Bremen <-> Berlin

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 15. Januar 2015 um 16 Uhr 30 Minuten

 


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Hier ein Blick auf die Kirchturmspitzen des St. Petri-Doms (links) und der Unser Lieben Frauen Kirche (rechts) in Bremen, aufgenommen unmittelbar vor dem Eingang des Staatsarchivs

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Hier öffnen sich einem Tür und Tor, wenn es darum geht, hinter die Dinge zu schauen und Fragen zu beantworten, die sich nur durch in der Vergangenheit nicht Vergangenes auflösen lassen.

Es geht und die Bedeutung und Wirkung von Kirchenfenstern

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in der Liebfrauen-Kirche (oben)
und im St.Petri-Dom (unten),

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wo die gegenständlichen,

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die abstrahierenden

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und die bislang "unverbilderten" Fenster besichtigt und vermesssen werden.

Wenn es wirklich so ist, dass auf diesen Dom-Fenstern die dort noch vor dem Kriege dargestellten Bildergeschichten einst so wahrgenommen wurden, wie heute die Bewegtbilder auf der Mattscheibe des Fernsehers [1] warum könnte es man dann nicht einmal wagen, die bislang matten unbebilderten Scheiben dieser Kirche als Projektionsflächen für jene Bilder zu verwenden, wie wir sie heute auch im Fernsehen wahrnehmen können? [2]

Ein solches "Son et Lumière"-Ereignis würde weder an der Notwendigkeit scheitern, die Fenster von aussen des Nachts zum Leuchten und zum Sprechen zu bringen, noch an den fantastischen Möglichkeiten, die die Musikinstrumente und ihre Interpreten innerhalb des Doms anzubieten hätten. Die Herausforderung dieser Aufgabe wäre vielmehr, die Orgelklänge und Fensterbilder als gleichberechtigte Partner so ins Spiel zu bringen, dass sie - jedes Ereignis für sich und ebenso beide zusammen - eine eigene authentische und für das Publikum nacherlebbare Inszenierung zu Wege bringen. [3].

Das Ganze wäre ganz bewusst als ein Ereignis angelegt, das sich nur in der Nacht abspielt und ganz bewusst auf ein junges - und ein "junggebliebenes" - Publikum abzielt: Wobei sich die Assoziationsketten im derzeitigen Stadium eines "status nascendi" noch von "buzz-words" der alten wie der jungen Welt ausspannen lassen, von eine von "Mitternachtsmesse"bis hin zur "chill-out-church" - auf jeden Fall sind die ersten Reaktion auf diese Idee vor Ort derart "beflügelnd", dass es Sinn zu machen scheint, dieser Eingebung konsequent und offen für weitere Anregungen nachzugehen.


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Zurück in Berlin werden Fragen dieser Art weiter vorangetrieben werden: Während der all-tägliche Blick aus dem Büro über den Monitor immer wieder auf die Kirchturmspitze der benachbarten Trinitatis-Kirche fällt.

Dabei wäre es sicherlich hilfreich und befruchtend zu sehen, wenn die hier in Berlin geborene und bereits 1999 mit inszenierte Lange Nacht der Museen als Idee aufgegriffen werden würde - und zwar aus Anlass des Kirchentages in Bremen im Mai anno 2009.

Nachtrag 1:
Die Online-Einladung zum Kirchentag in Bremen kann bereits als MP4-Stream abgerufen werden unter:
http://www.kirchentag2007.de/bremen/DEKT09.mp4

Nachtrag 2:
Wer auch immer diese Seite gelesen oder die gleiche Idee von einer Langen Nacht der Kirchen [4] gehabt haben mag. Das hier angesprochene Thema ist inzwischen Teil der Agenda!
Jetzt aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kollegen, Freunde und Mitstreiter im Geiste: "Butter bei die Fische"!

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Anmerkungen

[1An dieser Stelle gab es bisher eine Wiedergabe des Interviews von Stefan Koldehoff mit Prof. Dr. Wulf Herzogenrath in der Sonntags-Sendung "Kulturfragen" des Deutschlandfunks vom 10.06.2007 ab 17:06 [Länge: 23:16 Minuten]:
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2007/06/10/dlf_200706101706.mp3
Du sollst Dir kein Bild machen
Gespräch mit Wulf Herzogenrath über Kirche und Kultur anlässlich des Kirchentags in Köln

"Eine zunehmend wichtige Rolle spielen dabei Kunst und Kultur. In einem jeweils eigenen Kulturprogramm versuchen die Kirchentage, alle zwei Jahre neue und alte Glaubensformen auch visuell über Kunstwerke zu vermitteln - wie es in der Kirche eine jahrhundertelange Tradition hat. Mitverantwortlich für das diesjährige Kunstprogramm des Kirchentages ist der Direktor der Bremer Kunsthalle, Wulf Herzogenrath."

Da der Link "http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2007/06/10/dlf_200706101706.mp3" zu dieser Sendung von Seiten des Senders nicht mehr zur Verfügung gestellt wird, ist auch nicht geklärt, ob dieses Audio-Zitat an dieser Stelle noch weiterhin öffentlich zur Verfügung gestellt werden darf oder nicht.

Und zugleich erleben wir damit einmal mehr, was mit dem Inkrafttreten des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages die Norm sein soll: mit dem Hinweis auf den sogenannten "Sendungsbezug" [sic!] geht es um das systematische Abschalten der öffentlichen Wahrnehmung und Darstellung von Fragestellungen, die "über die Zeit hinaus" gehen. O tempora - o mores!

Womit wir ganz direkt, wieder bei "unserem" Thema angekommen sind. Wie können Geschichten in Bilder und Tönen erzählt werden, wenn sie nicht auf Kirchenfenstern "verewigt" worden sind?

Die Antwort: im Rahmen der aktuellen medienpolitischen Diskussion vernichtet die Politik heute schon "Geschichte" selbst, im Rahmen der Kirchenfenster war es "der Krieg".
Und in dem wir diese seit dem zweiten Weltkrieg so verbliebenen Fenster während einer Nacht wieder "bespielen", erinnern wir an diese Zeit, die die Allermeisten der in dieser Nacht Anwesenden nicht mehr erlebt haben werden und setzen sogleich ein Zeichen, das - gerade in seiner Vergänglichkeit und Einmaligkeit - einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen in der Lage wäre.

[2Am gleichen Tag, dem 10. Juni 2007 erschien auch ein Interview mit Prof. Dr. Peter Weibel, u.a. Mitglied des Vorstandes des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe zu dem Thema: "Kirche muss vom Web 2.0 lernen."

[3Eine Aufgabe, die es schon vor gut 40 Jahren im Zusammenspiel mit Bands wie Cream und Soft Maschine zu bewältigen galt. Siehe dazu auch den Eintrag vom 6. Mai 2005

[4Der hier angesprochene Link "http://www.kirchentag.net/index.php?id=938" ist inzwischen nicht mehr gültig.


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