Krankheit als Luxus?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 17 Uhr 09 Minuten

 

Der hier beschriebene Fall ist noch harmlos. Aber es geht ums System.

Was ist eigentlich los, wenn man zum Arzt geht und einem nach der Visite erklärt wird, dass
- die Schmerzen nur unter Aufwendung von Eigenmitteln behoben werden können
- die Visite sich im Nachherein selber noch als kostenpflichtig herausstellt
- die aufgerufenen und bezahlten Kosten durch keinerlei Dokument belegt werden
- keine Heilmittelverordnung erstellt, sondern die Visitenkarte eines aus eingenen Mitteln zu finanzierenden Privattrainers überreicht wird?

Da sich der Autor dieser Zeilen einer durchaus guten Gesundheit erfreut und von daher auch so gut wie keine Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem in diesem Land hat und da dieses Thema zunächst einmal rein gar nichts mit dem Thema „Medien“ zu tun hat, sollen diese hier gemachten Beobachtungen zunächst auch nur als eine der Ausnahmen gelten, die die Regel dieser Publikation bestimmen.

Andererseits wird deutlich, dass es hier auch öffentlich einzugreifen gilt und diese Fragen so gestellt werden müssen: Wie viele Menschen sehen sich nicht in der Lage oder sind nicht gewillt, auf Umstände dieser Art ausreichend selbstbewusst und eloquent zu reagieren – mal ganz abgesehen von jenen, für die Geld eh’ keine Rolle spielt, oder aber jenen, die aus Geldnot sowieso nicht mehr zum Arzt gehen?

Auf jeden Fall wird durch diese sehr partielle und individuelle Erfahrung dennoch klar, dass hier ein Thema des öffentlichen Interesses vorliegt. Kann es wirklich sein, dass bereits bei einer Erstvisite durch den Arzt Leistungen erbracht werden, die zuzahlungspflichtig sind und von denen der / die Betroffene aber erst erfährt, nachdem er / sie das Behandlungszimmer wieder verlassen hat?

Sobald eine Antwort auf diese Frage vorliegt, wird sie hier an dieser Stelle auch mit Erwähnung finden.

Es geht nicht darum, Klage zu führen, zumal die Erfahrungen mit der diagnostizierenden Ärztin durchaus als positiv beschrieben werden können. Vielmehr geht es darum herauszufinden, welche Rolle der / die Hilfesuchende eigentlich einnimmt, wenn er oder sie schon finanziell weiter ausgenommen wird, bevor überhaupt der Grund des eigenen Hilfeersuchens hat erkannt oder behoben werden können?

Im Moment sieht es so aus, als ob es sich mit den angebotenen Leistungen so verhält, wie auch mit den lebenslang eingezahlten Beiträgen für die Altersversorgung: zum Sterben zu viel, zum Leben – und offensichtlich nun auch zum Gesundwerden – zu wenig.

WS.


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