A New Years’ Application

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 19. Januar 2019 um 01 Uhr 00 Minutenzum Post-Scriptum

 

0.

Regelmässige LeserInnen wissen, dass auf dieser seit dem Jahr 2004 kontinuierlich fortgeführten Plattform zwar vieles zu Kunst und Kultur, alten und neuen Medien, zu unseren Gadgets und zu unserer Gesellschaft stehen mag, dass es sich dabei aber bisher so gut wie immer verboten hat, Sätze zu schreiben, die mit einem "Ich" angefangen und damit der Gefahr einer narzistischen, egozentrischen, empathieheischenden Selbstbespiegelung zu entziehen versucht haben.

Das ist im Prinzip auch in diesem Beitrag nicht anders. Aber dennoch wird hier nachfolgend auf die eigene Person, und vor allem auf das persönliche Erleben in jenen Zeitläuften und Erfahrungen Bezug genommen, die vor allem mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Zusammenhang stehen.

Denn diese nachfolgende Zeilen sind eine erste Fingerübung zur Vorbereitung einer Bewerbung für einen Aufenthalt im Jahr 2020 in der Villa Aurora, dem Thomas Mann Haus an der San Remo Drive in Pacific Palisades, CA. USA. Sie beziehen sich auf die hier als PDF eingestellte Ausschreibung.

Anlass für diese Entscheidung waren die aktuellen Erfahrungen mit den über den Tag hinausweisenden Gadget-Angeboten und Diskussionen auf der CES 2019, Eindrücke und Interventionen auf den "Opening Days" von das Das Neue Alphabet-im Haus der Kulturen der Welt, sowie die Einladung des VILLA AURORA & THOMAS MANN HOUSE E.V. in den Salon Sophie Charlotte in Berlin.

Diese Events reflektieren die Hintergründe des Interesses, geben aber noch nicht das für diese Zeit in Aussicht gestellte Thema und die Vorschläge für dessen Umsetzung Preis. Dieses kennenzulernen und zu begutachten soll den dafür Nominierten vorbehalten bleiben :

Thomas Mann Fellowship 2020

I.

Sich bewerben? Für das nächste Jahr: 2020! Mit diesem Entschluss ist die Absage an den hart erarbeiteten Luxus verbunden, Angebote zu erhalten, ohne noch danach gefragt zu haben, und aus diesen auswählen zu können.

Jetzt, nachdem dieses Ziel erreicht wurde, drehen wir den Spiess nochmals um. Nicht mehr der Regisseur sein wollen, sondern einer der erfolgreichen Kandidaten nach einem "Vorsprechen" in Form eines Bewerbungsschreibens: Wohl wissend um die hohen Qualitäten derer, die schon ausgewählt wurden und jener, die ebenfalls eine Bewerbung einreichen werden.

II.

In meinem Blog-Beitrag vom 18. Juni 2018 über die Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender vom 17. bis 21. Juni 2018 nach Los Angeles und San Francisco wird auch ein Bericht von Kerstin Zilm wiedergegeben, die in der "Fazit"-Sendung dieses Tages von ihren Eindrücke aus der Thomas-Mann-Villa in Pacific Palisades spricht.

Dort heisst es (ab 4:11) "der erste Fellow, der vom frisch rennovierten Thomas-Mann-Haus aus den transatlantischen Dialog anregen wird, ist der Schauspieler Burkhard Klausner."

III.

Zusammen mit Burkhard und einem ganzen Ensemble junger, mutiger Theatermacher haben wir 1971 als Vorbereitung für ein Theater-Ensemble-Projekt in einem harten Training zu erfahren versucht, wie es den jungen GI’s ergangen sein muss, als sie in ihren Training-Camps auf den Krieg in Vietnam vorbereitet wurden. Das Theaterstück, das wir in diesem Jahr zur Aufführung brachten, hiess "Pinkville" [6] und beruht auf den Ereignissen rund um Mỹ Lai vom 16. März 1968 [7]

Vor dieser Zeit liegt bereits ein längerer USA-Aufenthalt: Nach einer ersten Regie in Deutschland, die ein Engagement am Theater am Goetheplatz in der Freien und Hansestadt Bremen einbrachte, gründeten wir in einem Jugendcamp in Elmer, Philadelphia, "The Trees", schrieben ein Morality Play und brachten es dort zur Aufführung.

Bereits zu dieser Zeit gab es in den USA viel Diskussion und Planungsbedarf rund um die American Revolution Bicentennial Commission und schliesslich eine Anfrage, in Zusammenarbeit mit der Christ Church [8] die zweihundertjährige Geschichte der USA in einer Theaterinszenierung wieder auferstehen zu lassen.

