Ein Bahn-Bistro ist kein -Restaurant

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 17 Uhr 10 Minuten

 

Im ICE 582 wird als Aktion des Monats Oktober das „Halloween-Menü“ angeboten.
Dieses „Menü“ besteht aus einer Currywurst mit Brötchen und einem WAHRSTEINER Premium Orange.

„Genießen Sie“ so die Anzeige weiter, „ein frisch gezapftes WAHRSTEINER in allen Fernzügen mit Bordrestaurant oder Bordbistro.“

Der Versuch, sich dieses Angebot im Speisewagen servieren zu lassen, misslang. „Nein“, so die freundliche Antwort der Kellnerin, „ich habe diese Position gar nicht bei mir in der Kasse. Um das zu bekommen, müssen Sie ins Bistro gehen“.

Clever, die Bahn. Bier und Schweinefleisch ist was für die Plebs, und die sollen sich gefälligst an den Stehtischen treffen und unter sich bleiben.

Oder: Erste Klasse fahren. Die Zugbegleiter zumindest dieses Zuges wären auch gerne bereit gewesen, dem Gast diesen Gefallen zu erweisen. Denn: „So fühlt sich Klasse an“.

PS.: Nach dem Umstieg in den ICE 875 nach Berlin war dann in einer super-professionellen Ansage anstatt von einem -Bistro von einem „Board-Treff“ die Rede.

Hier ist ein Mann am Werk, der so gut ist, dass er an dieser Stelle ausdrücklich namentlich – und mit dessen Zustimmung – erwähnt werden soll: „M.Schreiber“ steht auf seinem silbernen Namensschild an seinem Revers.

Dieser Mann meint es gut – und redet gut: Was an seiner Ansage ankommt, das ist die klare Positionierung der von ihm angepriesenen Produkte und Dienstleistungen in einem verbal-empathischen Umfeld, das auf die aktuellen Gegebenheiten des Momentes Rücksicht nimmt: es ist Abend, es ist kalt draussen, man freut sich darauf, alsbald angekommen zu sein und hat die Möglichkeit, sich auf die Ankunft in dem positiv besetzten Umfeld „seines“ Restaurant-Wagens vorzufreuen.

Von einer solchen von einer persönlichen Note bestimmten und ohne falsche Eitelkeiten verfärbten Ansage könnte sich so mancher sogenannter „Profi“ ein gutes Stück abschneiden.

In dem gleichen Zug sitzt auch jene aus vielen TV-Krimis bekannte Schauspielerin, der es endlich und für alle mal gelungen ist tat- und spielkräftig unter Beweis zu stellen, wie fürchterlich falsch dieses Wort von der blonden aber alles andere als blitzgescheiten Frau sein kann. Es wäre wirklich interessant von ihr zu hören, ob Sie diesen hier aufgeschriebenen Eindruck teilt. Da aber gerade für Menschen, die „jeder“ kennt, gilt die Massregel: „anquatschen gilt nicht“, wird das wohl nicht in Erfahrung zu bringen sein - und der Leser wird sich mit der alleinigen Wohlrede des Autors begnügen müssen.

WS.


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