D-Cinema-Day @ IBC

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 16 Uhr 53 Minuten

 

Das hat es ja noch nie gegeben: die Ankündigung des D-Cinema-Konferenz-Programm-Tages ist bis zum Beginn der IBC nicht veröffentlicht worden - oder haben wir es nur einfach nicht gefunden?
Nein, sie wurde einfach nicht gefunden, da sie an einem Ort eingestellt worden war, der in keinem logischen Zusammenhang mit der Ankündigung des Thementages stand.
Schnell zugänglich war der Zugriff auf die IBC-Big-Screen-Seite und den in diesem Umfeld aufgelisteten Veranstaltungen sowie auf die Ankündigung des Thementages am Montag: D-cinema - the Big Screen is going digital

After several years of expectation and anticipation, the D-cinema revolution is firmly underway, with thousands of screens now showing digital movies. The big screen revolution is happening, both in public cinemas and private homes, with dramatically improved image quality over the analogue technologies that have served the entertainment industry so well for so long.

New transmission, storage and display technologies are changing the face of movie presentation in theatres, leisure venues and at home. Competition is hotting up in the markets for all consumer delivery formats.

How will public cinema react to retain and grow their markets? What influence will HD broadcasts, high definition DVD and affordable high resolution large screen television have on the movie-going tradition?

The theme day will bring together key leaders in the industry to present their views on the market opportunities in the coming years. We will review progress on standards and requirements, and bring together pioneers and pacesetters in a lively set of presentations and debates. We will focus on international deployments and 3D presentations.

The D-cinema theme day presentations will all take place in the RAI Auditorium – the IBC Big Screen, which provides the perfect opportunity to demonstrate state of the art equipment and examples of the very latest digital material.

D-cinema at IBC is more than just Monday’s theme day. Other sessions of special interest to delegates include special sessions hosted by the European Digital Cinema Forum such as the "Making Movies in 3D" Workshop on Sunday 9th and our now traditional feature length digital movies, as well as manufacturer presentations on equipment and systems.

Der Hinweis auf den eigentlichen Ablauf dieses Tagesprogramms war allerdings weit schieriger aufzufinden. Und da es auch Anderen so ergangen ist, wird das Programm hier nochmals zitiert - und weiter unten in einem Zehn-Punkte-Programm ein wenig auskommentiert.

The digital cinema experience: is it affordable enough for the big time?

Chaired by:
- David Hancock, Senior Analyst Film & Cinema, Screen Digest, UK
Participants:
- Chris Koppelmeier, Project Manager - Consultant, German Roll out FFA, Germany
- Lionel Bertinet, Deputy Director of the multimedia and technical industries department, Centre National de la Cinematographie, France
- Chuck Goldwater, President, AccessIT Media Services Group, USA
- Howard Kiedaisch, CEO, Arts Alliance Media Ltd, UK
- Bernard Collard, Senior Vice President - General Manager, XDC International, Belgium
The first wave of digital cinema installations is under way, with some 4000 screens already in operation worldwide. Many innovative exhibitors have started to convert to digital projection and report excellent results in box office revenues and new customers.

But for the most part progress in the international mainstream has been slower than expected.
This session reports on the current status. It brings together a panel to discuss both their national perspectives and the propositions that are available from companies aiming to provide d-cinema financing and services.


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Soweit der erste Programmteil als Zitat. Aus der eigenen Sicht der Dinge sollen hier die folgenden Anmerkungen hinzugefügt werden:

1. Fakt ist, dass nach wie vor die Digitalisierung der Filmdistribution zum Vorteil der Majors und ihrer Verleihfirmen sein wird. All die aktuellen Diskussionen und Ungereimtheiten im Verlauf dieses Umstellungsprozesse können darüber nicht hinwegtäuschen.

2. Fakt ist auch, dass sowohl die Kosten der Umrüstung als auch des laufenden Betriebes der neuen elektrotechnischen Geräte den bisherigen Rahmen eines Kinobetreibers sprengen, sollte er diese allein aus eigener Tasche bestreiten.

3. Dennoch findet die Digitalisierung statt, in den USA werden inzwischen mehrer Tausend Leinwände bespielt, in Europa mehrer Hundert (ca. 4000 in den USA, 250 in UK, 150 in Deutschland, 100 in Benelux)

4. In fast allen diesen Fällen werden die Neueinrichtungen nicht bzw. nicht vollständig aus „eigener Tasche“ gekauft, sondern von dritter Seite mitfinanziert – im Gespräch ist derzeit vor allem die „virtual print fee“ - und/oder geleast.

5. Dennoch bedeuten für viele Kinobetreiber selbst solche Angebote der „3rd Party Integrators“ – so wie sie hier in ihrer Rolle als „Pioniere“ oder „Siedler“ vorgestellt wurden – keine aus ihrer Sicht zufriedenstellende Antwort auf ihre Problem. Insbesondere deshalb nicht, da die finanziellen Erleichterungen einhergehen mit einer langfristigen Bindung, die mit Begriffen wie „Knebelverträge“ oder „Herabsetzung in den Stand eines Tankstellenbetreibers“ beschrieben werden.

6. Auch diese Diskussion hat bestätigt, dass diese finanziellen Beihilfen seitens der Studios und deren Verleiher nur dann geleistet werden, wenn damit sichergestellt werden kann, dass sie auch im digitalen Zeitalter eine vergleichsweise dominante Position einnehmen können, so wie sie sie vor dem Paradigmenwechsel innegehabt hatten.

7. Fakt ist heute, dass die Basis für diese neuen Entwicklungen in den USA gelegt, dort entwickelt und jetzt bis zur Reife von Standards vorangetrieben wird. Dieser Dialog bindet auch wichtige Kräfte in Europa und in Asien mit ein. Bemühungen, sich diesem Dialog zu entziehen oder auf eigene Standards zu setzen, werden keinen nachhaltigen Erfolg mit sich bringen.

8. Dennoch zeichnet sich ebenso deutlich ab, dass es neben diesem Standards und Verpflichtungen, diese einzuhalten, ein Vielzahl von anderen technischen wie programmlichen Quellen gibt, die sich nicht in dieses Schema werden einbinden lassen. Und es zeichnet sich ab, dass es alsbald mehr und mehr Projektoren geben wird, die neben den DCI-kompatiblen Quellen auch all dieses Material werden abspielen können. „ODS“, der einst als „Other Digital Stuff“ disqualifizierte „alternative content“ wird schon bald aus den Verwertungsszenarien auch der Majors nicht mehr wegzudenken sein.

9. Majors wie MGM und Disney haben begonnen zu verstehen, dass ihre Zukunft als „Hollywood“ nur dann gesichert werden kann, wenn sie sich neben dem klassischen Spiel-Film auch ganz neuen Möglichkeiten der Kinoauslastung zuwendet, wohl wissend, dass sie auf diesem neuen Terrain mit ganz anderen Content-Anbietern zu tun haben: von den Broadcastern über die Eventveranstalter bis hin zu den Game-Factories und Special-Interest-Groups.

10. Und dennoch, allein die Vorstellung, dass man in Zukunft sein Filmlagerungs- und Ausspielungs-Anlagen in der digitalen Welt mindestens zweimal im Jahr einem nachhaltigen Update- und Upgrade-Vorgang wird unterziehen müssen, bleibt für viele nach wie vor ein Alptraum. Und da Schlafentzug auf Dauer auch nicht das probate Mittel ist, sich diesem entziehen zu wollen, setzt man zumindest auf die öffentliche Hand als Förder-Mittel-Quelle. Aber selbst dann, wenn es solches Geld gegeben hat in den UK, oder noch geben wird, in Deutschland, muss klar sein, dass man damit letztendlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat. [1]

3D, a new dimension in cinema, part 1 - creating the content: the opportunities, challenges and issues

Chaired by:
- Loren Nielsen, Co-Founder and President, Entertainment Technology Consultants, USA

Participants:
- Steve Schklair, Founder & CEO, 3ality Digital Systems, USA
- Vince Pace, CEO, PACE, USA
- Robert Neuman, Stereoscopic Supervisor, Walt Disney Animation Studios, USA
- Phil Streather, CEO, Principal Large Format, UK

3D is causing a big buzz in digital cinema - it is on everyone’s agenda in some form. What is it all about? Why the fuss - surely we have seen this before? Can it really move into the mainstream of storytelling and engaging cinema?

