Berlin oder Hamburg?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 20 Uhr 51 Minuten

 

Wer die Wahl hat zwischen der

- Verleihung des Publizistikpreises
 [1] im Rahmen der Veranstaltung
Kommunikation und Mobilität – Mobilitätssysteme und -dienste mit Zukunft
um 15:30 Uhr in der Landesvertretung Baden-Württemberg, Berlin

und dem

- Internationalen Mediendialog Hamburg des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg in Kooperation mit der Hamburger Medienwirtschaft zum Thema: Der Kampf um Aufmerksamkeit – Was treibt den Erfolg in digitalen Märkten? [2]

hat die Qual.

Die Entscheidung, nicht nach Hamburg zu fahren, stellt sich jetzt - im Verlauf dieses Montags - sogleich in doppelter Hinsicht als die richtige heraus. Der eine dafür massgebliche Grund ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, der andere durchaus, wenn auch von tragischer Natur: Hier wiedergegeben mit der Stimme von Guillaume de Posch:

Katja Pichler, Konzernsprecherin der ProSiebenSat.1 Media AG, ist am Samstag, den 31. Mai 2008, beim Bergsteigen tödlich verunglückt.

Guillaume de Posch, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG:
"Ich bin fassungslos über diesen Verlust. Von 2003 an war Katja als Sprecherin das Gesicht und die Stimme unseres Unternehmens. Seit ich bei der ProSiebenSat.1 Group tätig bin, war sie eine verlässliche Präsenz an der Seite des Vorstands. Katja hat immer sehr viel von sich selbst und von anderen verlangt, und das immer im Interesse unserer Gruppe, um unser Image und unsere Identität zu fördern. Sie war eine der fähigsten Managerinnen unserer Branche. Sie ist gestorben, wie sie gelebt hat: von Gipfel zu Gipfel stürmend.
Wir denken in diesen schweren Stunden vor allem an Katjas Ehemann, Johannes Schmitz. Ihm gehört unser ganzes Mitgefühl."

Katja Pichler, 45, war seit Dezember 2003 Konzernsprecherin der
ProSiebenSat.1 Media AG. Von 2000 bis 2003 war sie in der Gruppe als Unternehmenssprecherin des Vermarktungsunternehmens SevenOne Media tätig. Zuvor war sie stellvertretende Chefredakteurin der Fachzeitschrift "media & marketing". Zwischen 1989 und 1997 arbeitete sie als Journalistin u.a. für die Branchenmagazine "Medien Bulletin" und "werben & verkaufen". Sie studierte Geschichte, Germanistik und Kommunikationswissenschaften in München und an der Sorbonne.

Ob in Hamburg während des Kongresses jemand auf diese Nachricht reagieren wird? Nach den bisherigen Erfahrungen ist das wohl eher unwahrscheinlich. Entweder, "man" bekommt es gar nicht mit - trotz mobilem Mailempfang - oder es wird, wenn überhaupt, ein Thema für die Pausengespräche bleiben. Und bis zur Party am Abend schon wieder "vergessen" haben. Oder?


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Inzwischen wurde in Berlin der Publizistikpreis vergeben: an Klemens Polatschek von der Collective Intelligence GmbH. in Berlin, insbesondere zu seinen Beiträgen in der FAZ zum Thema Bahn-Trassen-Börse.

In ihrer Laudatio sagte Frau Prof.Ulrike Stopka, Sprecherin des Hochschulkollegs Kommunikation und Mobilität an der TU Dresden:

