit 24% weniger verdienten. Die Ursachen für den Verdienstabstand sind vielfältig. Frauen und Männer unterscheiden sich in der Wahl ihrer Berufe, Branchen und in der Erwerbsbiografie. Diese Unterschiede sind in der Differenz von 24% enthalten. Dieser Verdienstunterschied wird daher auch unbereinigter Verdienstabstand oder englisch "unadjusted Gender Pay Gap" genannt.

[3Bei der Wahl des Berufes gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So lassen sich klassische Frauen- bzw. Männerberufe identifizieren, denen kaum das jeweils andere Geschlecht nachgeht. In Berufen mit hohen Bruttojahresverdiensten, wie zum Beispiel Luftverkehrsberufen, arbeiten deutlich mehr Männer als Frauen. Gut bezahlte Berufe sind somit immer noch Männersache. In schlecht bezahlten Berufen arbeiten umgekehrt überwiegend Frauen, z. B. als Friseurinnen oder Raumpflegerinnen.

[4Beim Einstieg in das Berufsleben ist der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen vergleichsweise gering. Bei den 25- bis 29-Jährigen lag er im Jahr 2006 bei 10%. Bei den 35- bis 39-Jährigen hatte er sich mit 22% mehr als verdoppelt, bei den 60-Jährigen und Älteren war er mit 31% am größten. Bei der Geburt ihres ersten Kindes waren Frauen im Jahr 2006 im Durchschnitt knapp 30 Jahre alt. Hier zeigt sich, dass Frauen während und nach schwangerschafts- und mutterschutzbedingten Erwerbsunterbrechungen sowie den damit verbundenen Erziehungszeiten den Anschluss an die Verdienstentwicklung der Männer verpassen.
Kehrten Frauen nach ihren kinderbedingten Erwerbsunterbrechungen in den Beruf zurück, bedeutete dies für viele den Wechsel von der Vollzeit- in die Teilzeitbeschäftigung. Der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen nahm mit dem Alter deutlich ab. Im Alter zwischen 25 und 29 Jahren waren 65% aller erwerbstätigen Frauen vollzeitbeschäftigt. Bei den 30- bis 34-Jährigen waren es 58%, bei den 35- bis 39-Jährigen nur noch 46%. Der Anteil der Frauen, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgingen, nahm im Gegenzug zu. Bei den 25- bis 29-jährigen Frauen waren 20% teilzeitbeschäftigt. Bei den 35- bis 39-Jährigen hatte sich dieser Anteil bereits mehr als verdoppelt (41%).
[...]

[5Ein weiterer Grund für die höheren Männerverdienste könnte eine vergleichsweise bessere Qualifikation sein. Betrachtet man die Verteilung der erwerbstätigen Männer und Frauen bezüglich ihrer Bildungsabschlüsse, stellt man aber nur geringe Unterschiede fest. Beim Fachhochschulabschluss lagen nach den Ergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2006 die Männer vorne. Nur geringe Unterschiede gab es bei Abiturienten, Hauptschulabschlüssen bzw. bei der mittleren Reife.

Obwohl keine großen Unterschiede beim Bildungsabschluss festzustellen waren, wurden Führungspositionen trotzdem vornehmlich von Männern wahrgenommen. 71% der Leitenden Arbeitnehmer/-innen waren im Jahr 2006 Männer. Während der durchschnittliche Bruttostundenverdienst über alle Beschäftigte 16,52 Euro betrug, wurden diese Führungskräfte mit 31,17 Euro entlohnt. Dies sind knapp 89% mehr im Vergleich zum Durchschnittsverdiener.

[6Der Verdienstabstand zwischen den Geschlechtern variiert stark in den unterschiedlichen Branchen. So war er 2006 in den Wirtschaftszweigen Unternehmensnahe Dienstleistungen (30%), Kredit- und Versicherungsgewerbe (29%) sowie im Verarbeitenden Gewerbe (28%) am größten. Niedrige Verdienstabstände zwischen den Geschlechtern bestanden in den Wirtschaftszweigen Bergbau (5%), Verkehr- und Nachrichtenübermittlung (9%) sowie im Gastgewerbe (13%). In diesen Wirtschaftszweigen arbeiteten aufsummiert nur 7% aller Frauen. In keinem Wirtschaftszweig verdienten Frauen mehr als Männer.

[7Große Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es zwischen den Gebietsständen. Während im Früheren Bundesgebiet der Verdienstabstand im Jahr 2006 bei 25% lag, betrug er in den Neuen Ländern lediglich 6%. Diesem Vergleich liegen deutlich höhere Verdienste der Männer im Früheren Bundesgebiet im Vergleich zu den Neuen Ländern zugrunde. Der Bruttostundenverdienst von Männern im Früheren Bundesgebiet lag mit 19,06 Euro 49% über dem der Neuen Bundesländer mit 12,76 Euro. Bei Frauen betrug diese Differenz nur 19%, nämlich 14,35 Euro gegenüber 12,05 Euro.