Was für eine Herausforderung, in so jungen Jahren mit bislang nur zwei Inszenierungen! Aber für den Sohn einer Dom-Organistin, der ein Grossteil seiner Jugend an dem Arbeitsplatz seiner Mutter verbracht hatte, hatte diese Anfrage einen hohen Reiz. Dem gegenüber standen die Engagements von Ulrich Erfurth nach Bad Hersfeld, von Kurt Hübner nach Bremen, von Dr. Maria Müller-Sommer und George Tabori nach Berlin - und eine gehörige Portion Heimweh.

IV.

Dass dennoch die Verbindungen in die USA damit nicht abgebrochen waren und das ganze weitere Leben mit geprägt haben, wird in dem Antrag en detail belegt werden können. Aber es hat nach mehreren Israel-Reisen erst des - ebenfalls im Blog dokumentierten - Besuchs von Yad Vashem bedurft, um sich darüber im Klaren zu werden, was das Thema der Identität in Bezug auf die Vereinigen Staaten von Amerika ausgemacht hat.

Selbst die im Rahmen der Brecht-Promotion einhergehende Beschäftigung mit dem Arbeiten und Leben der deutscher Exilanten in Amerika hat nicht gereicht, um auf den Kern dieser besonderen Beziehung zu stossen. Erst jetzt, im Tal der Gemeinden von Yad Vashem, wurde im Rahmen einer gemeinsamen Andacht klar, was den Kern dieser Beziehung zu diesem Land ausmachte: Die Beziehung der Mutter zu einem US-amerikanischen Soldaten, der ihr angeboten hatte, mit ihr, als es dafür eigentlich schon zu spät war, Nazi-Deutschland zu verlassen, anstatt dort weiterhin in Angst um das eigene Leben aushalten zu müssen.

Wäre sie damals mit ihm gegangen, wäre ich heute Amerikaner, wäre sie entdeckt worden, wäre ich heute nicht.

V.

[...]

IX.

Der Schluss des oben zitierten Beitrags zur Wiedereröffnung des Thomas-Mann-Hauses lautet: "Wichtig, so Programmdirektor Blaumer, wird es sein, Gespräche auch mit Menschen zu führen, die unterschiedlicher Meinung sind und einander widersprechen." [9]

Und die ARD-tagesschau macht in ihrer 20 Uhr-Ausgabe am 24. Dezember 2018 mit diesem Satz des Bundespräsidenten [10] auf: "Sprechen Sie mit Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind" [11]

Sich dieser Herausforderung zu stellen, hat sich spätestens seit dem ersten Auslandsaufenthalt in den USA bewährt, wo der junge "Gastarbeiter" nach dem Erwerb des Senior Life Saver Certificates als Aufsicht am Swimming Pool ein erstes gutes Auskommen hatte, um sich dann als Driver für Alamo-Cars zu verdingen. Und später, zum Chauffeur avanciert, über ganze Tage hinweg veranlasst war, den Auftraggebern im Fond während der Fahrt zuzuhören - und, auf deren Wunsch hin - auch mit ihnen zu reden.

Frage: Sollte ich also jetzt als Vorstand des Deutschen Journalistenverbandes in Berlin in der Nachfolge des Kamingesprächs mit dem US-amerikanischen Fellow der Robert Bosch Akademy, Jay Rosen [12] nun auch den als Publizist ausgewiesenen Fraktionsführer und "taz"-Kollegen (sic!) der Alternative für Deutschland zu einem solchen Gespräch bitten? Nachdem der Herr Dr. jur. Alexander Gauland am 18. Januar 2018 gegenüber Journalisten erklärt hatte: “Wenn man Krieg haben will in diesem Bundestag, dann kann man auch Krieg kriegen.” [13]?

X.

Jetzt also die Entscheidung, sagen, schreiben und zeigen zu wollen, was man selber will. Und wenn diese Ansage dann mit dem harmoniert, was der vom Kuratorium des Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. eingesetzte Fachbeirat sich von den Kandidaten erwünscht: das wäre wunderbar.

Damit, dass ein solches "Wunder" geschieht, gilt es in diesem jetzt angebrochenen Monat hart zu arbeiten: Zu zeigen, was man will, was man kann - aber auch dafür offen zu sein, dass der Weg zu dem selbst gesetzten Ziel viele Biegungen, ja Wendungen bereit hält, von denen Du zunächst nichts gewusst hast.

Ja grösser die Bereitschaft zu diesem Abenteuer, desto wichtiger die Vorbereitung. Je höher die Bereitschaft auch Unvorhergesehenes zulassen und sich darauf einlassen zu können, desto klarer und eindeutiger das selbst erarbeitete Regelwerk, die Kenntnis um die Aussagekraft der Karten und die Funktionsweise des Kompasses.