Preview: An die Projektoren! [I]

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 17 Uhr 52 Minuten

 

Die DGB Technologieberatung e.V. hat sich entschlossen, noch in diesem Jahr im Rahmen seiner Betriebsräte-Seminarein das Thema:
Konsequenzen des digitalen Kinos für die Beschäftigten in
deutschen Filmtheatern

zur Diskussion zu stellen, und wünscht sich vor allem die Teilnahme von
Filmvorführer/innen.

Die Veranstaltung ist für die Zeit 11. – 13.12.2007 im ver.di-Haus am Ostbahnhof geplant.

Bei den vorbereitenden Planungen stellen sich u.a. folgende Fragen:

- Welche technischen Möglichkeiten bietet das
digitale Kino/ Digital Cinema heute und morgen?
- Welche neuen Angebote könnten auf Basis der
Digitalisierung für die Stellung des Kinos von
Bedeutung sein?
- Welches sind die Strategien der Filmtheater für die Einführung
des digitalen Kinos und ihres Marktzugangs?
- Welche Folgen sind für die Beschäftigten mit
diesen Strategien verbunden? Welches sind die Chancen, die Risiken, wie sehen die neuen Handlungsfelder aus?
- Gibt es Angebote und Möglichkeiten der Qualifizierung
und Arbeitsplatz-Sicherung für Filmvorführer und
andere Beschäftigte der Filmtheater?
- Welche Schritte der Beteiligung und Mitbestimmung sind möglich und nötig, sei es durch Tarifregelungen, oder Betriebsvereinbarungen?
- Wo gibt es Unterstützung für die Diskussion dieses Thema in der Politik?

In dem auch im Internet einsehbaren Einladungsschreiben [1] heisst es u.a.:

Das Seminar richtet sich an Betriebsräte deutscher Filmtheater. Auch Filmvorführer/innen können gerne teilnehmen.

Ende Juni 2007 hat die Arts Alliance Media (AAM) in Kooperation mit 2 internationalen Film-Verleihen beschlossen, ca. 7.000 europäische Kinos auf die digitale Projektionstechnik umzurüsten. Innerhalb der nächsten 5 Jahre ist damit ein flächendeckender Innovationsprozess in den Kinos und Filmtheatern abzusehen.

Besonders für die Filmvorführer wird der Wechsel von 35 mm-Filmrollen (o.ä. Formaten) auf digitale Projektions-Maschinen einen kompletten Bruch mit ihren bisherigen Tätigkeiten bedeuten. Er kann für viele das Ende ihrer bisherigen Aufgabe und evtl. ihres Arbeitsplatzes bedeuten, wenn sie nicht frühzeitig für den Einsatz der neuen Technik qualifiziert werden oder den Einstieg in eine andere Tätigkeit im ggf. neu zu gestaltenden medialen Veranstaltungsort Kino finden. Aber auch für andere Beschäftigte (z.B. in Buchhaltung oder Marketing) können bisherige Aufgaben wegfallen und evtl. neue Aufgaben entstehen. Schließlich stehen auch eine weitere Konzentration der Filmtheater-Branche und das ökonomische Aus für kleinere bzw. weniger „moderne“ Kinos zur Diskussion.

Der DGB Technologieberatung e.V. bietet daher in Kooperation mit dem ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg, Fachbereich 8 (Medien u.a.), in Berlin ein Seminar an mit folgender Zielsetzung:

Im Seminar sollen die treibenden Kräfte und die Konsequenzen dieser Entwicklung eingehend beleuchtet werden. Dabei sollen neben den Risiken (für die Filmvorführer und andere Beschäftigte) auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Filmtheater in neue Marktsegmente – und damit evt. neue Beschäftigungsmöglichkeiten – genauer eingeschätzt werden.
Weiterhin soll es darum gehen, die Einflussmöglichkeiten der Betriebsräte im Rahmen der Mitbestimmung zu konkretisieren, Qualifizierungsperspektiven für die betroffenen Beschäftigten zu prüfen und mit geeigneten Partnern Wege zur Sicherung der Arbeitsplätze im Rahmen dieses Umbruchs zu sondieren.

Fachleute aus den Bereichen Technik, Film-Verleih, Filmtheater und Arbeitsmarkt werden Informationen über technische Grundlagen, Distributions-Strategien und Markt-Potentiale aus erster Hand liefern und zur Diskussion über die technischen und strategischen Möglichkeiten des digitalen Kinos zur Verfügung stehen.

Dieses ist das erste Mal, dass von Seiten der gewerkschaftlich organisierten Mitglieder der Branche dieses Thema in einem solchen Rahmen aufgegriffen wird. Das Umfeld ist nicht einfach: Wie die Gewerkschaft ver.di in ihrer Nachricht Nr. 211 zum Thema: CinemaxX am 6. Dezember 2007 berichtet, soll es am Samstag auch in Berlin Proteste gegen die Niedriglöhne bei CinemaxX geben:
"Das Unternehmen CinemaxX ist 2004 aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten und zahlt seither nur noch Einstiegslöhne in Höhe von 6,50 Euro pro Stunde. Von dieser Unternehmenspraxis ist rund die Hälfte der 120 Beschäftigten am Potsdamer Platz betroffen. „Kunden erwarten Qualität und einen vergnüglichen Kinobesuch. Dies kann man wohl von Mitarbeitern mit 6,50 € nicht erwarten,“ so Dietrich Peters, zuständiger ver.di-Gewerkschaftssekretär. Peters weiter: „Ziel der Aktion ist es, die Kinobesucher über die Situation in dem Unternehmen aufzuklären.“

Heute und in den folgenden Tagen werden nun die Kino-Mitarbeiter sich ihrerseits darüber informieren können, wie es um die technische Zukunft ihrer Branche bestellt sein könnte - soweit ihnen denn die Teilnahme genehmigt - und das will sagen: bezahlt und als Fortbildung anerkannt - werden wird.

Anmerkungen

[1Da dieser Link nunmehr schon auf eine Folgeveranstaltung verweist, hat es sich als offensichtlich richtig und notwendig erwiesen, den Einladungstext zu dieser Veranstaltung an dieser Stelle als Zitat vorzustellen.


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