Zwischenruf 080331: In eigener Sache

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 18 Uhr 58 Minuten

 

Es ist schwer genug, sich nicht nur tagtäglich – oder gelegentlich auch mit der einen oder anderen Verzögerung – der Themen zu vergewissern, die einem für die Präsentation hier in „DaybyDay“ als geeignet erscheinen, sondern diese dann auch gewissenhaft und nach den jeweiligen Regeln der Kunst so auszuführen, dass sie auch gerne gelesen werden. [1]

Nein – auch wenn dieses immer wieder mit Staunen gefragt wird – es ist nicht wirklich schwer, sich für jeden Tag ein Thema herauszusuchen, das jeweils interessant genug erscheint, um bearbeitet und dargestellt zu werden. Viel schwieriger ist es, sich dann auch immer wieder die Zeit und die Konzentration zu nehmen um das Thema jeweils auch adäquat zur Sprache zu bringen.

Und daher sollte eigentlich auch ein zu langer Satz wie der oben stehende wie viele andere vor ihm wieder gestrichen und der Gedanke noch einmal neu ausgeführt und gesagt werden: Nein, es ist nicht schwer, all-täglich ein geeignetes Thema für „DaybyDay“ zu finden. Ja, es ist gelegentlich durchaus eine Qual, sich einer Disziplin mit dem Ziel zu unterwerfen, eben von dieser Anstrengung nichts durchscheinen zu lassen.

Ob und dass ich dieser Aufwand wirklich „lohnt“ müssen letztendlich Andere beurteilen. Aus der eigenen Sicht ist diese Frage - nach wie vor - mit einem klaren „Ja“ zu beantworten. Und das nicht nur, weil es zu einer oft unerwartet hohen Zahl von Zugriffen kommt (was noch nichts über die wirkliche Lese- und Lektüredichte aussagt), sondern auch, weil es vielleicht auf diesem Wege doch gelingen könnte, über das All-tägliche Hinaus ein Ab-Bild jener Jahre zu zeichnen, die in diesen Texten immer wieder neu skizziert werden.

Dabei werden diese Texte nicht „für die Ewigkeit“ geschrieben – wenn gleich es derzeit auch eine Reihe von Überlegungen und Gesprächen gibt, wie man in und für die Zukunft mit diesen wird produktiv und sinnstiftend umgehen können: Rückblickend als Buch verlegen? In einer inter-aktiven Form zur On- und Offline-Lektüre anbieten? Diese Texte in den Zusammenhang einer anderen Rezeption stellen, die die gleiche Zeit aus einer ganz anderen Perspektive darstellt? Oder aber diese Jahre seit 2004 mit einer ganz anderen Jahres-Zeit, etwa ab 1914 in Bezug zu setzen?

Derzeit gibt es – neben einer Reihe von Anmerkungen und Kommentaren in Bezug auf die jeweils aktuellen Einträge – im eigenen Umfeld ein anwachsendes Staunen und positives Konstatieren der Tatsache, dass es überhaupt jemand schafft, sich so systematisch und nachhaltig dieser Aufgabe immer wieder neu zu stellen. Solche Reaktionen kommen oft von den „Passivlesern“, von Leuten die noch nicht in der Welt der Blogs und Wikis angekommen aber durchaus dennoch darauf bedacht sind, den „Anschluss“ an diese neue Welt(en) nicht ganz zu verlieren. Und sie sind durchaus positiv gemeint, als persönliche Anerkennung, aber darüber hinaus auch als ein selbstredendens Festhalten an der vagen Idee, dass es auch in der Zeit der „Neuen Medien“ und ihrer digitalen ad-hoc-Vermittlung durchaus noch Kontinuitäten gibt - geben sollte: „Dinge“, an denen man sich noch festhalten, auf die man sich verlassen kann, „Güter“, die einen Wert haben und zu behalten versprechen, „Mehr-Werte“, die sich konkret überprüfen lassen und sich über den Tag hinaus bei ihrem Gebrauch als etwas Besonderes erkennen lassen.

