Auf der Überholspur ...

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 17 Uhr 27 Minuten

 

"Auf der Überholspur ..." so war bei der morgendlichen Begrüssung im Fahrstuhl zum Büro zu hören, "Auf der Überholspur gibt es keine Tankstelle".

Dieses Zitat ist sicherlich schon uralt und hat als solches keinerlei Neuigkeitswert.

Aber wenn Ihnen das am frühen Morgen kurz nach 7 Uhr vorgetragen wird, nachdem Sie erst die Nacht zuvor nach langer Europa-Reise wieder heimischen Boden betreten haben und einem von all den vielen Eindrücken und mitgebrachten Aufgaben noch der Kopf schwirrt, Sie noch gar nicht wissen, wo Ihnen überhaupt der Kopf steht, dann hallt ein solcher Satz ungewöhnlich lange nach.

Beschreibt er doch in fataler Weise Lebens- und Arbeitsverhältnisse, in denen die besonderen Risiken eines Erfolgswillens in eben so prägnanter wie kurzer Form wiedergegeben werden.

In dem sich anschliessenden kurzen Gespräch kam heraus, dass von dem Ehepaar der ebenfalls mitarbeitende Partner seit 7 Wochen erkrankt ist und jetzt fast die doppelte Arbeit von einer und dergleichen Person abzuleisten ist - was dann auch sogleich ohne weitere Worte den frühen Arbeitsbeginn erklärte.

Aber es gab ebenso schnell ein stillschweigendes Einverständnis darüber, dass auch die Überholspur allein nicht der Königsweg zum Erfolg sein muss. Es wäre wahrlich nicht das erste Mal, dass "man" eine Landstrasse mit einer Autobahn verwechselt habe oder dass "man" trotz gut gefülltem Tank plötzlich die Konzentrations-Kraft verlöre... - und so sind wir uns denn einig, dass die Verhältnisse zwar mehr als Alles von einem fordern, dass aber all dies mehr sein kann als das, was einem an Mitteln objektiv zur Verfügung steht. Auch dieses zu erkennen - und zwar rechtzeitig - und zu "beherzigen" - so der gegenseitig zugerufene Wunsch, mit dem man nach 20 Sekunden den Fahrstuhl-Dialog ausklingen lässt.

Die silberne Tür klappt wieder zu, das Gerät setzt sich erneut in Bewegung - und es geht noch weiter hoch, bis zu unserem Büro in der allerobersten Etage. Jetzt wird die Tür nochmals mit eigener Hand geöffnet. Und es fällt einem beim Rückblick in den Fahrstuhl-Spiegel Helmut Kohls Binsen-Weisheit ein: "in der Höhe wird die Luft dünn."


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