Stellen schaffen, das ist schwer...

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 18 Uhr 25 Minuten

 

... sie los zu werden, noch viel mehr:

Angela Maier berichtet in der FTD vom 25. Februar 2008, dass bei Siemens Enterprise Communications (SEN) 7000 der insgesamt 17.500 Stellen wegfallen sollen.

Aus den gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen war zu hören, dass davon 4000 Stellen sollen direkt gestrichen werden und davon wiederum die die Hälfte in Deutschland. Kein Wunder, denn SEN schreibt seit Langem rote Zahlen; die operativen Verluste betrugen zeitweise 300 Mio. Euro im Jahr. Das Geschäft mit Telekomnetzwerken für Unternehmen leidet darunter, dass die Kunden zunehmend auf mobile und internetbasierte Lösungen umsteigen.
3000 weitere Arbeitsplätze sollen durch Verkäufe oder durch Partnerschaften aus dem eigenen Haushalt herausgelöst werden. Diese Partner hätten aus der Ecke der Finanzinvestoren kommen können, wie Permira und Apollo oder von der Konkurrenz, wie etwa Nortel.

Aber ein solcher Deal à la BenQ wird es nicht wieder geben. Damals, 2005, wurde die gesamte Mobiltelefonsparte 2005 nach Taiwan abgeschoben, zusammen mit einer Mitgift von über 400 Millionen Euro und - was hier oft "vergessen" wurde: samt aller Patentschriften aus diesem Bereich.

Das wirklich dramatische an dieser Meldung aber wird sein, dass sich jetzt auch andere Unternehmen dazu entscheiden werden, im Fahrwasser dieser Meldungen auch ihrerseits Stellenstreichungen bekanntzugeben.

Nachtrag zum Ende der 10. KW.:

Quod erat demonstrandum.

Die Tagesschau meldet neben vielen anderen am nachfolgenden Tag, also am 27.02.2008 um 15:05 Uhr, dass BMW mehr als 8000 Stellen streichen wird: genau 8100 Stellen "Von den Kürzungen seien im Inland 5000 Zeitarbeitskräfte und 2500 Mitarbeiter der Stammbelegschaft betroffen, sagte BMW-Personalvorstand Ernst Baumann. Hinzu kommen 600 fest angestellte Beschäftigte im Ausland."

Und wiederum einen Tag später, am 28. Februar 2008, ist im Wirtschaftsteil auf Seite 11 der Berliner Zeitung - aus der wir ja bekanntlich nicht mehr zitieren dürfen - die Rede von "Henkels Schleuderprogramm", von geplanten Einsparungen in Höhe von 150 Millionen jährlich, die durch die Streichung von 3000 Stellen erzielt werden sollen.

So unterschiedlich die jeweiligen Befindlichkeiten auch sein mögen, es geht immer mehr der "Trend" zum proaktiven, die Kalamitäten vorwegnehmenden Entscheidungen: Bei Siemens schon mehr als überfällig, bei Henkel, nachdem das Renditeziel für 2007 von 12% nicht erreicht worden war, bei BMW in der echten Antizipation der weiteren Entwicklungen - und selbst wenn am Tage darauf die Kurse bei VW wegen der guten Verkäufe noch steigen sollten.

Telefonanlagen sind out, Waschmittel und Klebstoffe nicht beliebig vermehrbar und Autos schon gar nicht. Die "Grenzen des Wachstums" in Deutschland sind keine Mauern, mit denen man sich der internationalen Konkurrenz in Deutschland, ja, in Europa, wird erwehren können.

Dafür verkaufen "wir Deutsche" ja Anlagen zur Gewinnung alternativer Energien nach China, während sich dort die Sprotler weigern könnten, wegen des vielen Smogs überhaupt in Peking anzutreten - und "wir Europäer" am Ende dieser Woche EADS-Tankflugzeuge an die US-Luftwaffe, weil sie grösser sind als die von Boeing und damit besser auch auf Lang-Strecken eingestetzt werden können, die bis nach China reichen...

WS.


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