TomTom in Australien

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 20 Uhr 45 Minuten

 

Kaum glaublich, aber wahr: Wie es der Zufall will, ist die 2nd Edition des TomTom-Riders samt der neuen Software für Australien einen Tag vor dem Abflug noch bei uns im Büro in Berlin eingetroffen.

Und so werden wir an diesem Tag die Erfahrungen im Umgang dieses Gerätes im Rückblick auf die ersten Reisetage durch Australien an dieser Stelle zusammenfassen.

Ungeschönt, ohne Schnörkel und nicht ohne Selbstkritik.

08-05-09:

Fangen wir gleich damit an: Beim Auspacken des Gerätes wollen wir uns natürlich sofort von seinem "ordnungsgemässen Zustand" überzeugen und nehmen dafür zunächst nur das mobile Anzeigegeräte in die Hand. Das aber - so scheint es zunächst - keinen Schalter zum An- und Ausstellen hat.
Was tun? An der Unterseite findet sich eine Klappe, hinter der u.a. der Schacht für die Chipkarte versteckt ist und ein Nippel für eine Stromvebindung. Also wird eines der Ladekabel gesucht, auf der einen Seite mit diesem verbunden und auf der anderen Seite mit der Steckdose.
Und - siehe da - das Bildschirm erhellt sich und gibt einen Blick auf eine Karte frei, in der mit grossen Lettern das Wort "SYDNEY" eingetragen ist [1]. Nach diesem positiven Eindruck geht es nur noch darum, das Gerät wieder abzustellen. Aber wie?
Natürlich mit dem Schalter, der an der rechten Seite des Rahmens angebracht ist. Und dank der Regensicherung so gut im Anti-Stoss-Rahmen eingelassen ist, dass wir ihn zunächst schlicht und einfach übersehen hatten.

Die nächste Aufgabe ist ebenso überflüssig wie schwierig zu lösen. Und doch eine Herausforderung, der man gerne gewachsen sein möchte: das Anbringen des Haltebandes am Sichtgerät. Das ist Fummelarbeit.
Aber nachdem diese Aufgabe schliesslich bewältigt wurde und man dafür keine Hilfe von weiblichen fingerfertigen Händen hat in Anspruch nehmen müssen, ist das zumindest ein eigenes kleines Erfolgserlebnis wert. Jetzt ist das Gerät zumindest auch "nippon-compatible" ;-) .

08-05-12: [2]

In der Nacht auf den 13. Mai wird das Geräte zum ersten mal flott gemacht. Und zwar weder auf einem Motorrad noch in einem Fahrzeug, sondern in einem Flugzeug. Die Idee schien so einfach wie bestechend zu sein. Wenn wir schon über Australien hinwegfliegen, müsste man diese Route doch auf mit dem Tom-Tom-Rider nachgeführt erhalten. Aber - wie das Bild zeigt - erwies sich diese Idee als nicht durchführbar. Es wurde keine einzige GPS-Postion geortet. Und das Gerät konnte daher nur "trocken" in Betrieb genommen werden.


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08-05-19:

Heute wird das Gerät erst einmal wieder eingepackt. Die Erkundung Australiens und von Sydney ist zunächst einmal beendet. Und der Reiseführer wieder in seine Tasche gepackt.

Die Erfahrungen mit dem Gerät - und insbesondere mit der Softwaresteuerung als auch dem Gesteuert werden durch die Software - sind ausserordentlich zwiespältig. Es gab Augenblicke, da dieses Gerät wirklich eine Hilfe war und die Orientierung eine echte Erleichterung. Aber es gab auch Momente, da hätte man das Teil am liebsten in eine dunkle Ecke gefeuert und sich eine zuverlässige aussagekräftige traditionelle Strassenkarte gewünscht hätte - und diese auch zu Rate gezogen hat.

Anders gesagt. Es gab Äusserungen des Entzückes, wie genau sich die Karte in ihrer dynamischen Darstellungen der vorhersehbaren Fahrsituation anzupassen in der Lage ist, aber auch einen Satz wie "ein solches Gerät würde ich mir nie und nimmer anschaffen".

Das alles bedarf einer detaillierteren Darstellung, die sicherlich nochmals an anderer Stelle vorgenommen werden sollte. Hier nur einige Stichworte als pars pro toto:

- Die Idee: Anstellen, Einstellen und Losfahren ist ebenso verlockend - wie trügerisch.
Selbst der Hinweis, dass für die erste Inbetriebnahme bis zu 5 Minuten vergehen werden, bevor sich das System mit seinen aktuellen Umgebungsparametern abgestimmt habe, reicht da bei weitem nicht aus.

- Der Wunsch, das dieses Gerät "kinderleicht" zu bedienen sei, ist eine Illusion.
Wer gleich zu Beginn der ersten Fahrt mit dem ersten Einsatz des Gerätes zufrieden sein will, muss sich dafür vorab einer Schulung unterzogen haben - und wer tut das schon? Zumal wenn die Bedienungsanleitung sich auf wenige einführende Seiten beschränkt und der "Rest" nur noch als Software angeliefert wird.

