November-Erinnern

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 3. November 2018 um 22 Uhr 27 Minutenzum Post-Scriptum

 

Hier ein kurzer Auszug aus dem Kiez-Newsletter von Cay Dobberke und Judith Langowski, der allwöchentlich unter dem Dach des Tagesspiegel GmbH Verlages in Berlin herausgegeben wird:

Gedenken an die Judenverfolgung. Zum 80. Mal jährt sich am 9. November die Pogromnacht, bei der auf Veranlassung des NS-Regimes deutschlandweit Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Bürger verhaftet und Geschäfte jüdischstämmiger Kaufleute attackiert wurden. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es zahlreiche Gedenkveranstaltungen. So bietet die bezirkliche Stolperstein-Initiative um die Koordinatorin Gisela Morel-Tiemann öffentliche Führungen an, für die man „Stolperstein-Gedenkwege“ festgelegt hat.

Der erste Rundgang beginnt am Freitag, 9. November, um 12 Uhr an der Waldschulallee 7 / Ecke Am Vogelherd in Eichkamp und führt bis zum S-Bahnhof Grunewald (Informationen über Stolpersteine in Eichkamp gibt es unter diesem Link). Am Sonnabend, 10. November, um 11.30 Uhr startet eine Führung am Treblinka-Mahnmal am Amtsgerichtsplatz. Weitere Stationen sind das einstige Reichskriegsgericht am Witzlebenplatz und die Friedbergstraße.

Am 10. November um 14 Uhr geht es um Stolpersteine in der Duisburger und Xantener Straße, Startpunkt ist die Kreuzung zwischen der Konstanzer und der Duisburger Straße. Um 14.30 Uhr trifft man sich in der Pariser Straße 45 / Ecke Pfalzburger Straße. Dabei werden außer diesen beiden Straßen auch die Ludwigkirch-, die Uhland- und die Fasanenstraße besucht.

Auch in anderen Bezirken werden „Stolperstein-Gedenkwege“ angeboten. Eine Übersicht steht unter stolpersteine-berlin.de. Außerdem putzt die Stolperstein-Initiative Friedbergstraßeam 9. November ab 16.30 Uhr die 19 Stolpersteine, die dort vor fünf Jahren verlegt worden waren. Dabei zündet man Kerzen an, legt Blumen nieder und spricht über die Biografien der Opfer. Treffpunkt ist der Spiegelsalon an der Friedbergstraße 29.

Das Gottfried-Keller-Gymnasium, das Walther-Rathenau-Gymnasium und die Landespolizeischule Berlin planen für den 9. November einen Schweigemarsch unter dem Titel “Gegen Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit”, der ab 16.30 Uhr vom Rathenau-Gedenkstein (Koenigsallee / Ecke Erdener Straße) zum Mahnmal „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald führt. Dort folgt gegen 17 Uhr eine Kundgebung.

Die Universität der Künste widmet ihr 17. Konzert für die Nationen dem Gedenken an die Opfer der Pogromnacht. Es findet am 9. November ab 20 Uhr im UdK-Konzertsaal an der Hardenberg- / Ecke Fasanenstraße statt (Eintritt: 9, ermäßigt 5 Euro, Näheres zum Programm unter udk-berlin.de). Ebenfalls um 20 Uhr beginnt ein Gedenkkonzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf dem Breitscheidplatz (Eintritt frei, Spenden erbeten). Dort werden Werke der 1923 in Charlottenburg geborenen Komponistin Ursula Mamlok gespielt Sie war 1939 mit ihren deutsch-jüdischen Eltern nach Ecuador geflohen, wurde später in den USA berühmt und kehrte 2006 nach Berlin zurück, wo sie 2016 starb. Um „Die Evangelische Kirche in Deutschland und ihr Verhältnis zu Israel“ geht es bereits am Dienstag, 6. November um 20 Uhr bei einer Gesprächsrunde in der Kapelle der Kirche.

Werke jüdischer Komponisten wie Salamone Rossi, Louis Lewandowski und Felix Mendelssohn-Bartholdy erklingen außerdem am 9. November ab 19 Uhr in der Sühne-Christi-Kirche an der Toeplerstraße 1-5 (Spenden erbeten). Die Trinitatiskirche am Karl-August-Platz steht 24 Stunden lang zum Gebet offen (ab dem 9. November um 18 Uhr). Zu jeder halben Stunde soll es dort Andachten geben, bei denen unter anderem Texte von Zeitzeugen und Lyrik jüdischer Autoren vorgetragen werden.