The current generation of 3D d-cinema systems should more properly be called stereoscopic because they deliver separate images to each of the viewer’s eyes via special over-glasses. The observer then perceives a very compelling 3D experience.

In this session we look at the 3D process, drawing on the knowledge and experience of those who have been creating the movies as well as those developing the technologies to support them. The session will include special demonstrations to show the effect of different live capture techniques.

We will also look at recent examples of work produced by people at the cutting edge of these new techniques. Delegates will get a first hand feel of the processes and be able to talk to pacemakers in this hot area of creativity.

3D, a new dimension in cinema, part 2 - delivering the show: the presentation technologies, how they work and how they compare

Chaired by:
- Howard Lukk, Vice President of Production Technology, The Walt Disney Company, USA

Participants:
- Charlotte Jones, Analyst & Author of ’The Business Case for Digital 3D cinema Exhibition, Screen Digest, UK
- Joshua Greer, President & Co-Founder, REALD, USA
- Richard Welsh, Manager, Digital Cinema Services, Dolby Laboratories, UK

Nothing is hotter in d-cinema than the new opportunities that 3D presentation offer. But is it a real business or just a demo-fest?
This session follows on from the previous panel in the theme day programme. Here we turn to the commercial aspects of 3D cinema.

What are the additional costs and requirements? How much 3D content will be available? Is this a sustainable progression or just a fad of the moment? What are the user reactions, and are they comfortable with the experience? Is it exciting, exhausting or stressful in a full-length movie? Will studios be motivated to make 3D releases without 3D DVD and television after-markets?

These are just some of the questions we will be putting to leaders in the field. And again we will use the big screen to demonstrate the full 3D experience.


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Im Verlauf dieser beiden hier angekündigten Gesprächsforen ergaben sich alternative Möglichkeiten für vier- und sechs-Augen-Gespräche mit Personen, die sich durchaus zu dem „inner circle“ dieser Gruppe von Fachleuten hinzuzählen durften, die sich aber ebenfalls um dieses 3-D-Thema nicht so sehr den Kopf zu machen interessiert waren.
Bei aller Attraktivität dieses Themas, so war mehrfach zu hören, sei dieses noch eine Mitgift aus der analogen Zeit an die digitale, die sich nach der Verkoppelung des Kinos mit dem Computer und den Netzwerktechnologien vielleicht endlich entfalten mag, ohne aber dass dadurch schon ein nachhaltiger Fortschritt für das Kino der Zukunft erreicht worden sei.
Es sei offenkundig, dass man mit dem 3D-Thema endlich eines jener Trojanischen Pferde gefunden zu haben glaubt, auf dem die Digitalisierung der Leinwände als unwiderruflicher Schritt auf eine allseits beeindruckende Art und Weise durch das globale Dorf werde getrieben werden können.
Aber in Wirklichkeit bräuchte es für das neue Kino auch neue Leute und nicht länger nur jene, die man nun schon seit Jahren immer wieder auf dem Podium gesehen habe. Nein, da würde man lieber die Gunst der Stunde nutzen und sich mit anderen Gleichgesinnten verständigen wollen.
In einem dieser Gespräch kam es sogar zu einer Wette, wonach auch in den Folgejahren die aus dem alternativen Content generierten Mehrwerte immer noch höher sein werden, als jene Gewinne, die sich auch der Ausspielung von 3-D-Filmen werden ausweisen lassen.

D-cinema - the big screen is going digital
The ultimate d-cinema Q & A: an interactive panel on the future of digital cinema

Chaired by:
- David Monk, CEO, European Digital Cinema Forum, UK

Participants:
- Drew Kaza, Head of Digital Technology, Odeon and UCI Cinemas Ltd, UK
- Antoine Virenque, Secretaire General, Federation Internationale Des Association de Distributeurs de Films, France
- Christine Costello, CEO, More2screen, UK
- Robert Kisor, Vice President, Engineering and Technical Services, Paramount Pictures & SMPTE, USA
- Wes Stalcup, Manager, DLP Cinema Market & Business Development, Texas Instruments Inc, USA
- Jerry Pierce, Chairman, ISDCF, USA
- Albert Barton, VP Digital Cinema Technologies, Sony Pictures Entertainment, USA

How will the international market develop? Do we have a competitive package for exhibitors? Is 3D the killer application that is the catalyst for broad deployment?
Are the studios producing content for the international markets? Can cinemas sell non-movie content? What about the smaller and second-run operators - can they make the change to digital?
Can cinemas survive with shrinking DVD windows and competition from home cinema and high definition DVD players?
What are your questions about this new technology and business development? Get them answered in this session, dedicated to your questions, not ours!