- Das "Gerät" folgt nicht der Logik des Nutzers, der Nutzerin.
Wir haben es mehrmals erlebt, dass die gleiche Aufgabenstellung von der einen Person "bewältigt" werden konnte, von einer anderen dagegen nicht, selbst nach mehrmaligen und intensiven Versuchen. Dabei ist das Gerät so "benutzerfreundlich" inszeniert, dass man den Eindruck hat, man sei selber der oder die Dumme - und nicht das Gerät.

- Auch wenn es nicht danach aussieht: das "Ding" ist ein Computer.
Schlimmer noch, es folgt den klassischen Gesetzen eines Computers, obwohl es daherkommt, als sei es ein echter PDA, ein Personal Digital Assistent. Die Assistenz, die an diesem Gerät am meisten ausgebaut ist die, die es erlaubt, die Funktion dieses Gerätes zu verstehen. Und wer sich dieser in-bulit-logic nicht unterwirft, ist verloren.

- Dieses Gerät läuft Gefahr die Fahrzeuglenker allzusehr abzulenken, anstatt ihm beim Lenken zu helfen.
Bis es nämlich gelingt, diese Lenker-Hilfe auch wirklich aktiv und reibungslos zu Wege zu bringen ist nicht nur eine gehörige Portion an Zeit vor Antritt der Fahrt zu investieren (was ja noch angehen mag) sondern es fordert auch im Verlauf der Fahrt immer wieder Eingriffe, die sich eigentlich mit den Anforderungen an den Fahrer nicht in Übereinstimmung bringen lassen.

- Dieses Gerät baut auf die sinn-optische Präsenz und vernachlässigt jene, die ehr mit dem Lese- als dem graphischen Sinn wahrnehmen.
Nur ein Beispiel: Es ist zwar möglich, die Darstellung von einer 3-D- in eine 2-D-Variante umzustellen, nicht aber in jenen Modus, in der Zeile für Zeile die bevorstehenden Veränderrungen der jeweiligen Wegstrecke angezeigt, geschweige denn dynamisch fortgeschrieben werden. Ist die abgefahrene Strecke in allen Punkten "abgearbeitet" - was auch durch ein "eingrauen" der jeweiligen Zeile signalisiert wird, rücken nicht die noch nicht abgefahrenen Streckenteile nach, weder als Block noch Zeile für Zeile.

- Die Software setzt zu viele Vorkenntnisse beim Nutzer voraus.
Allein die "Elisabeth Street" in Sydney gibt Optionen an, die sich über mehrere Bildschirmseiten erstrecken. Und es gibt so gut wie keine Möglichkeit, daraus eine gescheite (oder gar die richtige - sic!) auszuwählen: dazu sind die ergänzenden Hinweise wie Stadtbezirke dem Nutzer nicht bekannt bzw. können als solche noch nicht einmal richtig eingesehen und nachgelesen werden. Gerade an einem Punkt wie diesem wäre ein gescheite Koppelung des Text- und Grafik-Modus dringend geboten.

Wie gesagt, all diese sind nur einige wenige Eindrücke die nicht den Nutzen in Abrede oder das Teil als solches schlecht machen sollen. Es ist vielmehr so, dass der recht hohe Reifegrad des Gerätes und dessen Software dazu beitragen, dass man ihm Eigenschaften und Fähigkeiten beizumessen beginnt, die dieses nach allem "menschlichen" Ermessen von einem Computer mit Navigationssensoren eben objektiv nicht erfüllt werden können.


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Summary (Draft):

Vielleicht kann man es so zusammenfassen. Es ist eine echte Hilfe, wenn man mit einer zweiten Person im Wagen sich über die vom Gerät angelieferten Informationen austauschen und dann sich über den jeweils als "richtig" geltenden Weg entscheiden kann.

Hier aber geht es um den Tom-Tom-Rider. Und dieses Teil geht davon aus, dass es eine - und zwar ein ausschliessliche - Ein-Weg-Kommuikation zwischen dem Kradfahrer und dem Anzeige-System auf dem Lenker und ggf. Sound-System im Ohr geht. Das - und die besonderen Anforderungen des Motoradfahrens als solches - verschärfen die Aufgabenstellung nochmals um eine ganze Dimension.

Bau-technisch gesehen, ist vieles besser und stabiler geworden als in der ersten Version. Und das war auch dringend notwendig. Jetzt wird es darauf ankommen, dieses System soweit fortzuentwickeln, dass letztendlich die Version drei halten kann, was man sich von der Version zwei schon jetzt versprochen hat. Von daher sollten auch diese Zeilen keine Veranlassung dazu geben, in dem Bemühen nachzulassen, die Mensch-Maschine-Schnittstelle weiter zu optimieren.

Anmerkungen

[1Bravo, die Jungs von 100zehn habe offensichtlich schon mal vorgesorgt, damit der erste Eindruck ein positiver íst. Clever!

[2Das hier im Flieger nach und über Australien aufgenommene Snap-Shot zeigt das Tom-Tom-Rider Display in seiner Nachteinstellungsversion - in der sogar am Horizont vereinzelt funkelnde Sterne aber keine GPS-Empfangspositionen zu sehen sind - während sich darüber das hintergrundbeleuchtete Display für den Business-Class-Liege-Sitz befindet.

[3Dieses Foto wurde von der Pressestelle zur Verfügung gestellt.


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