"Ich finde es schon eine grosse journalistischen Leistung an sich, ein solches Thema zu entdecken und richtig einordnen zu können. Aber der unbefangene Blick eines Laien, auf den die Fachleute oftmals gern herabschauen, war schon oft die Quelle des Fortschritts. Und so gelingt es Herrn Polatschek ausserordentlich plastisch, die Ambitionen eines Projektes zu illustrieren, das sich mit der Fragestellung befasst, ob ein auf einer Auktion basierender Vergabemodus für Eisenbahntrassen zu einer wettbewerbsorientierten Vermarktung eines Schienennetzes führen kann. Die Idee besteht darin, konkurrierende Eisenbahnverkehrsunternehmen für Trassen bieten zu lassen - im Rahmen einer Auktion wie gesagt - und auftretende Konflikte über die Preise zu lösen, in dem die Trassen einer einnahmemaximierten Allokation unterzogen werden. Ich übersetze das jetzt mal ins Deutsche: Das heisst, wer am meisten bietet, dars aufs Gleis.
O-Ton Polatschek: ’Dieser Gedanke enthält genug gesunden Grössenwahn, um für echte Forschung zu taugen.’
. [...] "

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Ein Problem, das Klemens Polatschek selber in seinem eigenen Blog Whooka am Sonntag, den 18. November 2007 auch hatte, als der auf ein F.A.S.-Interview mit dem Extrem-Bergsteiger Alexander Huber verweist. Aber selbst jener Ausschnitt, der auf seiner Seite dennoch veröffentlicht wird, klingt in dem Umfeld dieses Tages ganz besonders nach - insbesondere mit dem in diesem Zusammenhang hier nochmals eingestellten Bildmotiv:

Am Anfang steht die pure persönliche Herausforderung. Ich suche sie und wachse an ihr. Das Scheitern gehört dabei im Übrigen ebenfalls zwingend dazu. Herausforderungen anzunehmen bedeutet für mich Leben. Würden wir Menschen keine Herausforderungen annehmen, könnten wir nicht wachsen, würden wir uns nicht entwickeln. Die ganze Menschheit und Zivilisation funktioniert darüber. Positiv wie negativ. Wir scheitern, schlagen neue Wege ein, finden Lösungen, können den nächsten Schritt wagen. Keine Herausforderungen anzunehmen bedeutet Stillstand.

Anmerkungen

[1Im Rahmen der Veranstaltung wird der diesjährige Publizistikpreis des Hochschulkollegs zum Thema „Kommunikation und Mobilität – Mobilitätssysteme und –dienste mit Zukunft“ vergeben.
Das Hochschulkolleg Kommunikation und Mobilität der Alcatel-Lucent Stiftung für Kommunikationsforschung hat diesen Preis im März 2008 ausgelobt. Gefragt sind Beiträge, die in elektronischen Medien, im Hör- und Fernsehrundfunk oder als Text in Printmedien in deutscher oder englischer Sprache veröffentlicht wurden. Im Zentrum der Beiträge stehen die Verbindung von Wissenschaft und Praxis, relevante Forschungsvorhaben und Studien sowie die Publizierung origineller
Lösungen und interdisziplinärer Konzepte mit Bezug zum Ausschreibungsthema. Diese können aus den Bereichen der Verkehrs- und Wirtschaftswissenschaften, der Ingenieurwissenschaften, der Geisteswissenschaften, der ökologischen Forschung oder weiteren Wissensgebieten stammen. Zur Teilnahme sind Journalisten aller Medien, Wissenschaftler der betreffenden Fachrichtungen und sonstige Autoren aufgefordert worden.
Für die Bewertung sind die Relevanz der untersuchten Thematik im Hinblick auf das Ausschreibungsthema, die Grundidee und Aussage, den Innovationsgrad, das Sujet, die Originalität sowie die sprachlich-journalistische und/oder medien-
technische Umsetzung von Bedeutung.

[2Die Medienwelt verändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Neue Akteure drängen mit vielfältigen, digitalen Angeboten auf den Markt. Und mit jedem Angebot ändert sich das Nutzungsverhalten der Konsumenten. Nicht alle Innovationen werden sich durchsetzen. In einer konvergenten Medienlandschaft ist nur erfolgreich, wer sein Publikum langfristig bindet. Vor diesem Hintergrund diskutieren die Macher der internationalen Medienwirtschaft ihre Strategien im Kampf um Aufmerksamkeit: was hält die Zukunft fürs Geschäft bereit?


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