CeBIT_08
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VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 18 Uhr 43 Minuten

 

Heute, am Tag Null der CeBIT 2008 ist der Tag der grossen Namen - und Taten?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die Messe am 3. März eröffnen. Außerdem erwarten die Veranstalter den Staatspräsidenten des diesjährigen Partnerlandes Frankreich, Nicolas Sarkozy, sowie EU-Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso und Microsoft-Chef Steve Ballmer. [1]

Da über aktuellen Äusserungen an diesem Tag über alle Kanäle und Sendestrecken berichtet werden wird, hier einige Äusserungen, die im Umfeld dieser Persönlichkeiten bereits vorab verlautbart wurden.

Bevor wir am Schluss dieses Textes auf die beiden Antipoden Ballmer und Barroso zu sprechen kommen, zunächst einen Blick auf unseren Gast-Land-Vertreter, den franzöisischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Frau Dr. Merkel.

- Nicolas Sarkozy

Seine erste Video-Botschaft stammt aus den Weihnachtstagen des Jahres 2005 und stammt also aus einer Zeit, zu der er noch als Innenminister an seinem multimedialen Profil arbeitete. Loïc Le Meur, der zu diesem Interview ausgewählt und eingeladen worden war, berichtet in seinem Blog : loiclemeur.com/ vom 23. Dezember 2005, dass er bei diesem Anlass noch keinen Rechner auf dem Schreibtisch des Innenministers vorgefunden habe. Eine noch vergleichsweise harmlose Nachricht, wenn man diesen Eintrag - und die vielen vielen Reaktionen - mit dem vergleicht, was bis heute im Sarkostique-Blog in Text, Bild und Ton über den Präsidenten gelästert wird. [2]

Das Beste und in Frankreich Bekannteste satirische Konglomerat zum Thema Sarkozy und Software findet sich bereits auf der DaybyDay Website vom 9. Juni 2007 mit dem Titel: Plus rien à dire... und sucht nach wie vor seines Gleichen.

Umso mehr warten wir mit Spannung auf seine CeBIT-Ausführungen zu diesem Thema. Welche Mitgift wird er seiner "lieben Angela" mitbringen, nachdem sowohl Galileo als auch die gemeinsame europäische Alternative zu Google" gescheitert sind: Vielleicht einen Supercomputer - satt Blumen?

- Dr. Angela Merkel [3]

Laut einer Meldung des Chefs vom Dienst des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 01. März 2008, 09:52 Uhr, wird "Die Cebit [...] zeigen, was wir können".
Das zugleich mit dieser Meldung freigegebene Video-Podcast der Bundeskanzlerin ist zu finden unter der URL:
http://www.bundeskanzlerin.de/Conte... [4]

Wenn sie klug ist, wie sie die innerdeutsche Diskussion des ITK-Themas ihren Vorrednern überlassen, dem Ministerpräsidenten Niedersachsens

- Christian Wulff

und dem Präsidenten von BITK0M

- Prof. August-Wilhelm Scheer

und sich selber als die Schirmherrin des IT-Gipfels und Wegbereiterin der grossen Investionslinien ihres Kabinetts profilieren.

- Steve Ballmer

In einer dpa-Meldung vom 25. Februar 2008 [5] heisst es, dass der
Microsoft-Chef von einer zukünftigen Dominanz der IT-Branche durch US-Konzerne ausgehen würde. Dabei stehen diese Äusserungen nicht im Zusammenhang mit seinem CeBIT-Auftritt, sondern vielmehr mit dem nun unmittelbar bevorstehenden Launch der Windows Server 2008 Familie.

Das sogenannte Cloud-Computing werde künftig eine zentrale Rolle in der Informationstechnologie spielen, sagte der Chef des weltgrößten Softwarekonzerns. Beim Cloud-Computing werden größere Rechnerkapazitäten von einem einzelnen Unternehmen gebündelt und vermietet. Durch eine Verschiebung zu Cloud-Computing könnten Desktop-Rechner, Server und die zugehörige Ausrüstung, die viele Unternehmen momentan noch selbst betreiben, an Bedeutung verlieren.

Im Zuge der Veränderungen in der Informationstechnologie stehe nichts weniger als "die Art und Weise, wie Computer benutzt und eingesetzt werden" auf dem Spiel. "Doch wie immer, wenn es in dieser Branche zu grundlegenden Änderungen kommt, kann das auch zur _Gefahr werden, wenn man sich nicht schnell genug bewegt."

Die dpa bezieht sich mit diesen Zitaten auf ein Interview in der "Financial Times" vom Montag, den 25. Februar 2008. [6]

Das Rennen um die nächste Computing-Generation würden eine geringe Zahl jener dominater Technologiekonzerne ausmachen, die derzeit dabei seien, riesige Datenzentren aufzubauen und zu betreiben.
Die Namen sprechen für sich selbst: Amazon, Google, IBM, Oracle und "natürlich" auch Mircrosoft. "Wir haben gesagt, dass wir einen haben werden", so Ballmer laut dpa.

Strategiewechsel in Redmond: Microsoft will Software-Geheimnisse lüften
NETZEITUNG DEUTSCHLANG vom 21. Februar 2008, 20:49 Uhr

In dieser aus dpa- und ap-Quellen gespeisten Meldung wird berichtet, dass sich Steve Ballmer zur Öffnung des Konzern in viererlei Richtungen entschlossen habe:
1: Mit offenen Verbindungen solle die die Übertragbarkeit von Daten vorantreiben und gewährleistet werden
2: Industrie-Standards sollen umfassend unterstützt werden
3: Kunden- und Branchenanforderungen soll offener begegnet
4.: die Open-Source-Gemeinschaft solle nicht länger als Wettbewerber bekämpft werden.

«Diese Bewegungen sehen wir als wichtigen Schritt an. Sie zeigen einen signifikanten Wechsel, wie wir Informationen über unsere Produkte und Technologien mit anderen teilen», sagte Ballmer. Microsoft gehe diesen Weg aus eigenen Stücken.

- José Manuel Durão Barroso

wird sich sich darauf natürlich seinen eigenen Reim machen und das als das Ergebnis der wiederholt geforderten Offenlegung sogenannter Schnittstellen-Codes interpretieren wollen.

Schliesslich laufen seit Januar zwei neue Verfahren in denen es unter anderem darum geht, ob der Konzern Konkurrenten Informationen vorenthalten habe, die zur Entwicklung von mit Microsoft-Software kompatiblen Programmen benötigt werden. Der Europäischen Gerichtshof (EuGH) hatte zuletzt bereits im Jahr 2007 in diesem Sinne entschieden. Und am 27. Februar 2008 berichtet die NETZEITUNG in ihrem mobilen Newsticker um 11:35:54:
Bußgeld: Die EU-Kommission hat gegen den weltgrößten Softwarehersteller Microsoft ein neues Rekordstrafgeld in Höhe von 899 Millionen verhängt.
Insgesamt ist damit die Summe der bis dato verhängten Geldbussen auf einen Betrag von 1.68 Milliarden Euro angewachsen. [7].

Das Zauberwort der Zukunft heisst "Interoperabilität". Und EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ist gerade dabei eine wahrlich goldene Brücke zu bauen: Theoretisch hätte sie sogar eine Strafe in Höhe bis zu 1,5 Milliarden Euro verhängen können. Aber schliesslich habe man in Redmond erklärt, dass es hier um den "Schnee von gestern" ginge und dabei sei, alle im März 2004 erlassenen Wettbewerbsauflagen zu erfüllen.

Ob sich also Barroso und Ballmer heute die Hand reichen werden?
Wenn das wahr wäre, würde die CeBIT wahrlich einen historischen Wendepunkt markieren können.


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Nun, da Bilder bekannlich mehr sagen (können) als tausend Worte, wollen wir zur Eröffnung diese hier sprechen lassen. Und anstelle des offiziellen Eröffnungsfotos hier das pure "Photo-Call-Setting" (siehe oben). Und anstelle des "1.Reihe"-Bildes das entscheidende Bild vom elektronischen "Ribbon-Cutting" Dank der Microsoft "Surface"-Technologie...