Insofern könnte man – ohne dass das mit diesem Text zunächst so beabsichtigt war – schon fast eine Zwischenbilanz ziehen. Und eine positive dazu. Aber eigentlich sollte auch dies zunächst Anderen vorbehalten bleiben und vor allem jenen als Aufgabe zugeeignet werden, die schon heute bereit sind, gemeinsam über die „Zweitverwertung“ dieser Aufzeichnungen nachzudenken. [2]

Aber auch der nachfolgende Gedanke sollte abschliessend in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben – vielleicht nicht so sehr selbst-kritisch aber doch kritisch genug, als dass er hier nicht unterschlagen bleiben darf: das ist die Welt-Sicht dieser Texte. Hier ist nach wie vor zumeist von Vorgängen die Rede, die in Deutschland passieren oder aber dieses Land zumindest tangieren. Eine echte Reflektion über Themen, die über den westeuropäischen Rezeptionskontext hinausgehen und hinausweisen, findet gar nicht oder viel zu wenig statt. Und das eingedenk der Tatsache, dass es nicht nur in die USA, sondern zumindest auch in die Länder S.O.Asiens rege Kontakte gepflegt werden. [3] Andererseits wird es aber auch in Zukunft nicht geschehen, dass nur und gerade dann von Menschen und Ereignissen in diesen Ländern und Kontinenten hier in „DaybyDay“ Bezug genommen wird, wenn diese gerade für eine kurze Zeit sowieso hier im Schlaglicht des allgemeinen Interesses stehen. [4]. Derzeit wird in in dieser Publikation zumindest in soweit auf diesen Punkt Bezug genommen, dass wir zu Beginn eines jeden Monats auch das Bild aus einem japanischen Kabuki Kalender - ein Geschenk von Professor Tasuji Iwabuchi aus Tokyo - zur Geltung bringen

So. Jetzt ist aber Schluss. Zwar ist dieser Text ganz aussser Plan spontan entstanden und war insofern ohne grosse Mühe zu verfassen. Und er kann sogar zum Ende des ersten Quartals des Jahre 2008 als Stellvertreter-Text für einen Tag eingesetzt werden, an dem ein anderer „DaybyDay“-Report nicht hat erstellt werden können. Und er kann sogar als kleine Referenz für die Verständigung mit jenen Interessierten dienen, mit denen derzeit über den weiteren Einsatz nachgedacht wird. Aber er ersetzt nicht den noch bevorstehenden zu schreibenden Tageseintrag, um den man sich bis zum Ende dieser Zeilen immer noch auf diesem durchaus produktiven Um-Weg hat „herumdrücken" können.

WS.

Anmerkungen

[1Und das bedeutet auch, dass selbst ein solcher Bandwurm-Satz wie der voranstehende eigentlich so nicht hätten stehen bleiben dürfen.

[2Dieses Wort der „Zweitverwertung“ ist ganz bewusst so gewählt, ob wohl die Lektüre der hier "ins Netzt gestellten" Texte lizenzfrei ist und durch keinerlei Werbung, Pop-ups, Banner oder dergleichen mehr beeinträchtigt wird. Das liegt nicht nur ein einer vielleicht eher "idealisitischen" Haltung überhaupt, sondern auch an einer Leserschaft, die immer mehr über das hier Gelesene, Gesehene, Gehörte hinaus informiert weren möchte und mit weitergehenden Anfragen, ja manchmal sogar Aufträgen zurückmeldet.

[3Aber vielleicht führt ja eben dies dazu, sich dieser unzureichenden Öffnung der Themen und Texte zumindest bewusst zu sein.

[4Und deshalb wird es derzeit auch keinen Text zu den Ereignissen rund um Tibet geben, obwohl gerade diese direkte Auswirkungen bis in den eigenen Lebenskreis haben.


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