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Nachtrag vom 11. September 2007

Anstatt über die hier gestellten Fragen Bericht zu erstatten soll viellmehr auf die Pressekonfernz des nachfolgenden Tages hingewiesen werden.
Nach den Ausführungen des IBC-Chefs Mike Crimp - „an outstanding success“ - habe es sich bei dieser Veranstaltung der erfolgreichsten seit der gesamten Zeit der 40 Jahre gehandelt. Und John Holton unterstreicht diese Aussage noch, indem er darauf hinweist, dass die Anzahl der vorausgebuchten Quadratmeter die aus dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum schon jetzt erheblich übertroffen habe.

Ob es denn wirklich nur um die Menge der verkauften Quadratmeter gehe, so die Frag -, und das in einer Zeit, in der zunehmend auch die virtuelle Präsenz und Partizipation an einer Messe ein Rolle spielen könne? Dieser Frage wird zugestimmt und angekündigt, dass man es sich zur Aufgabe machen würde, hieran zu arbeiten, dafür Sorge zu tragen, dass diese Veranstaltung nicht nur in diesen realen Bezügen wachsen würde.

Warum man denn nicht dieses Motto von den 40 Jahren IBC genutzt habe, um in diesem Kontext nicht nur auf die eigenen Erfolge zu verweisen, sondern auf diejenigen der Aussteller – und hier zuförderst jener, die von Anfang an dabei gewesen waren. Auf diese Frage musste der Veranstalter passen und zugestehen, dass man sich hier nicht allzu weit nach hinten hinausgelehnt habe. Die Idee, dass erst eine ausführlichere Beschäftigung mit diesem Thema die Basis dafür bietet um auch die Leitlinien für die Zukunft erkennen zu können, findet zwar durchaus Anklag. Aber der Mut, daraus auch ein Konzept zu bauen, oder dazu ein Panel zusammenzustellen oder eine Publikation zu verfertigen oder einen Exkurs auf der Website - auf diese Idee ist keiner gekommen.


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Und - im Gegensatz zum EDCF-Meeting, das zur gleichen Zeit am gleichen Ort stattfand - wurde an dieser Stelle der Toten des 11. September gar nicht gedacht. Und auch der Verweis auf den in diesem Jahr nicht mehr anwesenden - weil unerwartet verstorbenen - Richard Suter fiel eher kanpp aus.

In der ersten Reihe anwesend waren also neben dem Chef nur John Holton und Phil White, der auch für den bereits nach London zurückgekehrten Martin Salter eingesprungen war.
Interessant allerdings, dass auch von den Journalisten der Besuch eher schwach bis mässig eingestuft werden muss. Warum eigentlich? Gäbe es hier doch die exklusive Möglichkeit die Verantwortlichen der Show direkt und unmittelbar zu fragen: on- & off-the-record.

On-the-record: Erstaunlich war, dass auch die Frage nach dem zukünftigen Standort der NAB öffentlich gestellt und beantwortet wurde.
Ja, so hiess es, man sei gerade jetzt einmal wieder dabei zu evaluieren, wo man mit der Show in Zukunft bleiben werde. Andererseits sei aber auch klar, dass für die nächsten zwei Jahre Amsterdam als Standort noch feststehen würde.

Off-the-record: Beim nachfolgenden Umtrunk kam bei den Journalisten die Frage auf, ob nicht Hannover eine Alternative ab 2010 sei. Die Antwort war einhellig: Hannover, in dieser Stadt und mit diesen Preisen nochmal fünf Tage leben zu müssen - nein, dann wolle man doch lieber auch weiterhin nach Amsterdam fahren.

PPS:

Am nachfolgenden Mittwoch, den 12. September 2007, wurde in den vormittäglichen Nachrichten des rbb-Kulturradios vermeldet, dass die Niederlande inzwischen England als den begehrtesten Studienstandort, insbesondere für Ökonomie und Jura, abgelöst habe...

Anmerkungen

[1Originalton Goldwater: „It’s all a matter of maths“…


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