NAB_08 (VII)

VON Julie ColombetZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 20 Uhr 33 Minuten

 

The NAB [1] Show has taken place April 11 - 17, 2008 in Las Vegas. It is the world’s largest electronic media show covering the development, delivery and management of professional video and audio content across all mediums.

Fly’n in – fly’n out… [2]

Rückblick auf eine Woche NAB – das ist fairer, als wenn hier stehen würde: eine Woche in Las Vegas. Rückblick auf eine Woche, in der alles war – wie immer: der Sonnenschein, die schon fast frühsommerlichen Temperaturen, die Nächte, die sehr kühl werden können. Und die nach wie vor überaus frostigen Temperaturen in den Messehallen und –Räumen. Ein Luxus, den man braucht, wenn man in der Wüste leben und arbeiten will. Und auch eine Qual zugleich, wenn man sich an diesen eiskalten Jetstream nicht gewöhnen kann. Also, wie immer, die „Standardausstattung“ mit einer extra wollenen Weste und einer gefütterten ärmellosen Jacke, die man sogar unter der Anzugjacke tragen kann…

Und dann gibt es doch Veränderungen. Grosse als auch im Detail: Das Nachbarhotel in Jean, das einst den Anlass gab, dort mit einer Mooney den kleinen Flughafen anzufliegen, „Nevada Landing“ genannt, ist inzwischen abgerissen. Nur noch ein grosses nunmehr nicht mehr illuminiertes überdimensionales Schild erinnert an den ehemaligen Gebäudekomplex. Das Personal wurde entweder entlassen oder in das Nachbarhotel übernommen. Die Deutsche, die dort einst arbeitete, hat bei dieser Umstrukturierung ihren Arbeitsplatz verloren. Aber sie ist –wie in einem hier nachfolgend geschilderten Gespräch zu erfahren war – inzwischen in einer Schule untergekommen und dort mit ihrer Arbeit durchaus zufrieden, zumal sie nun endlich die Wochenenden frei habe; an jenen Tagen eben, in denen man im Hotel am meisten gebraucht wird.

Jetzt arbeitet in der Gambling Hall eine andere Frau, deren Vornahmen ebenfalls mit C anfängt. Und die, wann man in ihr Gesicht schaut, nicht ansehen würde, dass sie je etwas anderes gewesen war als eine Amerikanerin. Dass dem aber eigentlich doch nicht so sei, sagt sie nicht nur, sondern versucht es auch zu begründen. Die Verpflichtung immer für den Gast zu sein und ihm am besten schon vorsorglich seine Wünsche von den Augen und aus seiner Haltung abgelesen zu haben, das habe sie noch in Deutschland gelernt und sei hier in Las Vergas eher die Ausnahme als die Regel. Willkommen geheissen zu werden wolle eben noch lange sich sagen, dass man auch wirklich das Gefühl hat, willkommen zu sein.

Aber es gibt auch andere „kleine“ Veränderungen: die dritte Spur auf der A 15 North in Richtung Vegas ist inzwischen fertig gestellt. Im Las Vergas Hilton gibt ist an der Coffee-Bar keinen freien WiFi-Zugang und damit auch keine Möglichkeit mehr, online bei seiner Fluggesellschaft kostenfrei einzuchecken. Dafür gibt es neue Hotels: den TRUMP-Tower und THEHotel. Und auch das Outletcenter ist um einen Annex erweitert worden. Überhaupt: Das Outletcenter. In diesem Jahre war nach so vielen Besuchen aufgrund eines geplatzten Termins erstmals die Möglichkeit, dorthin für eineinhalb Stunden einen Abstecher zu machen. Allein die Grösse des gesamten Areals ist geradezu um werfend und von einer Gigantomanie, die man sich nicht einmal in seinen Träumen wirklich hätte ausmalen können. Selbst um von einem Ende bis zum anderen gelangen, braucht man das Auto, oder eines der zahlreichen Taxis, die auf Kunden warten. Wie gut, dass nur so wenig Zeit war und der Einkauf auf eine einzige Marke beschränkt. Allein der Besuch in bei dieser einen Turnschuhmarkenabverkaufsstation bedurfte unendlich viel Zeit, da die „Qual“ der Auswahl aus den unterschiedlichen Schuh-Designs alles übertraf, was man je in Deutschland in jedwedem noch so grossen Spezialgeschäft hätte erleben können.

