Medienwoche Presse-Preview

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 22 Minuten

 

I.

Die diesjährige "medienwoche@ifa" - mit den Formaten: Internationaler Medienkongress, IFA, medienpolitik@IFA und M100 Sanssouci
Colloquium - wird als neue Dachmarke von folgenden Veranstaltern bespielt:

Veranstalter des Kongresses sind das Medienboard, die Medienanstalt und die gfu in Zusammenarbeit mit
den Ländern Berlin und Brandenburg (www.medienwoche.de).
− Die IFA wird veranstaltet von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) und
organisiert von der Messe Berlin GmbH (www.ifa-berlin.de).
− Das M100 Sanssouci Colloquium ist eine Veranstaltung der Landeshauptstadt Potsdam und des Institute for
Strategic Dialogue, London in Kooperation mit dem Verein Potsdam Media International e.V.
(www.m100potsdam.com).

Also nochmal: das Medienboard, die Medienanstalt Berlin-Brandenburg und die Gesellschaft für Unterhaltungs- und
Kommunikationselektronik (gfu) sind die neuen gemeinsamen Veranstalter diese Medienwoche, in die die IFA nunmehr als ein integraler Bestandteil eingebracht wird.

II.

Das ist tatsächlich neu. Die IFA bekommt ein neues Dach. Und der Kongress zieht unter das Dach der IFA: ins ICC. Wer hätte das gedacht!


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"Die IFA startet am Freitag, 29.
August, der Kongress beginnt erstmals am Montag, 1. September, also während der IFA. Und auch
räumlich ist man näher aneinandergerückt: Diesjähriger Veranstaltungsort für den dreitägigen
Kongress ist das Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin."

So also das Ganze im Originalton. Dazu Dr. Alexander Pett [1],
Geschäftsführer der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik:

"Durch die Kooperation mit der Medienwoche wird den Besuchern von Messe und Kongress in diesem
Jahr ein inhaltlich und zeitlich aufeinander abgestimmtes Konferenzprogramm angeboten, das die
Perspektiven von Medienpolitik, Content- und Geräteindustrie in ihrem Zusammenhang betrachtet
und diskutiert. Mit ihrem Besuch der IFA haben die Kongressteilnehmer gleichzeitig den direkten
Zugang zu den Innovationen der CE-Industrie.
Die IFA verfügt mit ihren Formaten – Round-Table-Diskussionen, Kongressen, Kolloquien und Foren
– über viele erprobte Instrumente, um Diskussionen anzuregen und zukunftsorientierte wirtschaftliche
Weichenstellungen vorzubereiten.
"

Das Ziel des ganzen Umbaus ist es, die Bereiche der Politik und der Industrie stärker aufeinander zu beziehen.

Das eine Stichwort lautet: "medienpolitik@IFA"

Unter der Schirmherrschaft von Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und
Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, finden am Montag und Dienstag die Round Table
des gfu-Formats medienpolitik@IFA statt. In drei Gesprächen diskutieren Experten aus Politik,
Industrie, Wissenschaft und Medienwirtschaft über Strategien für Massenmärkte. Mit dabei sind u.a.
Hans-Joachim Kamp (Philips), Ferdinand Kayser (ASTRA), Fritz Raff (ARD), Prof. Markus
Schächter (ZDF), Ursula Adelt (VPRT), Dr. Annette Schumacher (Kabel Deutschland), Kai
Fischer (Digital 5) und Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring (BLM).
New Terms of Trade: Partnerschaft für die digitale Welt
Das hochkarätige filmpolitische Podium am Dienstagmittag, das von Kulturstaatsminister Bernd
Neumann eröffnet wird, ist Plattform für den Schlagabtausch zwischen Produzenten, Sender- und
Politikvertretern im Endspurt zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, mit Alexander Thies (NFP)
Peter Dinges (FFA), Peter Weber (ZDF), Jürgen Doetz (VPRT) und Oliver Berben (MOOVIE – the
art of entertainment).

Das andere Stichwort könnte lauten "CE-&HA-Industry@IFA"

Für das internationale Fach- und Medienpublikum bieten die IFA International Keynotes, ein
hochkarätiges Vortragsprogramm, exklusiven Einblick in die Perspektiven der Industrie. Dieses Jahr
referieren unter anderem
- Dr. Jongwoo Park, President and Chief Executive Officer Digital Media
Business Samsung Electronics Co., Ltd,
- Andrea Ragnetti, Executive Vice-President and Chief
Executive Officer Philips Consumer Lifestyle,
- Dr. Kurt-Ludwig Gutberlet, Vorsitzender der
Geschäftsführung BSH Bosch und Siemens Hausgeräte.

III.

Dabei steht aus der Sicht des "IFA Direktors" Jens Heithecker [2] noch eine ganz andere Allianz im Vordergrund, nämlich die von CE und HA, also von "Consumer Electronics und Home Appliances" und preist die gute Mischung von brauner und weisser Ware, von Industrie- und Handel, von Order- und Publikumsmesse, von Show und Politik, von einem nationalen u n d einem immer noch wachsenden internationalen Profile.