Auf der offiziellen Ebene der Gedenkveranstaltungen sei an dieser Stelle auch auf die Gedenkstunde im Bundestag hingewiesen, auf der um 9 Uhr Bundespräsident Steinmeier die Gedenkrede hält:

Aus Anlass des für die Geschichte Deutschlands bedeutsamen und vielschichtigen Tages tritt der Deutsche Bundestag am 9. November zu einer Gedenkstunde zusammen. Erinnert wird an die Ausrufung der ersten deutschen Republik vor 100 Jahren, aber auch an die organisierte Gewalt gegen die Juden bei der sog. Reichspogromnacht am 9. November 1938, bei der jüdische Menschen angegriffen und ihre Häuser, Geschäfte und Synagogen zerstört wurden. Es war ein Vorbote der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in ganz Europa.
Auch an einem 9. November kam es zu der friedlichen Öffnung der Berliner Mauer im Jahr 1989, die den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands eingeleitet hat.

An der Gedenkstunde im Reichstagsgebäude werden neben den Bundestagsabgeordneten Vertreter der Verfassungsorgane teilnehmen. Die Gedenkrede wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier halten.

In der Abgeordnetenlobby ist gleichzeitig die Ausstellung „1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Ever“ zu besichtigen, an der international renommierte Künstlerinnen und Künstler beteiligt sind, die ein Jahrhundert nach Kriegsende ein ganz besonderes Zeichen für Frieden setzen wollen.

In der Aussendung des Bundespräsidenten werde die Termin dieses Tages wie folgt zur Darstellung gebracht:

09.00 Uhr
Berlin, Deutscher Bundestag
Rede bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zum 9. November 2018, dem 100. Jahrestag der Ausrufung der Republik

11.00 Uhr
Berlin, Synagoge Rykestraße, Rykestraße 53
Teilnahme an der zentralen Gedenkveranstaltung des Zentralrats der Juden in Deutschland zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht

19.00 Uhr
Berlin, Akademie der Künste, Pariser Platz 4
Ansprache bei der Gedenkveranstaltung „Pogrom 1938"

Auch Frau Dr. Merkel wird zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht sprechen, um 11 Uhr:

Die Bundeskanzlerin hält auf der Zentralen Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht eine Rede in der Synagoge in der Berliner Rykestraße.

Bereits für 10 Uhr haben die Urheber der "Berliner Erklärung der Vielen, Solidarität statt Privilegien! Es geht um Alle! Die Kunst bleibt frei!" in das Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, 10117 Berlin zu einer Pressekonferenz eingeladen. Hier der Text der Einladung:

Pressekonferenz "Die Vielen"

Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf den nachfolgenden Tag, den 10. November 2918, mit dem Friede auf Erden – Konzert im Berliner Dom.

Und die Reise des Bundespräsidenten nach London zur Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen anlässlich "100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges" am Sonntag, den 11. November

11.00 Uhr
Teilnahme an der nationalen Gedenkzeremonie und Kranzniederlegung am Cenotaph in Whitehall, dem nationalen Ehrenmal [1]
18.00 Uhr
Teilnahme am Gedenkgottesdienst in der Westminster Abbey gemeinsam mit Königin Elizabeth II

P.S.

In einer Meldung des Presseportals vom 30.10.2018 – 12:05 Uhr gibt es den Hinweis auf die Bibel-TV-Sendung von heute, den 9. November 2018, ab 21.55 Uhr:

Charlotte Knobloch: "Als wenn es gestern wäre"
Vier Zeitzeugen erinnern an Reichspogromnacht, Ghetto und Verfolgung

Anmerkungen

[1

Der britische Parlaments-Chor und die Musikgemeinschaft des Deutschen Bundestages wollen am 31. Oktober mit einem gemeinsamen Konzert in London an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnern. Das Konzert findet in der Westminster Hall, dem ältesten Teil des britischen Parlaments, statt. Auf dem Programm des gemeinsamen Auftritts steht die Messe in C-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart.
„Der gemeinsame Auftritt unserer beiden Parlamentschöre setzt in Westminster Hall ein hörbares Zeichen der Harmonie“, sagt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. „Musikalisch ist das leichter zu erreichen als politisch. Vor 100 Jahren überwogen die Klagelieder über das namenlose Leid eines Weltkriegs, der den ganzen Kontinent erschüttert hatte. Die Zeiten haben sich glücklich gewandelt. Aber auch heute führen im vielstimmigen Europa die schrillen nationalistischen Töne politisch nie zum Ziel. Das bewegende Konzert zum Gedenken an das Weltkriegsende erinnert uns auch daran.“
Die beiden Chöre pflegen Kontakt und Austausch seit mehreren Jahren und sind bereits 2014 in Westminster Hall und 2016 im Paul-Löbe-Haus in Berlin gemeinsam aufgetreten.
Die Musikgemeinschaft Deutscher Bundestag wurde 2001 gegründet. In dem gemischten Chor singen etliche Mitglieder des Bundestages und ehemalige Abgeordnete sowie Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung, der Fraktionen und der Abgeordneten.


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