Veränderungen gibt es aber auch auf der NAB. War es vor wenigen Jahren noch fast eine kleine Revolution, dass erstmals der CEO einer Telefongesellschaft die opening-key-note hält, wird in diesem Jahren neben den vielen anderen Konferenzen erstmals auch eine eigene Veranstaltung unter dem Titel „Telecom 2008“ ausgerichtet. Mehr noch. Auf der diesjährigen Veranstaltung sind die „traditionellen Broadcaster“ angeblich nur noch mit einem Anteil von unter 25% vertreten. Mit der Telekommunikation sind auch alle damit im Zusammenhang stehenden Dienste und Themen Gegenstand der Konferenzen, der Gespräche und der Ausstellung: von der Breitbandkommunikation – vom „Hulu“-Chef als in den USA als eine der am wenigsten ausgebauten auf der Welt gebrandmarkt – über die „all-IP-Solutions“ bis hin zu alle den neuen mobilen Diensten, die nun nach und nach im Frequenz-Bereich ab 700 Mhz eingerichtet werden sollen. In einer der Reden wurde sogar schon angeregt, dass man doch beginnen solle darüber nachzudenken, ob man nicht den Namen der NAB selber angesichts der noch folgenden Veränderungen nicht irgendwann erneuern sollte – und nicht nur das Logo und Erscheinungsbild wie jetzt auf dieser Messe überall gesehen werden konnte
(Wie wäre es also mit: INAPC statt NAB: Inter-National Association of Professional Communicators ;-).

Und der Anteil der internationalen Beteiligung sei so hoch gewesen wie noch nie, so der Presse- und Kommunikationschef auf dem Presseempfang, der den besonderen „Charme“ hatte, erst am gleichen Tag angekündigt zu werden und sich dadurch auszeichnete, so schlecht besucht zu sein wie nie zuvor: welch ein Glück für diejenigen, die in der Verlosung – Raffle genannt – drauf erpicht waren, das einzige im Angebot befindliche HD-Radio gewinnen zu wollen. Auch den „grossen“ Internationalen Empfang gibt es nicht mehr, stattdessen wurde dieses Event auf mehrere Tage verteilt in eine der Ausstellungshallen verlegt – und auf die eigene Teilnahme daran verzichtet. Auch der Sponsor der „International Lounge“ ist nicht mehr T-Systems Media&Broadcast, sondern NHK. Und der Versuch mit der Chefin der Abteilung ins Gespräch zu kommen – und mit ihr über das nabeurope-Konzept zu sprechen misslang gründlich. Drei Versuche, einen Termin zu fixieren, gingen nicht auf. Und auch ein Rückruf auf der hinterlassenen T-Mobile-Nummer kam nicht zustande.

Überhaupt: die Telefon- und Datenverbindungen waren leider nach wie vor nicht die Kommunikations- und Informationsquelle, die notwendig gewesen wären, um die Kontakte im eigenen Umfeld zuverlässig und konsequent pflegen zu können. Verbindungen konnten nicht richtig aufgebaut werden oder brachen ab, bevor man sie selber hätte beenden wollen, Textmessages, also SMS-Nachrichten aus dem US-Netz kamen überhaupt nicht an – womit zunächst beiderseits nicht gerechnet worden war und was dazu führte, dass ein wichtiger Business-Termin nicht zustande kam, da jeder auf den anderen gewartete hatte, ohne eine Möglichkeit zu haben, sich zielführend „zusammenzutexten“ – und Datendienste konnte oft gar nicht oder nur sporadisch aufgebaut und zum Einsatz gebracht werden. [3] [4]

Bleibt schliesslich im Rückblick noch der Hinweis, dass es einmal mehr eine Woche voller Sonnenschein gegeben hat, von der man erneut nur auf dem Weg zwischen den Messehallen hat Kenntnis nehmen können.

Anmerkungen

[1The National Association of Broadcasters is a trade association that advocates on behalf of more than 8,300 free, local radio and television stations and also broadcast networks before Congress, the Federal Communications Commission and the Courts. Information about NAB can be found at www.nab.org.

[2DIESR NACHFOLGENDE TEXT ENTSTEHT AUF DER RÜCKREISE VON LAS VEGAS UND WIRD ALS DRAFT IN CHICAGO AM FLUGHAFEN EINGEFÜGT.

[3Ja, die T-Mobile web’n walk – Karte konnte zwar ein T-Mobile-Netz technisch identifizieren um dann dem Nutzer darüber Auskunft zu geben, dass es sich dabei nicht um einen eigenen Netzpartner handeln würde. [BILD] Und dabei ist im Vorfeld der Reise alles nur erdenkliche unternommen worden, um eben genau solche Probleme auf ein Minimum zu begrenzen – ein verdammt grosses „Minimum“…

[4Das Ganze würde hier vielleicht gar nicht Erwähnung finden und in der List der üblichen Ungereimtheiten abgelegt worden sein, wenn man nicht in Deutschland die Hutzpe hätte, sich so frech wie schlecht mit so vielen zumeist US-amerikanischen Buzzwords in der deutschen Telekommunikationswelt gegenüber dem Endkonsumenten aufzuspielen um dann nicht in der Lage ist, das in der Auswahl der Sprache signalisierte „fullfillment“ auch dort, wo diese Sprache wirklich gesprochen wird, unter Beweis zu stellen.


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