Du bist ja vielleicht ’ne Marke

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 18 Uhr 04 Minuten

 

"Die Marke", so Larry Light, "sagt zum Verbraucher nicht: ’Ich mache dieses Produkt für dich’, sondern sie sagt immer: ’Ich mache dir dieses Versprechen.’" Schließlich kommt auch der Kund nicht in den Laden, weil er etwa einen Staubsauger braucht - nein, er braucht einen sauberen Boden. [1]

Am Sonnabend, den 12. Januar 2008 wird der Versuch unternommen, diesem Wunsch in einem konkreten Fall zu entsprechen: Der saubere Boden wurde im letzten Jahr immer wieder unter Verwendung eines Wischmobbs hergesellt, der zusammen mit einem Stiel, einem Eimer und einem Einsatz für denselben - von der Firma VILEDA im Warenhaus Karstadt verkauft wurde.

Dieses vorliegenden Bild zeigt noch den Rest eines Aufklebers mit dem Namen dieses Warenhauses, der beim Kauf auf dem Stil angebracht wurde, damit der Kunde nicht von einem Hausdetektiv wegen der Verdachtes auf Diebstahl behelligt wird.

Das Bild zeigt auch, dass der Stil mit einem System versehen ist, das dafür gut ist, den Wischmobb nach längerem Gebrauch und Verschleiss gegen einen neuen auszuwechseln.


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Der Versuch, dieses an dem besagten Sonnabend zu tun, misslang.

1. Die Karstadt Warenhaus GmbH hat nach Auskunft des zuständigen Verkäufers in Berlin-Charlottenburg die Vertragsbeziehungen mit der Firma im letzten Jahr beendet und würde nur noch die Reste aus dem Bestand abverkaufen.

2. Das nächstliegenden Geschäft aus der Reihe der Geschäfte der BAUHAUS GmbH & Co. KG in der Wilmersdorfer Strasse führt diese Marke nicht.

3. Andere in der Nähe liegende Drogerieketten verkaufen zwar ebenfalls Wischmobbs, aber haben diese als eigene Hausmarken im Sortiment.

4. Im Warenhaus Woolworth dagegen wird die ganze Produktpalette aus dem Hause vileda angeboten.
Aber der dort im Regal eingehängt Wischmobbersatz ist nicht nur aus einem anderen Material gefertigt, sondern hat auch ein anderes System, um diesen mit dem Original vileda-Stil zu verbinden.

Was tun?

Die Website der Firma bringt Aufklärung: Es handelt sich bei diesem unpassenden Ding um den offensichtlich neu eingeführten "zukunftsweisenden Vileda SuperMocio Wischmopp", der samt Eimer ab Dezember 2007 als das "neue Vileda Markenprodukt [...] in Selbstbedienungswarenhäusern, Cash & Carry Märkten, Baumärkten und ausgesuchten Drogerie-Märkten erhältlich" sei. [2].

Der Kundenvorteil, so die Pressmeldung weiter, würde dabei im Fokus stehen, denn der "SuperMocio mit Power-Press®" würde "zum gleich bleibenden Preis wie das bewährte Vorgängermodell" angeboten werden.

Da das Leben und die alltägliche Arbeit nun wahrlich für andere Aufgaben genutzt werden sollten, als für das hier geschilderte Problem eine sachdienliche und ökonomisch vertretbare Lösung zu finden, wird die Suche nach einer Antwort auf die Frage, was denn nun die Nutzer des bislang verkauften Systems mit diesem nicht mehr erneuerbaren Wischmobb machen sollen, auf diesem Wege an die Pressestelle der Firma vildeda weitergeleitet.

Wird der Bitte um eine Antwort entsprochen, wird diese ebenfalls an dieser Stelle im Wortlaut veröffentlicht weden: Das ist unser Versprechen - das von "DaybyDay".

PS.

"Mit gezielter TV-Werbung in den Monaten Januar und Februar 2008 auf allen relevanten Kanälen ergänzt der führende Hersteller für mechanische Reinigungsgeräte seine öffentlichkeitswirksamen Kommunikationsmaßnahmen. "

Da offensichtlich die Einzelteile des "bewährte[n] Vorgängermodell[s]" nicht mit de neuen "lösungsorientierten Wischmoppmodelle[n]" kompatibel sind, sollte man sich zumindest eine Art Umtauschaktion überlegen. Denn auch das gehört sicherlich ebenfalls zu den angeblich so genau analysierten und erfüllten Verbraucherbedürfnissen. dass man sich nicht für dumm verkaufen lassen will.

Im "Marken A-B-C" des Hauses Karstadt ist die von vildea bereits ausgelöscht. Aber was, bitteschön, soll jetzt er einzelne bisher markentreue Verbraucher machen?

PPS.

Produzenten machen in der Regel zwei Versprechen - eines an den Endkunden, und eines an den Zwischenhändler. Wirklich starke Marken sind solche, die nicht nur der Verbraucher gerne kaufen möchte, sondern die auch der Handelspartner gerne anbieten möchte. [3]

Anmerkungen

[1Zitiert aus dem Electrolux WorkBook: Die Marke als Wachstumsfaktor. Siegern, November 2000, S. 8

[2Heraushebung durch den Autor

[3ebd.


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