In der Presse-Eklärung des Medienboard ist weiterhin zu lesen:

Als eine der ersten Medienkonferenzen konzentriert sich der dreitägige Kongress der Berliner
Medienwoche in seinem Leitthema auf die Transformation der Medienwelt durch das Internet. Von
Montag, 1. September, bis Mittwoch, 3. September, dreht sich alles um die Entwicklungen des
internationalen Medienmarktes, deren Folgen für Medienordnung und Gesellschaft, die
Anforderungen für die Medienpolitik und die Präsentation neuer Inhalte und Geschäftsmodelle.
„2008 laufen alle Medien-Diskussionen implizit in einer Frage zusammen: Ist das Internet das neue
Leitmedium? Und wenn ja, was bedeutet das für die klassischen und die neuen Medien, für die
gesellschaftliche Kommunikation, die Medienordnung und die Medienpolitik?“, so Medienboard-
Geschäftsführerin Petra Müller
 [3] zum inhaltlichen Schwerpunkt des Kongresses. „Durch die zeitliche,
inhaltliche und räumliche Fusion mit der IFA hat die Medienwoche 2008 weiter an Gewicht gewonnen,
ist kompakter und besucherfreundlicher geworden.“
„Technik und Inhalte gehören zusammen – darauf gründet die Kooperation zwischen IFA und
Medienwoche, die Branchenbesucher und die Besucher der Publikumsmesse enger zusammen
bringt,“ erklärt mabb-Direktor Dr. Hans Hege
 [4]. „Und das mit gutem Grund: Die Medienwoche-Themen
sind in diesem Jahr auch für den Verbraucher von großer Bedeutung. Die grundlegenden
Umwälzungen der Medienlandschaft und die notwendigen Weichenstellungen in der Medienpolitik
haben Auswirkungen auf die Mediennutzung, Inhalte und auf die Plattformen, die jedem Nutzer zur
Verfügung stehen.“

Die nachfolgend in der Presse-Erklärung genannten inhaltlichen Schwerpunktsetzungen werde im Verlauf der Berichterstattung nach und nach aufgegriffen.

IV.

Auffallend war an diesem Tag allemal mitzuerleben, welchen wohl sehr intensiven Diskussionsprozess es bedurft hatte, um sich bis zu diesem heute angesagten Punkt durchgebissen zu haben.

Positiv bleibt festzustellen, dass zumindest die Absicht besteht, nicht nur Bilanz zu ziehen, sondern auch neue Dinge anzukündigen: so wie es die Industrie ja mit ihren Produkten auch tut.

Vor fünf Jahre habe man die Zukunft des digitalen Fernsehens auf der IFA auf den Weg gebracht, in diesem Jahr werden es die mobilen digitalen Medien sein, die in den nächsten Jahren den nächsten grossen Schub an Veränderungen mit sich bringen werden, so ebenso zurückhaltend wie selbstbewusst der Geschäftsführer der gemeinsamen Medienanstalt von Berlin und Brandenburg, Dr. Hans Hege.

V.

"be message - be medium - be berlin" - so lautet das in weisser Farbe auf den roten Jute-Taschen aufgedruckte Motto zum neuen Brand: "medienwoche@ifa".


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Zur Erinnerung: Das Buch "Understanding Media: The Extensions of Man" wurde Mitte der sechziger Jahre von Marshall McLuhan zur Diskussion gestellt. [5]


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Zu diesem Zeitpunkt gab es weder das Internet noch einen Bauplan für das ICC, mit dessen Errichtung erst gut zehn Jahre danach begonnen worden war.


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 [6]

All das hier heute Gehörte klingt so, als wenn derzeit "Retro" wieder ganz "in" ist.


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Das Palais am Funkturm ist schon wieder als gala-tauglich entdeckt worden, jetzt ist es das ICC... und es scheint gerade so, dass mit der zunehmenden Diversifikation der Medien, mit der Auflösung ihrer althergebrachten Formen und Funktionen, mit dem Reden über Konvergenz und der gleichzeitigen Sprachlosigkeit, wenn es um einen weitergehenden Ausblick in die Zukunft geht, dass diese und weitere Entwickklungen dazu führen, sich das Althergebrachte, ja selbst die "klassische Moderne" in einem neuen Lichte wieder - oder noch einmal neu anzusehen.

Diese Rückbezüglichkeit der IFA bei gleichzeitiger Globalisierung der Märkte wird uns noch weiterhin beschäftigen. Es sieht fast so aus, als ob man sich mit der neuen Dach-Marke ein wenig unter das Dach der noch verbliebenen Reste der analogen Welt gestellt hätte: gerade weil man versucht, so modern zu wirken.

Die Leitfrage des Konferenzthemas, ob "das Internet" zu einem neuen Leitmedium geworden sei, ist durch diese Setzungen der Veranstalter schon beantwortet, indem sie eine Mail-Adresse zum formalen Kennzeichen ihrer neuen Marke machen. Leitet "das Internet" den Blick wirklich in die Zukunft? Ist man mit diesem Brand wirklich so modern, wie es schon das schön-schreckliche Wort "Medienboard" in seiner anglifizierten Nomenklatur vorzugeben scheint?

Es geht hier nicht darum, die Bemühungen schlecht machen zu wollen, die hinter all den heute vorgestellten Programmen stecken, aber es geht sehr wohl darum, darauf aufmerksam zu machen, dass man mit solchen scheinbar modern klingenden Begrifflichkeiten noch lange nicht den Sprung in die Zukunft geschafft hat.

Weder das "Verdenglischen" von öffentlich-rechtlichen Institutionen noch das "Vermailen" von neuen Namen mit dem Anspruch auf ein Markenzeichen sind Zeichen eines wirklichen kulturellen Vorschritts. Der Versuch, sie dazu zu erklären ist vielmehr Ausdruck einer falsch verstandenen Modernität, die um ihre eigene Zukunft noch nicht weiss.

Anmerkungen

[13.v.l.

[24.v.l.

[31.v.l.

[42.v.l.

[5Hier ein kurzer Auszug aus einem Interview mit Nina Sutton vom November 1975, in dem er u.a. auf den Unterschied zwischen den nicht kontinuierlichen akustischen und haptischen und den kontinuierlichen visuellen Eindrücken des Menschen eingeht: "There is no continuum for the blind."

[6gefunden auf der BauForums-Seite: http://forum.bauforum24.biz/forum/i...


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