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... die entscheidende Preis-Frage: welche Hand repräsentiert wen der hier oben namentlich erwähnten Personen?

Last - but by no means least - das Lieblingsfoto meiner KollegInnen, das zunächst gar nicht zur Veröffentlichung gedacht war: Beim Auftritt des französichen "Ministerpräsidenten" - so Prof. Scheer (sic!) [8]- ist alles anders als bei den anderen Rednern. Im Grossen wie im Kleinen.
Nicht nur, dass er sich mit im Humor verbrämten Häme Steve Ballmer zuwendet und ihm dafür Anerkennung zollt, dass er vier Technologie-Revolutionen überlebt habe, selbst sein Abgang ist bis ins Dateil vom Protokoll vorbereitet: Nachdem er sich ausdrücklich und nachrücklich für eine Liason von Staatsräson und nationaler Ökonomie ausgesprochen hat - Putin und Co. werden es ihm danken - tritt im Moment seines Abgangs einer seiner Militärs in Aktion. Um nichts anders zu tun, als sein Manuskript vom Pult zu nehmen und sicherzustellen.

Dieses Bild sagt uns in der Tat mehr als die tausend ins Deutsche übersetzten Worte des französischen Staatspräsidenten [9].


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Anmerkungen

[1NDR Online vom 21.02.2008 ab 10:22 Uhr

[2Für die, die französisch lesen können gleich ein weiterer Blog-Bericht aus jenen Tagen des Innenministers Sarkozy aus generationmp3.com vom 17. Januar 2006.

[3In der vergangenen Woche wurde am Donnerstag im Star-Quiz mit Jörg Pilava die Frage gestellt - und richtig beantwortet, was alle BundeskanzlerInnen der CDU bilang miteinander gemein hatten: es war der Doktortitel!

[5Montag, 25. Februar 2008, 13:25 Uhr
Microsoft-Chef erwartet künftige Dominanz der IT-Branche durch US-Konzerne

[6Microsoft predicts rise of the datacentre. By Richard Waters in San Francisco. Published: February 25 2008 02:00 | Last updated: February 25 2008 02:00

[7Zunächst hatte die Kommission einen ersten Betrag von 497 Millionen Euro eingefordert, danach nochmals 281 Millionen Euro.

Nach der Einleitung eines ersten Missbrauchverfahrens der EU-Kommission am 2. August 2000 kam es am 24. März 2004 zu einer ersten Verurteilung wegen Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung bei PC-Betriebssystemen in Höhe von 497 Millionen Euro.

Der Eil-Antrag des Konzerns auf vorläufige Suspendierung der Strafe wird am 21. Dezember 2004 vom damaligen Präsidenten des EU-Gerichts in erster Instanz, Bo Vesterdorf, abgewiesen. Mehr noch: am 22. Dezember 2005 stellt die EU-Kommission fest, dass Microsoft die Auflagen vom März 2004 nicht vollständig erfüllt habe und droht mit täglichen Bußgeldern von bis zu zwei Millionen Euro.

Es folgen am 30. und 31. März 2006 die mündliche Anhörung bei der EU-Kommission über die Erfüllung der Sanktionen und am 24. bis 28. April 2006 die Verhandlung im Luxemburger Prozess vor dem EU-Gericht Erster Instanz.

[8Und hier als Nachweis für diesen lapus linguae das von uns "Tuschelfoto" genannte Bild, in dem Sarkozy sogleich von diesem neuen Titel brandheiss berichtet wird...
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[9Wobei der Mann nicht nur weiss, was er sagt, sondern auch wie er das Gesagte zu präsentieren hat. Ganz bewusst wartet er, bis die Übersetzer die Zeit hatten, seine Wort zu übersetzen um vermittels dieser Kunst-Pause erst recht den von ihm erwarteten Applaus auszulösen. Dagen war sogar die nette verbale Botschaft eines "es darf ruhig geklatscht werden" von Frau Frau Dr. Merkel, das sie mit dem gleichen Ziel erfolgreich an die Zuschauer geschickt hatte - recht blass dagegen.


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