Digital Shabbat

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 21 Uhr 09 Minuten

 

Der Begriff des Digital Shabbat - oder Sabbath oder Yom Tov - kommt eigentlich von einer Uhr, genauer gesagt, von einem sogenannten Shabbat Timer (שעון שבת). Dieser erlaubt es, auch in der infragekommenden Zeit zwischen Freitag- und Sonnabend-Abend Geräte und andere Stromverbraucher an- und abzuschalten, ohne dass dieses von Menschenhand geschehen muss. Dabei ist es nicht ganz unstrittig, ob eine solche Schaltuhr neben den Lichtquellen auch andere Geräteschaften in dieser Zeit ein- und ausstellen darf oder nicht, einen Geschirrspüler zum Beispiel oder den Fernsehapparat.

Dass es überhaupt gestattet ist, eine solche Schaltuhr zum Einsatz zu bringen, ist nach den vorliegenden Quellen schon von einem Rabbi Namens Yosef Shaul Nathanson im ausgehenden 19. Jahrhundert "genehmigt" worden. Insofern ist der Begriff "digital" in diesem Zusammenhang eigentlich irreführend, denn in jenen Tagen war alles noch ganz und gar analog, mechanisch ... und elektrisch.


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Wie dieses - durchaus modern gemeinte - Bild aus der analogen Welt zeigt, sei die Zeit des Shabbat eine Zeit des "sich aufladens". In der Zeit aber, die sich mit den digitalen Welten verknüpfen wird, wird nicht mehr das sich Aufladen im Vordergrund stehen, sondern das Entladen, das sich loslösen können von all diesen elektrischen, digitalen und zunehmend mobilen Gerätschaften, die einen die ganze Woche über begleiten und in Trab halten.

Schon heute gibt es eine kaum noch zu bewältigende Fülle von zielgerichtet zugestellten Informationen, die in immer höherer Dichte und Penetranz auf einen einwirken: via E-Mail und Instant Messaging, via Handy und Blackberry, via GPS und PDA.

Während in andern „Kultur-"Kreisen dieses immer noch als Bereichung und Gewinn für die eigenen Kommunikationsabsichten und –möglichkeiten gesehen wird, macht sich in unseren Breitengraden derzeit ein Trend breit, den man mit den Anfängen einer sich immer mehr um sich greifenden temporären Kommunikationsverweigerung in Beziehung setzen kann.

Dabei ist es gar nicht so sehr die zunehmende Technologisierung und Digitalisierung der Kommunikationswege und –ströme, die den Betroffenen zu schaffen macht, es ist die zunehmend wachsende Dichte an sich ständig erneuernden Informationen, die es einem mehr und mehr unmöglich macht, die bereits empfangene Nachricht auch nur bearbeiten zu können, geschweige denn ihren Inhalt zu bedenken.

Und so gibt es immer mehr Stimmen - auch von den jungen Leuten - die davon berichten, dass man dabei sei, sich einmal in der Woche eine kurze oder auch längere Auszeit zu gönnen. Je mehr das Always-On-Syndrom von den sich immer weiter ausweitenden Flat-Rate-Tarifen von der Kür zur Pflicht wird, desto deutlicher ist zu vernehmen, dass es einer bewusst gesetzten Auszeit bedarf.

Und diese freiwillig gesuchte und gesetzte Auszeit nennen wir ab jetzt: "Digital Shabbat", oder "Digital Sabbath".

[wird fortgesetzt]