... die frohe Botschaft

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 17 Uhr 56 Minuten

 

In der Berliner Zeitung wird am 5. Dezember 2007 mit einem dpa-Titelfoto von Wolfgang Kumm aufgemacht, in dem man (links) den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Lokführer Deutschlands, GDL, Manfred Schell und (rechts) den "Bahnchef" [1]Hartmut Mehdorn sieht, während sie sich auf Gürtelhöhe die Hand gegeben haben.

Das Ganze steht unter der Überschrift

Weihnachten ohne Streik


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und schliesst mit dem Satz ab: "Nach Ansicht des Lokführer-Chefs Schell ist das ’die frohe Botschaft für Deutschland’ ".

Die Frage, die sich angesichst einer solchen Meldung stellt, ist eine doppelte: jede an einen der Herren.

- "Herr Schell, sehen Sie sich wirklich in der Rolle des weihnachtlich gestimmten Mannes der es meint für gerechtfertigt erachten zu können, dass Deutschland einer so frohen Botschaft wie der seinen bedarf, um sich darob in weihnachtlicher Vorfreude ergötzen zu können?"

- "Herr Mehdorn, was haben Sie angeboten, damit die zweite Tariferhöhung des Konzerns mit Wirkung ab dem 9. Dezember diesen Jahres ohne grösseres Murren wird akzeptiert werden können?"

Was für eine Doppelspitze der Entmündigung des christlich demokratischen Staatsbürgers: Verkündet denn die Frohe Botschaft wirklich niemand anders mehr als der Chef einer Gewerkschaft der Lokomotivführer und was ist mit den schlechten Nachrichten des von staatswegen eingesetzte Chef des grössten deutschen Logistikkonzerns?


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Für die Antworten müssen - einmal mehr - die Mitarbeiter an den DB-Verkaufsschaltern zur Verfügung stehen. Und die stöhnen inzwischen selber über die hohen Preise: so erlebt am Sonntagabend den 9. Dezember am Schalter eines Berliner Bahnhofs: Die einzige von der Steuer anerkannte und daher für diese notwendige Fahrpreisbescheinigung kostet Euro 7.50 pro Fahrt [2] Und der Preis für eine Reservierung in eine Richtung
 [3] wurde von Euro 3,50 auf Euro 5.- angehoben.

Der Höhepunkt war dann am 12. Dezember in einem Abteil der ersten Klasse auf dem Weg von Berlin nach Hamburg zu erleben: dort wurden Getränke am Tisch auf der Grundlage einer dort platzierten Preisliste angeboten, die im "Bord-Bistro" abgerechnet wird. Und nach der Bewirtung mit dem Gewünschten werden vom Kunden die höheren Restaurant-Preise abverlangt - und das, ohne ihn davor über diese Differenz zuvor informiert zu haben.


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Am 13. Dezember, auf dem Weg von Hamburg nach München, gab es in den Abteilen der ersten Kasse eine neue Broschüre mit den nun auch hier nach oben korrigierten Preisen.

Um einem die bittere Pille der doppelten Preiserhöhung zu versüssen, brachte dann jemand vom Service-Personal [4] ein Schächtelchen mit "2 Pralinen ohne Alkohol" vorbei.

Jetzt fehlten wahrlich nur noch die roten Schleifchen von Herrn Mehdorn und die weihnachtlichen Grussworte von Herrn Schell, um einem das Auspacken so richtig schmackhaft zu machen.

WS.

Anmerkungen

[1Wie es die Zeitung nennt

[2In diesen Bescheinigungen können nur direkte Hin- und -Rückfahrten erfasst werden, nicht jedoch "Gabelbuchungen". Für eine Hinfahrt von Hamburg nach München und eine Rückfahrt von München nach Berlin müssen zwei dieser Bescheinigungen erworben werden (sic!).

[3Werden in eine Richtung mehr als zwei Zügen genutzt muss für die Summe aller Reservierungen in die gleiche Richtung ein Betrag von Euro 10.- entrichtet werden.

[4Ob diese neu eingestellten Kräfte denn zumindest zum Mindestlohn für ihre Tätigkeit honoriert werden?


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