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Digitale Souveränität und Resilienz: Notate eines Gesprächs

Montag 16. November 2020, von Dr. Wolf Siegert

Dieser Beitrag schliesst an an die Kommentierung der vorangegangenen ersten Ringvorlesung an der Univesität Potsdam vom Montag, den 9. November 2020: Ab heute: "Digitale Souveränität und Resilienz".

Die Ankündigung zu diesem Tag lautete schlicht und einfach:

16.11. Christinan Ehler (EdEP), Thomas Heilmann (CDU), Gyde Jensen (FDP),Malte Spitz (Grüne), Falko Mohrs (SPD) – Welche politischen Herausforderungen verursacht und welche Maßnahmen für digitale Resilienz und digitale Souveränität erfordert die Corona-Krise ?

Nachfolgend dazu nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein elektronischer Notizzettel mit einigen während des Gesprächsverlaufs entstandenen Aufzeichnungen [1].

Tim Stuchtey:
Eröffnung zum Thema DS (= Digitale Souveränität)

Christian Ehler (EdEP):
— Juncker sprach zur Eröffnung von einer politischen Kommission.
— v.d.Leyen sprach zur Eröffnung von einer geopolitische Kommission.
— Polen definiert die Frage nach DS im Nato-Kontext, andere aus EU-Sicht.
— es gibt ca. 300 Milliarden Euro im Umfeld dieses Themas, darunter 1. Milliarde für den Quantum Computer.
— Es geht immer wieder um das Thema der strategischen Autonomie.
— wir haben viel Jahre verloren im Gespräch mit den Amerikanern. Aber zuvor war die Rolle von Eric Schmidt bei Obama im Weissen Haus aber auch problematisch.
— "wir haben ein Problem mit China, nicht mit Huawei".
— das Thema Kartellrecht und Standardisierung kam erst aufs Tablett, als wir - viel zu spät - verstanden haben, welche Marktmacht da aufgebaut wurde.

Gyde Jensen (FDP):
Einleitender Verweis auf den Handelsblatt-Artikel zum Thema DS.
— Will das Thema aus EU-Sicht aufwerfen und verhandeln.
— ihre Sicht ist die einer Menschenrechtspolitikerin... und damit gegen eine Beteiligung von Huawei.
— China wird auch jetzt noch das aktuelle Machtvakuum nutzen. Und dort ist alles kritische Infrastruktur. Doch dieses System wird in spätestens 8 Jahren crashen.
— Die Bundesrepublik surft nicht auf der aktuellen Welle, sondern schwimmt ihr hinterher.

Falko Mohrs (SPD):
— Souveränität darf nicht mit Autarkie verwechselt werden.
— Das Beispiel der Datenschutzgrundverordnung hat einen europäischen Standard gesetzt. Der inzwischen auch in Kalifornien gilt.
— Seit 2020 sind mehr Data in der Cloud als onsite.
— Man könnte die halbe Bundestagsverwaltung lahmlegen, da ihre in Office eingestellten Daten in den USA gehostet werden.
— Huawei wird die Mobiltelefonie aufgeben, "Dank" der Interventionen aus den USA.
— Wettbewerbsrecht: wir wollen einen präventiveren Ansatz für die GAFA’s.

Malte Spitz (Grüne/Bündnis 90)
— diese Diskussion um Huawei springt zu kurz. Es geht nicht nur um ein Unternehmen, um eine Technik, sondern es geht um eine spezifische Haltung.
— was die Bundesregierung macht... ein grosser Haufen von etlichen kleinen Puzzleteilchen.
— wir haben in Deutschland Weltmarktführer, die wir gar nicht entsprechend ihrer Wertigkeit in den Vordergrund stellen.
— sind wir stark genug mit der alltäglichen Computingpower, wer legt heute noch die Überseekabel, ... ?
— die Corona-App wurde im zweiten Anlauf an die Telekom und die SAP vergeben, da man mit den ersten dezentralen Auftrag nicht erfolgreich war.

Thomas Heilmann (CDU)
— der zentrale Ansatz fordert eine hohe wirtschaftliche Stärke in Europa, die im digitalen Sektor massiv bedroht ist.
— ein europäisches Google ist dazu nicht die Antwort. Wir müssen die Märkte offen halten. Daher ein eigenes Ministerium. Daher Standardisierung, ein digitales DIN.
— mit dem Digital Market Act - verabschiedet ab dem 2. Dezember 2020. könnte die EU bahnbrechend sein.
— Wir fordern: Vertikale Integration, das Sharen von Erfahrungswissen, Konnektivitätszwang, Reduktion von Echokammern.
— ohne Facebook wäre ich nicht mehr richtig politikfähig.
— "Europa ist ein Pralinendose von der man nicht weiss, was man kriegt"...
— nur durch verstärkte Standardisierung könnte man Huawei austauschen, man muss sie jetzt in ein Joint-Venture zwingen, damit sie uns nicht in Zukunft erpressen kann.


[1die hier im Nachgang auch nochmals im O-Ton angehört werden könn(t)en: