Leben und Verfolgung

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 17 Uhr 58 Minuten

 

Es ist schon ein arges Stück, dass der Herausgeber gegenüber der Berliner Zeitung hat erklären müssen, dass er in Zukunft davon Abstand näme, aus dieser Publikation heraus noch grössere Anleihen für "DaybyDay" zu entnehmen.

Daher kann an dieser Stelle heute nur der Link [1]
auf die Seite 17 der Ausgabe vom 4. Januar 2008 eingestellt werden.

Dort erschien - von Thomas Rogalla verfasst - ein Text unter der Überschrift: "Besichtigung der eigenen Vergangenheit. Wolf Biermann besuchte mit seiner Familie das frühere Stasi-Archiv in der Normannenstraße" [2]

Damit der Leser zumindest weiss, worum es in diesem Text überhaupt geht, sei hier nur so viel zitiert:

"Biermann hat seine jetzige Frau Pamela, sein siebenjähriges Töchterchen Mollie und seine Söhne Lukas, der 19 ist, und David um sich, der in dem Jahr geboren wurde, als die DDR unterging. Was für David Geschichtsunterricht ist, ist für Wolf Biermann eine Reise in seine persönliche Vergangenheit. Zwar war er 1990 einmal auf dem Stasi-Gelände, um sich bei einer Aktion von DDR-Bürgerrechtlern für die Aktenöffnung einzusetzen. Aber hier im Gedächtnis des MfS, im Archiv, war er noch nie - obwohl etliche Regale mit "Operativen Vorgängen" über Biermann gefüllt sind."

So weit, so (un)gut.

Die interessante Frage, die sich bei einem solchen Artikel stellt ist die nachdem Schutz der Privatsphäre. Gewiss, auf der einen Seite ist WB. eine Figur des öffentlichen Interesses und seine Bespitzelung in der DDR war nun alles andere als eine Privatangelegenheit. Und es ist gewiss auch von allemeinem Interesse zu erleben, wie jetzt die Beschäftigung mit der so in mobilen Stahlschränken eingeräumten Relikten der Verwangenheit Gegenstand der aktuellen Beschäftigung und Vermittlung ist. Und dass ein Journalist bei dieser Vermittlung von Familien-Geschichte mit dabei ist wird sicherlich nicht ohne Zustimmung der Beteiligten stattgefunden haben.

Als Pendant dazu findet sich in der aktuellen Januar-Ausgabe des ebenfalls abonnierten "Cicero"-Magazins auf der Seite 60 ein Text von Frau Prof. Dr. Miriam Meckel, der - so der Abspann - bei "BildBlog.de" [3] erschienen war. Darin beschreibt sie ihre Rolle als "Fotoobjekt" der Begierde jener "Bastardgattung aus Voyeur, Privatdetektiv und Söldner".

Auf der Seite 61, rechts vom Text, findet sich dann ein Foto von MM. Und das ist auch gut so(weit) - ausser dass der Leser bzw. nicht erfährt, wer der Fotograf oder die Fotografin dieses Portraits ist.

Und damit gerät all das so gut gegen die schlechten Menschen gemeinte in ein seltsames Schräglicht: MM beschwert sich zur recht in ihrem Text darüber, dass die, die sie mit der Kamera verfolgen, weder bereit sind, ihren Namen zu nennen noch den ihres Auftraggebers. Auf ihre Frage: "Wer sind sie und für wen arbeiten Sie" erhält sie keine andere Antwort als "Sie kennen doch die Branche."

Das ist bitter, peinlich, ärgerlich und sicher ein echtes Movens, sich darüber in einem "BildBlog" persönlich zu äussern. Auch die Übernahme einer solchen O-Ton-Stellungnahme ins "Cicero" Magazin ist legitim. Aber dann mit etwas mehr journalistischer Sorgfalt. Bitte.

Nachtrag:
Ein aufmerksamer Leser hat sogleich bemerkt, dass im Zusammenhang mit diesem Text auch auf das Bild-Blog-"Original" [4]
verwiesen werden sollte. Recht hat er! Hier ist der Link:
- http://www.bildblog.de/2650/das-recht-am-fremden-bild

Anmerkungen

[2Dabei sei darauf hingewiesen, dass das in der Online-Ausgabe wie folgt unterschriebene Foto: "Lautenschläger Wolf Biermann betrachtet lederne Aktentaschen der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" des MfS. Besichtigung der eigenen Vergangenheit" nicht identisch ist mit dem in der Druckausgabe. Dort sind Vater und Sohn im Dialog zu sehe. Der Vater redet, der Sohn hört zu - und links von beiden gewährt das Foto einen Blick in die unendlichen Schluchten von mobilen Regalwandmetern.

[3ohne Angabe des Datums oder eines Links?!

[4BILDblog am 10.12.07 um 15:58 in: BILDblogger für einen Tag]


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