Der Portrait-Rahmen

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 20 Minuten

 

Als wäre wahrlich nichts anderes zu tun, beschäftigen wir uns schon eine ganze Weile - seit dem kurzfristigen Ausstieg aus jenem Vertrag der eigentlich für diese Wochen einen Aufenthalt in Los Angeles vorgesehen hatte - mit dem Thema der "Rahmen-HANDlungen" von Bildern.

Ein vielleicht wenig originelles Thema: Und doch finden sich immer wieder neue Facetten dieses Themas, die zu weiteren Ideen und Vorschlägen Anlass geben. Heute in diesen kurzen Beispielen zusammengestellt aus Anlass des Geburtstages eines geschätzten Fotografen und Filmemachers.

Ausgangspunkt dieser Bild-Zitat-Sammlung ist die KRESSexpress-Meldung vom 13. August 2008, dass der "Laufsteg-Papst" Bruce Darnell nunmehr als monatlicher Kolumnist für die Zeischrift "Chica" arbeiten würde. So nach dem Stil: "Wie finde ich meinen eigenen Stil?" Antwort: "Du bist dein eigenes Kunstwerk und du entscheidest, was es ausdrücken soll". [1]

Was aber wirklich interessiert, ist das Foto, das von dem 51-jährigen in diesem Zusammenhang veröffentlicht wurde - und hier als Schwarz-Weiss-Portrait wiedergegeben wird:


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Durch das Mitwirken der Hände bei dieser Abbildung entsteht ein Rahmen, der dem Gesicht eine ganz besondere Ausdruckskraft verleiht. Und zugleich Audruck eine langen Tradition in der Fotografie ist, das Gesicht eines Menschen zusammen mit dessen Handflächen in den unterschiedlichsten Positionen abzubilden

Dazu - im krassen Gegensatz - zitieren wir aus der Seite 6 des Tagesspiegels vom 1. August des Jahres 2008. Dort wird rechts aussen unter der Überschrift "PORTRAIT" das Foto des "Online-Dissidenten" HU JIA wiedergegeben: Und zwar als Foto seines Fotos, das in den Händen seiner Frau Zeng Jinyan gehalten wird:


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Auch diese Darstellung verleiht dem Portrait und der Aufnahme [3] einen ganz besonderen Charakter - der in der zuvor dargestellten Aufnahme als ein bewusst eingesetztes Stilmittel zum Einsatz gebracht wird, hier aber Teil einer ganz anderen Wirklichkeit ist. Der Portraitierte ist in der Hand von Personen, die ihn aus seinem privaten Lebenszusammenhang herausgerissen haben. Und durch die Abbildung dieses Bildes in der Handhaltung seiner Frau wird eben dieser Umstand auf ebenso deutliche wie dezente und doch dramatische Art und Weise deutlich.


Es wäre nun spannend, an diesem Thema weiterzumachen, denn diese sinn-optische Arbeit an dem durch die Hände selbst gesetzten Rahmen bringt eine Reihe hochinteressanter Anknüpfungspunkte ins Spiel, die hier an so manch einem Beispiel weiter exemplifiziert werden könnten - wenn denn das Urheberrecht nicht wäre und die Verpflichtung, diese im Rahmen aller Beiträge in "DaybyDay" so gut als irgendmöglich zu (be-)achten.

So bleibt der Beitrag auf die spontane Auswahl eines Beispiel-Fotos beschränkt, mit dem "Foto-Brand" für seine Dienstleistungen wirbt


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sowie - gewissermassen als "pars pro toto" - auf ein gelungenes Frauen-Portrait von Oliver Narr:


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auf dessen Link mit dem farbigen Original wir an dieser Stelle als Quellennachweis herzlich gerne und mit Dank für die Zustimmung zur Verwendung in diesem Zusammenhang verweisen.


Offensichtlich haben aber dennoch diese wenigen Anregungen andere LeserInnen zu den folgende weiteren Anregungen und Assoziationen Anlass gegeben.

- ein Zitat aus "Dantons Tod" von Georg Büchner: "Deine Lippen haben Augen." | "Seine Augen sind die Augen der Wahl, seine Hände sind die Hände des Gerichts."


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- ein Portrait der Schauspielerin Katharina Schmalenberg aus der Programmvorschau des Deutschen Theaters Berlins (S.91) in dem in diesem Fall das Hand-lungs-Element nicht durch die Hände, sondern durch eine noch in Bewegung befindliche Schmuckkette repräsentiert wird.


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- ein Plattencover mit einem Portrait von Roy Orbison.

Vielen Dank dafür: WS.

Anmerkungen

[1Ein ganzes Buch soll dieser Mann jetzt auch schon geschrieben haben - mit dem Titel: "Drama, Baby, Drama"...

[2Hier das Foto nochmals in seinem ganzen editorischen Rahmen:

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[3von der wir inständige hoffen, dass wir sie hier zu Zitatzwecken verwenden dürfen, auch wenn die Recht an diesem Bild der dpa gehören. Im Falle eines Widerspruchs würden wir uns fügen und dieses Bild streichen müssen... WS.


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